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Berufsbildungsbrief_1-2018

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Berufsbildungsbrief erste Ausgabe im 2018

Sexuelle Belästigung

Sexuelle Belästigung «Sofort ‹Stopp› sagen oder sich Hilfe holen ist das Beste» Sexuelle Belästigung kann alle treffen – auch Lernende. Jacqueline Güggi von der kantonalen Fachstelle für die Gleichstellung von Frauen und Männern erklärt, wo sexuelle Beläs - tigung beginnt, wie sich Betroffene wehren können und welche Verant - wortung den Betrieben zufällt. ROLF MARTI Frau Güggi: Was ist sexuelle Belästigung? Güggi: Unter den Begriff sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz fällt jedes Verhalten mit sexuellem Bezug oder auf Grund der Geschlechtszugehörigkeit, das von einer Seite unerwünscht ist und das eine Person in ihrer Würde verletzt. So steht es im Gleichstellungsgesetz. Es geht also nicht nur um Köperkontakte – auch Gesten, Worte oder taxierende Blicke können eine sexuelle Belästigung sein. Lässt sich zwischen einem Flirt und einer sexuellen Belästigung eine scharfe Grenze ziehen? Güggi: Objektiv nicht. Auch die Absicht der belästigenden Personen tut nichts zur Sache. Entscheidend ist, wie die betroffenen Personen die Situation erleben. Ein Flirt respektiert persönliche Grenzen, macht Spass, stärkt das Selbstwertgefühl. Eine sexuelle Belästigung verunsichert, erniedrigt oder löst Unbehagen aus. Sind ein anzüglicher Witz in der Kaffeepause oder ein Nacktbild in der Werkstatt bereits eine Grenz - überschreitung? Güggi: Sobald sich Mitarbeitende dadurch gestört fühlen, ja. Solche Dinge gehören daher nicht in ein professionelles Umfeld. Ist sexuelle Belästigung ein Thema mit klarer Rollenzuteilung zwischen den Geschlechtern – Frauen sind Opfer, Männer Täter? Güggi: Beide Geschlechter können beides sein – unabhängig ihres Alters und ihrer Funktion. 28 Prozent der Frauen und 10 «Es geht nicht nur um Köperkontakte – auch Gesten, Worte oder taxierende Blicke können eine sexuelle Belästigung sein», sagt Jacqueline Güggi. Prozent der Männer haben sich während ihres bisherigen Erwerbslebens schon einmal sexuell belästigt oder gestört gefühlt, 55 Prozent der Frauen und 49 Prozent der Männer haben potenziell belästigendes Verhalten erlebt. Die Täterseite besteht zu rund 65 Prozent aus Männern, zu 20 Prozent aus gemischten Gruppen und zu 15 Prozent aus Frauen. Was bewirkt sexuelle Belästigung bei den Betroffenen? Güggi: Sie kann eine Krise auslösen. Mögliche Folgen sind Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Depressionen und an - dere psychische Erkrankungen. Das wirkt sich auf die Leistung am Arbeitsplatz aus, bei Lernenden auch auf die Leistung in der Berufsfachschule. Wird die Situation nicht geklärt, kann es zum Lehrstellenwechsel oder zum Lehrabbruch kommen. Wie setzt man sich wirkungsvoll zur Wehr? Güggi: Sofort und bestimmt «Stopp» sagen oder sich Hilfe holen ist das Beste. Dabei geht man idealerweise in drei Schritten vor. Benennen, was gerade passiert ist, sagen, welche Gefühle das auslöst und eine klare Erwartung formulieren. Beispielsweise so: «Sie haben mich gerade wie zufällig berührt. Das stört mich. Ich erwarte, dass das nicht wieder vorkommt.» Wer sich nicht getraut, in der Situation zu reagieren, kann dies später schriftlich tun. In der Realität ist es aber schwierig, sich direkt zur Wehr zu setzen. Was, wenn eine klare Abgrenzung nicht gelingt? Güggi: Dann sollte man Hilfe holen – zum Beispiel bei der kantonalen Fachstelle für die Gleichstellung von Frauen und 1 / Januar 2018 Seite 4

In Kürze Männern. Lernende können sich auch vertraulich an die Beratungsstelle der Berufsfachschule wenden. In grösseren Betrieben gibt es zudem Ansprechpersonen, welche mit der Thematik vertraut sind. Für Lernende dürfte es besonders schwierig sein, sich zu wehren – beispielsweise, wenn die Belästigung durch eine vorgesetzte Person erfolgt. Güggi: Lernende stehen in einem speziellen Abhängigkeitsverhältnis. Es braucht daher besonders viel Mut, sich zu wehren. Umso wichtiger ist es, dass die Betriebe ihre Verantwortung wahrnehmen. Das Gesetz verpflichtet sie, belästigenden Situationen vorzubeugen und bei Vorfällen einzugreifen. Gegenüber Lernenden haben sie eine erhöhte Fürsorgepflicht. Unsere Infobox Beratung für Betroffene Sexuell belästigte Personen können sich vertraulich an die › kantonale Fachstelle für die Gleichstellung von Frauen und Männern wenden. Lernende erhalten auch bei der › Beratungsstelle ihrer Berufsfachschule oder bei der › Ausbildungsberatung des Kantons Bern fachkundige Beratung und Unterstützung. Weiterbildung für Betriebe Die kantonale Fachstelle für die Gleichstellung von Frauen und Männern bietet regelmässig › Weiterbildungen zum Gleichstellungsgesetz sowie zum Thema «Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz» an. Weitere Informationen • Die Broschüre «Schtop, sofort!» zeigt Lernenden, wie sie sich gegen sexuelle Belästigung im Lehrbetrieb wehren können. › Download • Weitere Informationen finden Betroffene und Betriebe auf der Website des › eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann. Fachstelle bietet entsprechende Schulungen an. Letztlich ist es im ureigenen Inte - resse eines Unternehmens, dass sich alle Mitarbeitenden am Arbeitsplatz wohlfühlen. Haben sexuell belästigte Personen auch rechtliche Optionen? Güggi: Sie können gegen die belästigende Person ein Strafverfahren einleiten und den Betrieb gestützt auf das Gleichstellungsgesetz wegen mangelnder Prävention belangen. Während des Verfahrens und sechs Monate darüber hinaus geniessen sie Kündigungsschutz. Ein rechtliches Verfahren stellt aber immer eine zusätzliche Belastung dar. Es ist also besser, zuerst das Gespräch zu suchen oder ein betriebsinternes Verfahren anzustreben. Der erwähnte Kündigungsschutz gilt auch in diesem Fall. Lehrverträge einreichen Je früher, desto besser Die Abteilung Betriebliche Bildung bittet die Lehrbetriebe, neu abgeschlossene und unterzeichnete Lehrverträge umgehend einzureichen. Nur so kann eine möglichst optimale Schulortszuteilung garantiert werden und haben die Berufsfachschulen genügend Planungs- und Vorbereitungszeit. Selbstverständlich können Lehrverträge auch erst im Juni oder später eingereicht werden. Die betreffenden Lernenden werden dann jenen Schulen zugeteilt, die noch über freie Plätze verfügen. Hinweis: Die Lehrverträge müssen mit dem Formular 2016 eingereicht werden. www.lehrvertrag.info › Kanton Bern EBA-Tagung Anstand gilt für alle – auch für uns Am 3. März 2018 findet die 10. EBA-Tagung der Pädagogischen Hochschule Bern (PHBern) statt. Sie befasst sich mit zwei gesellschaftlichen Entwicklungen, welche sich direkt auf die Ausbildung von EBA-Lernenden auswirken: mit dem Aura-Verlust von Schule und Berufsbildung sowie mit der anhaltenden Migration. Es stehen zwei Inputreferate und mehrere Workshops auf dem Programm. Letztere befassen sich mit Themen wie «Umgangsformen und Anstandsregeln in Schule und Ausbildung», «Gewaltfrei streiten und verhandeln im Schulzimmer» oder «Transkulturelle Kompetenz». Die EBA-Tagung richtet sich an Lehrpersonen der Berufsfachschulen, an Berufsbildende, an Leiterinnen und Leiter der überbetrieblichen Kurse sowie an Schulleiterinnen und -leiter. Veranstaltungsort: PHBern, Fabrikstrasse 6 und 8, Bern. › Programm und Anmeldung EHB-Magazin Migration in der Berufsbildung Die zweite Ausgabe des EHB-Magazins «skilled» behandelt den Schwerpunkt Migration in der Berufsbildung. Eine Studie des EHB zeigt, dass sich die Lehrpersonen oft nicht für die Herausforderung gerüstet fühlen, möglichst alle Lernenden gut zu integrieren. Sieben Persönlichkeiten legen dar, wie sich aus ihrer Sicht eine gute berufliche Integration von Migranten/-innen darstellt. Ein Praxisprogramm zeigt, was den Berufsbildenden bei der Betreuung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund hilft. › Download 1 / Januar 2018 Seite 5

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