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DOLCE VITA MAGAZIN N° 19 / 2019

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lifestyle Handschrift

lifestyle Handschrift – eine Kultur am Abgrund? In Zeiten von Smartphones, Tablets und Co. schreiben immer weniger Menschen noch mit der Hand. Die klassische Handschrift leidet darunter – nicht nur in Bezug auf die Qualität. von Karin Schmidt 82 OKTOBER|NOVEMBER 2019

Das Zeichnen wie auch das Schreiben von Hand scheint in unserer hoch technologisierten Welt eine Kultur zu sein, die ausgedient hat. Zweifellos verschwindet die Handschrift, vor allem die «Schönschrift», zunehmend aus unserem alltäglichen Gebrauch, hat keinen Verwendungszweck und kaum gesellschaftlichen Stellenwert mehr. Zwar sind handschriftliche Notizen trotz zunehmender digitaler Nutzung noch nicht ausgestorben, aber die Bedeutung der Handschrift nimmt ab. Die Handschrift als Denkwerkzeug Erinnern Sie sich an Ihre ersten Schreibversuche in der Grundschule? Auf einer Schiefertafel oder mit Bleistift im linierten Heft wurden Schwünge, Bögen und Kringel geübt. Bis in die 80er-Jahre hinein dominierte im Westen die verschnörkelte Lateinische Ausgangsschrift. Beim Handschreiben geht es aber nicht nur um eine schöne Kulturtechnik, sondern um Bildungschancen. Gemäss Erkenntnissen der Neurowissenschaft fördert das Schreiben mit der Hand die Entwicklung des Gehirns. Wer beispielsweise den klassischen Spickzettel von Hand schreibt, muss ihn ner individuellen Handschrift vielerorts schlicht aufgegeben wurde. Dieser Trend führt dazu, dass Schüler zunehmend Probleme damit haben, leserlich und ausdauernd zu schreiben. Es mangelt den Kindern wie auch den Erwachsenen an Übung. Die Handschrift wird dadurch ungelenker, verliert ihre Feinheit und man schreibt langsamer. Handschrift ist persönlich Schon seit Aristoteles wird die Handschrift untersucht, um auf die Persönlichkeit des Schreibers zu schliessen. Schreiben ist eine Handlung, die sich selbst protokolliert, weil die Schrift ja auf dem Papier bleibt. Es gehört im weitesten Sinne zur Körpersprache und drückt dasselbe aus, wie Mimik, Gestik oder Gang, nur auf feinmotorische Art. Die eigene Handschrift ist unverwechselbar. Über die eigene Hand Persönlichkeit zu zeigen, das ist wohl die hervorstechendste Qualität der Schreibschrift. Aber vielleicht ist es genau das, was heute viele Menschen zu vermeiden versuchen. Man sucht zwar nach Individualität, nach Einzigartigkeit, nach Unverwechselbarkeit, doch das ganz Eigene, das man über das persönliche Die Förderung der Handschrift ist ein wertvolles und grundlegendes Kulturgut, das die Individualität des Menschen zeigt. oft nicht einmal mehr benutzen, weil er sich den Inhalt bereits eingeprägt hat. Tippen geht zwar schneller, hinterlässt aber im Gehirn weniger Spuren. Das liegt daran, dass das handschriftliche Schreiben das Gehirn ganzheitlich aktiviert. Darum ist es auch so bedeutend, in der Grundschule weiterhin auf die Handschrift zu setzen. Es ist wichtig, dass Kinder handschriftliches Schreiben lernen, damit sich im Gehirn diese Spuren einprägen. Da gilt der alte Satz: Handschrift ist Hirnschrift. Dabei dürfen die modernen Medien nicht ignoriert werden. Beide Fähigkeiten sollte die Schule fördern. Verlust der Lesbarkeit Heute lernen die meisten Erst- und Zweitklässler eine vereinfachte Schreibschrift, auf die mehr und mehr Schulen komplett verzichten. Die motorische Koordinationsleistung zwischen Hand und Hirn überfordert inzwischen viele Schüler so sehr, dass das Training ei- Schriftbild preisgibt, könnte ja auch schon wieder zu viel sein. Denn jedem, der das per Hand Geschriebene zu Gesicht bekommt, wird allein schon aufgrund des Schriftbilds ein bestimmter Eindruck vermittelt. Graphologen können aus der persönlichen Handschrift viele Persönlichkeitsmerkmale ablesen – zu viele? Dennoch können bestimmte zwischenmenschliche Themen besser mit der Hand auf Papier gebracht werden. Das gilt beispielsweise für Kondolenzbriefe. Das Schreiben mit der Hand verstärkt zudem auch die eigene Vorstellungskraft und man wird kreativer. Der Inhalt des Textes wird viel mehr beachtet, da man auch bildhafter schreiben kann. Fazit: Die Handschrift wird zwar an Bedeutung verlieren, aber verloren gehen wird sie nicht. Erleben Sie doch auch wieder einmal das Gefühl, wie es ist, wenn der Kugelschreiber oder Füllfederhalter auf dem Papier das ausdrückt, was der Kopf hergibt! Übrigens: mit einer handschriftlichen Liebeserklärung kann keine Whatsapp-Nachricht mithalten. DOLCE VITA MAGAZIN 83

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