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Gruess Gott - Herbst 2020

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Wenn die Welt Kopf steht - Das Magazin über Gott und die Welt

EIN ORT DER TRAUER UND

EIN ORT DER TRAUER UND DER HOFFNUNG Warum gehen Menschen auf den Friedhof? Woran denken sie, wenn sie am Grab stehen? Und was erhoffen sie sich? Wir haben uns auf dem St. Barbara Friedhof in Linz umgehört. TEXT: NIKI NUSSBAUMER FOTOS: RAPHAEL GABAUER Stille in der Stadt. Zwischen Bahngleisen und viel befahrenen Straßen gelegen, ist er ein willkommener Ruhepol: der Linzer St. Barbara Friedhof. 64

SAKRAMENT Es tut den Menschen gut zu wissen, wo ihre Toten bestattet sind. Die letzte Ruhestätte ist ein Ort des Gedenkens und des Erinnerns. Am Grab kann man Schmerz und Verlust überwinden, und oft ist Grabpflege auch eine Form der Trauerarbeit. Schon im frühen Christentum war es üblich, verstorbene Menschen zu bestatten. Rund um Kirchen und heilige Plätze errichtete man Grundstücke, die man „einfrieden“ ließ, also mit einer Mauer oder einer Hecke umgab. Daher stammt der Name Friedhof. Die Nähe zu Gotteshäusern hatte zwei Gründe: Der Verstorbene sollte erstens Teil der Gemeinde bleiben und zweitens am Tage der Auferstehung möglichst nahe bei seinem Herrn sein. Das Grab wurde nur als vorübergehender Aufenthaltsort verstanden. So ist der Friedhof im Christentum eine Stätte der Trauer, aber auch der Hoffnung: Das Leben siegt über Dunkelheit und Tod und mündet in ein Weiterleben im Jenseits. Gedenken. „Der Friedhof zeigt, dass unsere Verstorbenen nicht vergessen sind.“ Aus Liebe zu den Verstorbenen Der Friedhof ist ein wichtiger Ort für mich geworden. Mittlerweile betreue ich drei Gräber, die ich zwei- bis dreimal pro Woche besuche. Ich komme aus Liebe zu meinen Eltern und meiner Frau auf den Friedhof. Ich bete ein Vaterunser, spreche mit den Verstorbenen und gieße die Blumen. Im Christentum gibt es die Tradition, die Grabstelle in Ordnung zu halten – und das wird auch in tausend Jahren noch so sein. Ein Besuch auf dem Friedhof beruhigt mich. Im Lärm der Großstadt ist er ein Ort der Erholung und der Besinnung. Er zeigt, dass unsere Verstorbenen nicht vergessen sind und im Gedenken weiterleben. Leben und Tod gehören zusammen, auch wenn der Verlust eines lieben Menschen nur sehr, sehr schwer verkraftbar ist. Helmut Nopp 65