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Gruess Gott - Herbst 2020

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Wenn die Welt Kopf steht - Das Magazin über Gott und die Welt

HIMMEL ZWEI AUF EINER

HIMMEL ZWEI AUF EINER WELLENLÄNGE Die beiden Oberösterreicher, von denen hier die Rede ist, haben dasselbe Ziel: Sie träumen von einer toleranten und solidarischen Gesellschaft. Folgerichtig trafen sich mit Manfred Scheuer und Rudi Anschober nicht nur ein Bischof und ein Minister. Sondern zwei nachdenkliche Menschen. Ein leises Protokoll in lauten Zeiten. INTERVIEW: FRANZ HIRSCHMUGL FOTOS: ASA 12/GREGOR KUNTSCHER Ein Freitagabend im Spätsommer, Sonnenuntergang. Rudolf Anschober und Manfred Scheuer treffen sich im Café des Lentos Kunstmuseums. Ersterem begegnen die Passantinnen und Passanten freudestrahlend, Zweiterem respektvoll. Start mit einem Eiskaffee, jeweils. Dann die Fotosession im Museum, gemeinsam. Für das folgende Gespräch gibt es nur eine Regel: Wir werden das allgegenwärtige Wort „Corona“ vermeiden und stattdessen lieber hinter die öffentliche Persönlichkeit der beiden blicken. Herr Anschober, Herr Scheuer, was wissen Sie eigentlich von einander? Anschober: Ich durfte bei Herrn Scheuers Amtseinführung dabei sein, da habe ich ein wenig Zugang zu seiner Persönlichkeit gekriegt. Gespräche mit ihm sind angenehm und entspannt. Er ist für mich jemand, der immer versucht, sich mit klaren Werthaltungen zu positionieren. Solidarität, das Miteinander. Und das Bild einer liebenden, zusammenführenden Kirche zu vermitteln. Scheuer: Herrn Anschobers politische Anfänge habe ich nicht mitbekommen, weil ich insgesamt 25 Jahre nicht in Oberösterreich war. Seitdem ich wieder da bin, haben wir uns mehrfach getroffen. Mir fallen zu ihm zwei Grundanliegen ein: Auf der einen Seite das Thema Asyl. Auf der anderen Seite das Klimavolksbegehren und „Fridays for Future“. Was würde Sie am Job Ihres Gegenübers reizen? Scheuer: Das habe ich mir noch nie überlegt. Anschober: Darüber bin ich jetzt grundsätzlich sehr froh! (Lacht.) Scheuer: Und ich wär auch nix dafür. Von meiner eigenen Geschichte her komme ich aus der Spiritualität, nicht so sehr vom Strukturellen, vom Politischen. Ehrlich gesagt: Ihre Anliegen teile ich voll, aber ich habe noch nie ein Neidgefühl gehabt. Was würde Sie am Bischofsamt reizen, Herr Anschober? Anschober: Spannender Gedanke. Was uns vereint, ist der Zugang zur Spiritualität, dafür hätte ich gerne mehr Zeit. Dieses Grundsatzdenken kommt in der Politik oft zu kurz. Was mich auch an der Kirche inter­ 54

Feierabend. Ein Gespräch zwischen Manfred und Rudolf und nicht zwischen Bischof und Minister – was beide sichtlich genießen. 55