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Grüß Gott Frühjahr 2020/2

Das Magazin über Gott und die Welt

[HERR]GOTT FÜR DIE WELT

[HERR]GOTT FÜR DIE WELT VON MORGEN Klimawandel, Artensterben, soziale Ungleichheit: Die Menschheit steht vor vielen Problemen. Doch für Lösungen ist es nie zu spät, zeigt uns Papst Franziskus in seiner Enzyklika „Laudato si’“. TEXT: RAFFAEL FRITZ Enzyklika – zugegeben, das Wort ist etwas sperrig. Profaner könnte man auch einfach Rundschreiben dazu sagen. Doch im Vatikan ist die Amtssprache nun einmal Latein. Und von dort aus geben Päpste seit Jahrhunderten solche Rundschreiben heraus. Mal sind sie an die Bischöfe gerichtet, mal an die gesamte Kirche, und hin und wieder, wenn die Lage ernst ist, auch „an alle Menschen, die guten Willens sind“. Zum ersten Mal tat das Papst Johannes XXIII. im Jahr 1963 mit der Enzyklika „Pacem in terris“ („Friede auf Erden“) – als USA und UdSSR kurz davor waren, die Welt mit ihren Atomwaffen in Asche zu legen. Auch heute ist die Lage wieder ernst. Denn es bedarf keiner Atombomben, um unsere Welt in Gefahr zu bringen. Dafür reichen auch althergebrachte Untugenden wie Profitgier, Bequemlichkeit und Ignoranz. Deshalb hat sich Papst Franziskus im Jahr 2015 erneut an alle Menschen guten Willens gewandt. In der Enzyklika „Laudato si’“ prangert er Umweltzerstörung und globale Ungerechtigkeit an. Und er stellt die zentrale Frage: „Welche Art von Welt wollen wir denen überlassen, die nach uns kommen, den Kindern, die gerade aufwachsen?“ Noch nie hat ein Papst zu solchen Fragen so eindeutig Stellung bezogen. Und seine Antworten hallen bis heute nach – nicht nur innerhalb der Kirche. Warum, das sehen Sie auf den folgenden Seiten, auf denen wir aus jedem der sechs Kapitel von „Laudato si’“ ein Zitat ausgewählt haben. FOTOS: PICTUREDESK.COM/TASS/YURI SMITYUK 44

ERSTES KAPITEL WAS UNSEREM HAUS WIDERFÄHRT „ Jedes Jahr verschwinden Tausende Pflanzen­ und Tierarten, die wir nicht mehr kennen können, die unsere Kinder nicht mehr sehen können, verloren für immer. Die weitaus größte Mehrheit stirbt aus Gründen aus, die mit irgendeinem mensch lichen Tun zusammenhängen. Unseretwegen können bereits Tausende Arten nicht mehr mit ihrer Existenz Gott verherrlichen, noch uns ihre Botschaft vermitteln. Dazu haben wir kein Recht.“ Laudato si’, Abschnitt 33 Seeadler waren in Europa beinahe ausgerottet. Heute erholen sich die Bestände wieder. Doch viele andere Arten sind für immer verloren. 45