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Berufsbildungsbrief_1-2018

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Berufsbildungsbrief erste Ausgabe im 2018

Vorlehre Integration

Vorlehre Integration «Eine Chance für Flüchtlinge und für Betriebe» Mit der neuen Vorlehre Integration können sich anerkannte Flüchtlinge und vorläufig aufgenommene Personen branchenspezifisch auf eine berufliche Grundbildung vorbereiten. Der Kanton Bern sucht Betriebe, welche ab Sommer 2018 entsprechende Vorlehrstellen anbieten. Das Planungsund Bauunternehmen GLB macht bereits heute gute Erfahrungen mit einem Flüchtling. ROLF MARTI «An Frezghi Betsuamlak könnte sich manch junger Schweizer bezüglich Mo - tivation und Leistungsbereitschaft ein Vorbild nehmen», sagt Christian Maurer, Berufsbildner bei GLB Seeland. Frezghi Betsuamlak stammt aus Eritrea und absolviert bei der GLB seit einem halben Jahr eine Vorlehre. «Im Sommer kann er mit der Lehre als Schreiner oder als Schreinerpraktiker starten», sagt Christian Maurer. «Frezghi bringt alle Voraussetzungen mit – gute Leistungen im Betrieb, hervorragende Noten in der Berufsfachschule.» Ob Schreiner oder zuerst Schreinerpraktiker hänge davon ab, wie viele Fortschritte er bezüglich Deutsch bis im Sommer noch mache. Christian Maurer verlangt viel von seinen Lernenden. Entsprechend skeptisch war er, als er angefragt wurde, einen Flüchtling in eine Schnupperlehre zu nehmen. Auf einen Versuch liess er es jedoch ankommen. «Frezghi machte von Anfang Vorlehre Integration «Hier wächst ein guter Berufsmann heran»: Frezghi Betsuamlak und Christian Maurer in der Schreinerei der GLB Seeland. an einen guten Eindruck. Doch vollends überzeugte er mich mit einer scheinbaren Nebensächlichkeit. Nachdem er sich am letzten Tag von mir verabschiedet hatte, kam er noch einmal zurück. Er fragte nach der Anleitung zur Verlegung eines Die Vorlehre ist ein kantonales Brückenangebot. Sie bereitet auf den Einstieg in eine berufliche Grundbildung (eidg. Berufsattest EBA oder eidg. Fähigkeitszeugnis EFZ) vor. Im Kanton Bern wird die Vorlehre für drei Zielgruppen angeboten. Für die Vorlehre Integration sucht der Kanton Bern zusätzliche Betriebe aus den Berufsfeldern Bau, Detailhandel, Dienstleistung Hauswirtschaft/Logistik/ Gesundheit, Garten, Gastro, Landwirtschaft und Medientechnologie. Idealerweise verfügen die Betriebe über eine Bildungsbewilligung und über Erfahrung in der Ausbildung von Lernenden. Der Kanton Bern begleitet die Ausbildungsverhältnisse und entlastet die Betriebe von administrativem Aufwand. Informationen: www.erz.be.ch/invol. Auskünfte und Beratung: Mittelschulund Berufsbildungsamt, mba.brueckenangebote@erz.be.ch, 031 633 84 54 Parketts, um sie zu Hause nochmals in Ruhe zu studieren …». So wurde aus der Schnupperlehre eine Vorlehre. Kanton sucht Vorlehrbetriebe Frezghi Betsuamlak gehört zu jenen Flüchtlingen, die den Einstieg in eine berufliche Grundbildung anstreben. Viele absolvieren zuerst das berufsvorbereitende Schuljahr «Praxis und Integration». Doch letztlich gelingt der Einstieg in die Arbeitswelt nur, wenn die jungen Leute ihre Kompetenzen und ihre Motivation in der Praxis unter Beweis stellen können. Der Kanton Bern sucht deshalb Betriebe, welche im Rahmen des Pilotprojekts «Vorlehre Integration» eine Vorlehrstelle anbieten möchten. Die Vorlehre Integration ist spezifisch auf die Bedürfnisse der Zielgruppe ausgerichtet. Sie dauert ein Jahr und wird in den Branchen Bau, Detailhandel, Dienstleis- 1 / Januar 2018 Seite 2

O-Ton Frezghi Betsumalak tung Hauswirtschaft/Logistik/Gesundheit, Garten, Gastro, Landwirtschaft und Medientechnologie angeboten. Die Lernenden arbeiten an drei Tagen pro Woche im Betrieb, an zwei Tagen besuchen sie die Berufsfachschule. Im Betrieb sammeln sie praktische Erfahrung im angestrebten Berufsfeld, in der Berufsfachschule erwerben sie berufsfeldbezogene Kompetenzen (Fachsprache, Berufskunde). Die fachlichen Inhalte bestimmen die Organisationen der Arbeitswelt, welche das Projekt mittragen. Engagement lohnt sich «Die Vorlehre ist eine Chance für Flüchtlinge und für Betriebe», sagt Christian Maurer. «Frezghi bringt durch seinen kulturellen Hintergrund neue Sichtweisen ins Team. Seine Fragen bringen uns dazu, althergebrachte Prozesse zu überprüfen. Kurz: Er lernt von uns, wir lernen von ihm.» Von den Teams, mit denen Frezghi unterwegs sei, werde er gut aufgenommen. «Ich erhalte viele positive Rückmeldungen. Ein Kollege meinte neulich: ‹Den musst du in die Lehre nehmen›. Das machen wir. Die Vorlehre ist also auch eine gute Möglichkeit, geeignete Lernende zu finden.» Positiv überrascht ist Christian Maurer von der Berufsfachschule. «Sie ist streng und fordernd. Jeder Schlendrian wird sofort sanktioniert.» Die Flüchtlinge würden dadurch gut auf die hiesige Arbeitswelt vorbereitet. Die Begleitung von Frezghi sei zwar zeitlich etwas aufwändiger als bei Schweizer Lernenden: «Man muss sich mehr Zeit für Erklärungen nehmen und das eine oder andere zusätzliche Formular auszufüllen.» Doch: «Gemessen daran, dass hier ein guter Berufsmann heranwächst, lohnt sich dieses Engagement.» «Schreiner ist mein Traumberuf. Ich habe immer gerne mit Holz gearbeitet und bin glücklich, dass mir die GLB die Chance gibt, diesen Beruf zu erlernen. Den Kontakt zur GLB hat mein Vermieter hergestellt. Dank ihm konnte ich eine Schnupperlehre absolvieren. Offenbar habe ich meine Sache nicht so schlecht gemacht … (lacht). Während der Vorlehre werde ich nicht nur in der Schreinerei eingesetzt. Ich bin auch mit den Zimmerleuten, den Sanitären und den Maurern unterwegs. Das ist interessant und abwechslungsreich. Ich lerne viel – nicht nur, wie man Arbeiten ausführt und Maschinen bedient, sondern auch, wie all die Werkzeuge, Baustoffe und Geräte heissen. Anfänglich habe ich mir alle Begriffe notiert und zu Hause eingeprägt. Mit dem Schulstoff komme ich gut klar. Die grösste Herausforderung ist die Sprache. Im Betrieb reden fast alle Mundart. Das war zu Beginn schwierig. Aber mittlerweile kann ich gut an den Ge - sprächen teilnehmen. Ich freue mich riesig, im Sommer mit der Lehre als Schreiner oder als Schreinerpraktiker anzufangen – je nachdem. So oder so: Schreiner bleibt das Ziel. Danach möchte ich eine Zweitlehre als Zimmermann machen.» 1 / Januar 2018 Seite 3

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