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GruessGott 01 2019

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Momente des Glücks - Magazin über Gott und die Welt

Rechenleistung. Im Ars

Rechenleistung. Im Ars Electronica Center kann man einer künstlichen Intelligenz beim Denken zusehen. umgehen können – dabei aber menschlich bleiben.“ Wenn wir Roboter zum Leben erwecken und Gene manipulieren, fühlen wir uns vielleicht wie Götter. Im Kern bleiben wir aber, was wir immer waren: Homo sapiens, mit all seinen Makeln. Neustart der Menschlichkeit. Der Historiker Yuval Noah Harari hat in seinem Buch „Homo Deus: Eine Geschichte von Morgen“ argumentiert, dass Technologie zu einer neuen Art von Religion führen könnte: „Mithilfe von Biotechnologie und Computeralgorithmen werden diese Religionen nicht nur jede Minute unseres Daseins kontrollieren, sondern auch in der Lage sein, unseren Körper, unser Gehirn und unseren Geist zu verändern sowie durch und durch virtuelle Welten zu erschaffen.“ Die Zukunft unserer Spezies sieht er in einer optimierten Form als unsterbliche „Superhumans“, deren Gehirne mit Computern vernetzt sind. Gerfried Stocker hingegen GERFRIED STOCKER, 55. Der Medienkünstler, Musiker und Nachrichtentechniker ist seit 1995 Geschäftsführer und künstlerischer Leiter der Ars Electronica. Zukunftsforscher. Für Kinder ist Technologie das Natürlichste auf der Welt. Im Kinderforschungslabor können sie nach Herzenslust experimentieren. 48

[HERR]GOTT »Wir müssen den Stellenwert des Individuums in all seinen Erscheinungsformen achten und als unverhandelbares Gut sehen. Unsere Menschenwürde darf nicht in Frage gestellt werden.« ZUSATZFOTO: ARS ELECTRONICA/ROBERT BAUERNHANSL glaubt, dass wir auch eine ganze andere Möglichkeit haben, unsere Zukunft zu gestalten – wenn wir den entgegengesetzten Weg einschlagen und uns auf unsere Menschlichkeit besinnen: „Es geht darum, den Stellenwert des Individuums zu achten und als unverhandelbares Gut zu sehen. Wir müssen uns eine Welt einrichten, in der wir künstliche Intelligenz nutzen, weil sie unheimlich sinnvoll ist – gleichzeitig aber eine Form dafür fnden, die unsere Menschenwürde nicht in Frage stellt.“ Das ist leichter gesagt als getan. Schon heute setzen viele Technologien, etwa autonomes Fahren, ständige Überwachung voraus. Kaum auszudenken, wie weit diese Überwachung in Zukunft noch gehen könnte. Es muss aber auch möglich sein, sich diesem System zu entziehen, wenn man keines der technischen Angebote nutzt. Menschen müssen ihre Autonomie behalten dürfen. Sie müssen ein Recht darauf haben, den Fortschritt einmal Fortschritt sein und in einer Wiese liegend die Seele baumeln zu lassen. Alles andere wäre unmenschlich. Uns dieses Recht zu bewahren ist eine Herausforderung, doch Stocker bleibt optimistisch: „Neue Dinge auszuprobieren und die Natur nachzubauen gehört zur Erkenntnisfähigkeit des Menschen. Auf diesem Weg können wir die Welt ein bisschen besser verstehen.“ Auch die Prophezeiungen vom Zeitalter gottgleicher Menschen und allwissender Maschinen sind am Ende nichts anderes als neue Antworten auf die alten Fragen, die wir uns seit Jahrtausenden stellen. Doch mit ein wenig von Stockers Optimismus könnte es auch das Zeitalter einer neuen Menschlichkeit werden. Mensch und Maschine. Wir statten Computer mit menschlichen Merkmalen aus – und umgekehrt. ARS ELECTRONICA Eine weltweit einzigartige Plattform für Kunst, Technologie und Gesellschaft. Schon seit 1979 beschäftigt sich die Ars Electronica mit der Digitalen Revolution und ihren Auswirkungen. Sie ordnet vergangene Entwicklungen ein und entwirft Zukunftsszenarien. Neben den permanenten Ausstellungen beherbergt das Ars Electronica Center in Linz auch das Futurelab, einen künstlerisch-wissenschaftlichen Thinktank zur Erforschung dessen, was noch kommen könnte. 49