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GruessGott 01 2019

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Momente des Glücks - Magazin über Gott und die Welt

[HERR]GOTT Wanderjahre

[HERR]GOTT Wanderjahre eines Gelehrten Manfred Scheuer maturiert in Linz, studiert ebendort Theologie und geht mit 21 Jahren nach Rom, an die Päpstliche Universität. Fünf Jahre später, nun zum Priester geweiht, kehrt er für weitere fünf Jahre als Seelsorger nach Linz zurück. Es folgen drei Jahre an der Uni Freiburg, das Doktorat, acht Jahre als Spiri tual im Linzer Priesterseminar, weitere sechs Jahre als Lehrender in Freiburg und Trier, bis er schließlich 2003 zum Bischof der Diözese Innsbruck ernannt wird. Sie waren Professor für Dogmatik. Brauchen wir heute noch Dogmen, nämlich „grundlegende Lehraussagen, deren Wahrheitsanspruch als unumstößlich festgestellt wird“? Dogmen sind für den Glauben wie Leitplanken auf der Autobahn oder »Liebe war irgendwann vor 20, 30 Jahren als Wort verbraucht. Da wurde viel zu viel in dieses Wort hineingepackt, bis es beschädigt war. Ich bin aber überzeugt, dass heute viele junge Leute mit Liebe als zentralem Inhalt unserer Kirche wieder umgehen könnten.« die Seitenlinie beim Fußball. Bei der Dogmatik geht es um ein Systematisieren der Theologie. Natürlich ist der Glaube erst einmal ganz persönlich, individuell und innerlich. Aber er ist auch öffentlich, politisch, kirchlich, gemeinschaftlich. Ich denke also, dass zum Beispiel der Glaube an Jesus und an den Gott der Liebe nicht unverbindlich bleiben kann. Wenn ich sage, Gott ist die Liebe, dann ist das ein Grunddogma. Ich denke schon, dass die Kirche solche Grundsätze braucht. „Wie kommt mehr Liebe in die Welt?“ als Kurzfassung des Evangeliums – könnte das ein zeitgemäßes Dogma sein? Interessanter Gedanke. Ich bin überzeugt, dass zum Beispiel viele junge Leute sehr gut mit dem Wort Liebe als zentralem Inhalt unserer Kirche umgehen könnten. Das Problem sehe ich eher innerkirchlich: Liebe war irgendwann vor 20, 30 Jahren als Wort verbraucht. Da wurde viel zu viel und von allen Richtungen in dieses Wort hineingepackt, bis es beschädigt war. Suche nach Sinn. Wenn er über Theologie redet, blüht Manfred Scheuer auf. Schließlich war er vor seiner Berufung zum Bischof Professor für Dogmatik. 60

[HERR]GOTT Gipfeltreffen. Der Glaube mag Berge versetzen, doch der Traunstein steht schon seit Äonen unbeeindruckt da. »Ich hatte eine philosophische Runde mit Häftlingen in Garsten. Da kann ich nicht das Evangelium erklären, das wäre zu abstrakt. Aber über die besonderen Lebensumstände kann man daran anschließen. Da geht es um Wertschätzung, um Hoffnung, um Trost und Freundschaft.« Bis man das Wort Liebe zusehends aus dem kirchlichen Vokabular gestrichen hat? Das ist übrigens auch dem Wort „Gott“ passiert. Der große Religionsphilosoph Martin Buber hat geschrieben: „Warum nimmst du das Wort Gott noch in den Mund, weißt du nicht, wie befleckt das ist, wie zerfetzt das ist, für wie viele Kriege das herhalten musste, wie oft es verraten wurde?“ Und so ähnlich ist es bei der Liebe auch gewesen. Lässt sich das Wort Liebe in der Kirche „wiederbeleben“? Vielleicht kommt es wieder! Ich hatte eine philosophische Runde mit Häftlingen in Garsten. Da kann ich nicht das Evangelium erklären, das wäre zu abstrakt. Aber über die besonderen Lebensumstände kann man ganz gut an das Evange lium anschließen. Da geht es dann schnell um Wertschätzung, um Hoffnung, um Trost, um Freundschaft, ja, um Liebe. Das geht mit Häftlingen und Obdach losen besser als in vielen anderen Bereichen des Lebens. Je finsterer es ist, desto leichter kann man ein bisschen Helligkeit hineinbringen? Ja, ja, die wissen schon was. Bei den Häftlingen fällt vieles weg, 61