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Grüß Gott Frühjahr 2020/2

Das Magazin über Gott und die Welt

HIMMEL Patientinnen und

HIMMEL Patientinnen und Patienten ist schwere Arbeit, und daneben gilt es noch dazu, die Hausarbeit zu machen. Es sind die gleichen Anforderungen, die pflegende An gehörige ebenso haben, die auch meist alleine alles bewerkstelligen müssen. „Also haben wir – Christine Aigner, Marilies Eckhart und ich – uns im Pfarrgebiet Leonstein und Molln umgesehen, um zu erfahren, wie viele Personenbetreuerinnen hier arbeiten, wie es ihnen dabei geht und welche Unterstützung wir ihnen geben können“, sagt Ingrid Sitter. Diese Unterstützung bieten sie nun seit fast vier Jahren bei Kaffee und Kuchen. Mittlerweile finden die Treffen alle drei Monate statt. In gemütlicher Runde knüpfen die Betreuerinnen Kontakte, unterstützen Gut besucht. Alle drei Monate treffen die Betreuerinnen im Pfarrheim Leonstein auf beherzte Oberösterreicherinnen. »Jede der Frauen hat ihre eigene Situation. Aber was alle brauchen: ein hörendes Ohr, ein mitfühlendes Herz und manchmal eine helfende Hand.« Ingrid Sitter Einladend. „Danke“ kann man auf viele Arten sagen. Das zeigt der liebevoll gedeckte Tisch. sich gegenseitig mit Rat und Tat, es wird gelacht, getröstet und informiert. So findet Integration in die Gemeinde statt, und die Frauen fühlen sich weniger einsam – eine starke Idee von gelebter Nächstenliebe, die bereits in anderen Gemeinden umgesetzt und mit vielen Auszeichnungen, etwa dem Solidaritätspreis der „KirchenZeitung“, bedacht wurde. Ingrid Sitter erinnert sich gut an jenen Tag, an dem die Vision zum ersten Mal greifbare Formen annahm: „Wir sind zusammengesessen und haben Kaffee getrunken, haben unsere Gemeinschaft genossen, den Austausch und die Freude an unserer Freundschaft – und dann haben wir an die Frauen gedacht, die so weit weg von zu Hause bei uns alte Menschen pflegen und die wahrscheinlich genau das vermissen: miteinander in Gemeinschaft Kaffee trinken.“ 26

Weit gereist. Auf einer Landkarte tragen die Frauen ihren Heimatort ein. Die meisten von ihnen kommen aus der Slowakei und Rumänien. Sichtbare Solidarität. Im Betreuerinnen-Café weiß man, welchen Stellenwert die Pflegearbeit in unserer Gesellschaft einnimmt. Denn die demografische Entwicklung zeigt, dass unsere alternde Gesellschaft vor großen Herausforderungen steht: Die Geburtenzahlen stagnieren, die Lebenserwartung steigt, aber auch die Familienstrukturen haben sich in den letzten 50 Jahren drastisch verändert – von der Versorgung im Familienverband hin zur Vereinzelung. Veränderungen, die Ingrid Sitter hautnah miterleben konnte: Über 16 Jahre arbeitete sie in einem Seniorenheim, drückte dann nochmals die Schulbank und machte das Krankenpflegediplom. In einer Selbsthilfegruppe für pflegende Angehörige, die sie mitleiten durfte, nahm sie die Bedürfnisse der Menschen wahr – und erkannte die Mängel im System: „Würden Angehörige für ihre Arbeit bezahlt, müssten keine Pflegerinnen kommen, die unterbezahlt und ohne Netzwerk sind. Wir können das System nicht ändern, aber wir können die Frauen unterstützen, sie wertschätzen“, sagt Sitter. HELFENDE HÄNDE GESUCHT Sie wollen die Betreuerinnen- Cafés in Ihrer Gemeinde unterstützen? Ingrid Sitter gibt über die Möglichkeiten gerne Auskunft: inga.sitter@aon.at Sitter und ihr Team unterstützen mit Spenden auch das Kinderheim „Stern der Hoffnung“ in Rumänien. Hier werden Kinder betreut, deren Eltern ins Ausland gehen, um Geld für ihre Familien zu verdienen. Weitere Infos: www.dioezeselinz.at/leonstein „Jede hat ihre eigene Situation und ihre individuellen Probleme. Aber was alle brauchen: ein hörendes Ohr, ein mitfühlendes Herz und manchmal eine helfende Hand.“ Zeit nur für sich. Durch das Pfarrheim zieht bereits der Duft von Kaffee und frisch gebackenem Kuchen, die lange Tafel ist farbenfroh gedeckt, und die Pflegerinnen, die von Freiwilligen aus den umliegenden Dörfern abgeholt werden, treffen gut gelaunt ein – darunter auch Alexandra aus Pitești in der Walachei, Mihaela aus Petroșani in Siebenbürgen und Iveta aus Sobrance in der Ostslowakei. Ihre „Pfleglinge“ – im Falle Ivetas ist es die fast 90-jährige Leopoldine – dürfen dabei sein, soweit sie mobil sind. Sie werden in einem Nebenraum betreut, die Türen sind geschlossen: Die Frauen sollen für ein paar Stunden frei von Verantwortung sein und offen reden können. Alexandra macht den Anfang. In ihrer Heimat nahe Bukarest wurde eine große Chemiefabrik stillgelegt, tausende Arbeitsplätze gingen verloren. Trotzdem will sie 27