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Grüß Gott Frühjahr 2020/2

Das Magazin über Gott und die Welt

[HERR]GOTT DREI LEBEN,

[HERR]GOTT DREI LEBEN, DURCHKREUZT Wie bewältigt man den Tod eines geliebten Menschen, eine Krebsdiagnose oder einen furchtbaren Unfall, ohne daran zu zerbrechen? Drei Betroffene erzählen und machen Mut. TEXT: NIKI NUSSBAUMER FOTOS: ROBERT MAYBACH 38

Der Tod. Das ist das eine große Thema im Leben von Leopoldine Scharinger. Viele, zu viele Menschen sah sie sterben. Nahe Verwandte genauso wie unbekannte Menschen, die sie als freiwillige Hospizbegleiterin auf dem letzten Weg begleitete. Der Glaube ist das andere große Thema. Er half ihr in vielen dunklen Stunden. „Ohne die Kraft von oben hätte ich es nicht geschafft“, sagt sie. Und dennoch gab es auch immer wieder Momente des Zweifelns. „Die gehören dazu.“ Leben mit dem Sterben. Der Tod trat früh ins Leben von Leopoldine Scharinger, die von allen „Poldi“ genannt wird. Der Vater fiel im Garten acht Meter vom Kirschbaum hinunter und starb; die Zwölfjährige war es, die ihn dort fand. Im Alter von 35 Jahren verstarb ihre geliebte Stiefschwester Grete an Lungenkrebs. Sie hinterließ einen herzkranken Mann und vier Kinder im Alter von eineinhalb bis elf Jahren. „An ihrem Sterbebett musste ich ihr versprechen, dass ich mich um die Kinder kümmern werde.“ Irgendwie schupfte Poldi Scharinger diese zusätzliche Herausforderung neben zwei eigenen Kindern und ihrem Mann, der sich gerade mit einem Tischlerbetrieb selbständig gemacht hatte. Sie fand sogar noch die Kraft und die Zeit, ehrenamtlich Nachtdienst im Hospiz in Ried zu versehen. Die 63-Jährige sitzt in der selbst gezimmerten Stube ihres Hauses in Stroheim, das Unerschütterlich. Leopoldine Scharinger hat viele liebe Menschen sterben sehen. „Sich daheim zu verkriechen ist aber keine Lösung“, sagt die 63-Jährige. sie mit ihrem Mann nach der Hochzeit bezogen hat. Der Blick schweift über das Eferdinger Becken und bleibt an den markanten Gipfeln von Ötscher, Traunstein und Dachstein hängen. In der Hand hält sie eine Trauerparte. „Karl Scharinger, 1955 bis 2001“ steht auf dieser geschrieben. Und: „Der Glaube tröstet, wo die Liebe weint.“ Im Alter von 18 Jahren hatten sie einander bei der Volkstanzgruppe kennengelernt. Mit 46 war er tot. Nach einer Grippe bekam er eine bakterielle Entzündung am Herzen. Er musste operiert werden, eine Naht ging auf, die Ärzte konnten die innere Blutung nicht stoppen. „Jede Nacht war ich an seinem Grab, weil ich nicht schlafen 39