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Gruess Gott - Herbst 2020

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Wenn die Welt Kopf steht - Das Magazin über Gott und die Welt

Mit allen Wassern.

Mit allen Wassern. Michaela Helletzgruber hat als eine der ersten Frauen bei der Freiwilligen Feuerwehr Traun die Grundausbildung absolviert. ES GEHT UMS DA-SEIN Michaela Helletzgruber ist zur Stelle, wenn’s wo brennt. Buchstäblich und sprichwörtlich. Sei es bei Trauernden nach einem Todesfall, bei der TelefonSeelsorge – oder wenn ein Haus in Flammen steht. FOTOS: PRIVAT, PHOTOWERKSTATT KLETZMAIR 52

[HERR]GOTT Brände löschen, Trauernden beistehen, Anrufer in einer Panikattacke begleiten – Michaela Helletzgruber ist überall dort am Werk, wo man ihre Hilfe braucht. Denn neben ihrer Anstellung als Referentin der Notfallseelsorge und Mitarbeiterin in der Bibelpastoral der Katholischen Kirche in Oberösterreich engagiert sie sich ehrenamtlich bei der TelefonSeelsorge sowie beim Roten Kreuz Linz und der Feuerwehr in ihrer Heimatgemeinde Traun. „Mit Nachtdiensten, Besprechungen und Versammlungen wird das manchmal schon sehr intensiv. Außerdem habe ich meinen lieben Freundeskreis, spiele zwei Instrumente – und dann bin ich auch verheiratet!“, sagt die 50-Jährige und lacht. Ihr unerschütterlicher Humor ist eine ihrer Geheimwaffen. „Zumindest höre ich das immer wieder. Und vielleicht kommt mir ein gewisser Galgenhumor tatsächlich zugute.“ Zurück zum Leben Bei Helletzgrubers Arbeit gibt es allerdings selten etwas zu lachen. Seit zwölf Jahren betreut die Notfallseelsorgerin bei plötzlichen Todesfällen Hinterbliebene. „In solchen Situationen geht es ums Da-Sein, nicht um g’scheite Worte“, erzählt sie. „Wir sagen nicht: ‚Sie werden schon sehen, in einem Monat schaut’s wieder ganz anders aus.‘ Das geht gar nicht.“ Stattdessen versucht die Notfallseelsorgerin, die Angehörigen zu unterstützen und ihnen mit einfachen Maßnahmen zu helfen, den Schicksalsschlag zu begreifen. „Wenn jemand in einer Krisensituation ganz still ist, läuten bei uns alle Alarmglocken. Wir versuchen dann, mit kleinen Schritten Prozesse anzuregen, die diese Schockstarre aufbrechen“, erklärt Helletzgruber. „Es reicht oft schon das Greifen nach einem Glas Wasser, damit das Gehirn wieder schalten kann. Als Nächstes geht man vielleicht in einen anderen Raum und packt ein paar Dinge zusammen, wenn »Für mich ist es das, was Jesus mit Nächstenliebe gemeint hat: Ich zeige meinem Gegenüber, in dieser Situation bist du nicht alleine. Da ist wer da, dem nicht wurscht ist, was dir passiert.« Michaela Helletzgruber MICHAELA HELLETZGRUBER, 50, ist pädagogische Mitarbeiterin in der Bibelpastoral, Notfallseelsorgerin, Begräbnisleiterin und Trau er begleiterin, Feuerwehrfrau und -seelsorgerin sowie Fachberaterin für Traumapastoral. dioezese-linz.at/ notfallseelsorge jemand die Nacht woanders verbringen möchte. So holt man die Leute Stück für Stück vom Tod zurück ins Leben.“ Michi und die harten Kerle Bei der Feuerwehr unterstützt Helletzgruber ihre Kameraden als ehrenamtliche Feuerwehrseelsorgerin. „Am Anfang war es nicht so leicht, denn Feuerwehrleute sind ja harte Kerle, und die Älteren haben gefragt, warum die Jüngeren so ein neumodisches Zeug brauchen. Die dachten, ich will ihnen psychologische Gespräche aufs Aug drücken oder sie missionieren.“ Stattdessen absolvierte Helletzgruber die Grundausbildung, kehrte die Halle, putzte Autos – als eine der ersten Frauen in der Trauner Feuerwehr. „Und irgendwann haben sie gemerkt: Aha, die Michi redet nicht nur wichtig, sondern kann auch anpacken.“ Langsam sind die harten Kerle aufgetaut. „Manchmal kommt einer nach der Monatsversammlung zu mir und erzählt von einem Einsatz von vor dreißig Jahren, der ihm immer noch nachhängt. Dann ist es wichtig, dass man sich die Zeit nimmt und zuhört.“ Kein Wunder also, dass es für Helletzgruber oft herausfordernd ist, alles unter einen Hut zu bringen. Dennoch kommt es für sie nicht infrage, mit einer ihrer Tätigkeiten aufzuhören. „Für mich ist es das, was Jesus mit Nächstenliebe gemeint hat: Ich zeige meinem Gegenüber, in dieser Situation bist du nicht alleine. Da ist wer da, dem nicht wurscht ist, was dir passiert. Und genau das möchte ich für andere Menschen sein: jemand, der da ist.“ 53