Aufrufe
vor 1 Jahr

GruessGott 01 2019

  • Text
  • Gott
  • Menschen
  • Kirche
  • Linz
  • Welt
  • Himmel
  • Bischof
  • Zeit
  • Liebe
  • Autos
Momente des Glücks - Magazin über Gott und die Welt

[HERR]GOTT SO SCHAUT’S

[HERR]GOTT SO SCHAUT’S AUS IM PARADIES Welche Glaubensfragen beschäftigen einen Bischof? Was bereitet ihm Kopfzerbrechen? Und wie stellt er sich das Paradies vor? Ein Gespräch mit Manfred Scheuer, Bischof von Linz, über Glaube, Liebe und Hoffnung. TEXT: FRANZ HIRSCHMUGL FOTOS: ANDREAS JAKWERTH 58

[HERR]GOTT Jugendjahre eines Bischofs Im kurzen Hemd sitzt Manfred Scheuer in der Abendsonne, vor ihm ein kleines Soda Zitron, hinter ihm der Traunstein, den er am Vormittag noch erklommen hat. Manche würden darauf bestehen, ihn „Exzellenz“ zu nennen, erzählt er, doch „Bischof Manfred“ sei ihm dann doch lieber. Aufgewachsen ist Scheuer 70 Kilometer weiter nördlich, in Haibach ob der Donau. Das Elternhaus war in den Sechzigern eine Landwirtschaft mit vier Kühen, ein paar Schweinen und einer kleinen Bäckerei, für die der jugendliche Manfred Scheuer als Brotausführer arbeitete. Was ist für Sie Heimat? Ich bin stolz, Haibacher zu sein. Aber Heimat verbinde ich trotzdem Fremde Heimat. Manfred Scheuer stammt aus Haibach ob der Donau. Heimat verbindet er aber nicht mit einem Ort. nicht unbedingt mit meinem Heimatort oder mit Oberösterreich. Heimat sind eher Menschen, deren Wort ich höre, mit denen es eine Selbstverständlichkeit gibt und ein Gefühl der Freundschaft. Heimat ist für mich auch der Geschmack der Speckjausn, mit einem gescheiten Schnaps dazu, den ich als junger Brotausführer in aller Früh bekommen hab. Ehrlich gesagt ist mir Oberösterreich aber auch einmal fremd geworden, weil ich ja insgesamt 25 Jahre nicht da war. Was jetzt an Heimat in mir entsteht, das muss ich mir neu erarbeiten. Hatten Sie eine glückliche Jugend? Ich war ja nur bis zur Volksschulzeit in Haibach und bin dann ins Internat nach Linz gekommen. Die Internatszeit – ich würde sie nicht als unglückliche Kindheit sehen, aber auch nicht als unbeschwerte. Heute sagt man, dass die Jugend mit neun Jahren anfängt. Damals hat sie eher erst mit 13 oder 14 angefangen. Der Wunsch, Priester zu werden – stammt der aus dem Alltag Ihrer Familie? Ich habe noch den Großvater im Ohr, wie er mit einer Rasanz beim Tischgebet „Engel des Herrn, Ich glaube an Gott, Vater unser, Gegrüßet seist du Maria, Gebet für die Verstorbenen“ in kürzester Zeit runtergeratscht hat. Das Tischgebet war schon Alltag. In die Kirche gegangen ist man auch, aber viel darüber geredet wurde nicht. Mein Wunsch, Priester zu werden, entstand trotzdem schon nach der Erstkommunion. Mir hat das Ministrieren so getaugt. Das Messelesen, das Ritual, unser kluger Ortspfarrer. Das hat es ausgemacht. 59