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Berufsbildungsbrief_1-2018

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Berufsbildungsbrief erste Ausgabe im 2018

Fehlzeiten «Ich spreche

Fehlzeiten «Ich spreche Absenzen offen, direkt und zeitnahe an» Was tun, wenn Lernende im Betrieb immer wieder fehlen? Christian Lüthi erläutert im Gespräch, wie er mit solchen Situationen umgeht. Der Direktionsberufsbildner der Stadt Bern ist überzeugt, dass Fehlzeiten oftmals auf gesundheitliche Probleme hinweisen. PETER BRAND Herr Lüthi, Sie sind verantwortlich für die Berufsbildung der städtischen Direktion für Bildung, Soziales und Sport. Welchen Stellenwert hat bei Ihnen das Thema Fehlzeiten? Lüthi: Einen sehr hohen – und zwar nicht nur für die Lernenden, sondern für alle Mitarbeitenden. Ich bin überzeugt, dass nur gesunde und motivierte Lernende den heutigen anspruchsvollen Ausbildungen genügen. Natürlich müssen Lernende auch ein wenig an das Thema herangeführt werden. Sie machen ihre ersten Schritte in der Arbeitswelt, müssen Erfahrung sammeln und lernen, mit Druck und Stress umzugehen. Den meisten gelingt die Integration in das Berufsleben problemlos, andere brauchen mehr Unterstützung und Begleitung. Wie handhaben die Lernenden ihre Absenzen und Fehlzeiten? Lüthi: Sie müssen sich – wie alle anderen Mitarbeitenden auch – korrekt abmelden, wenn sie krank sind. Auch für sie gelten die Vorgaben der Stadt Bern. Gegenüber Lernenden haben wir eine erhöhte Fürsorgepflicht, sie sollen aber auch selber Verantwortung für ihre Gesundheit übernehmen. Sie können das Thema nicht einfach an den Hausarzt oder an uns delegieren. Angenommen, es kommt zu erhöhten Fehlzeiten: Wie reagieren Sie? Lüthi: Wir schauen genau hin und werten die Fehlzeiten monatlich aus. Ich spreche Absenzen offen, direkt und zeitnahe an und will wissen, was los ist. Hilfreich ist sicher, dass wir mit allen Lernenden regelmässig Gespräche führen, in denen auch die Gesundheit thematisiert wird. Wir möchten präventiv handeln und nicht erst Möchte die Lernenden grundsätzlich stärken: Direktionsberufsbildner Christian Lüthi. dann reagieren, wenn bereits Probleme vorliegen. In diesem Kontext lassen sich Fehlzeiten gut ansprechen. Sie sprechen das Thema direkt an. Worauf legen Sie im Gespräch Wert? Lüthi: Ich spreche die Dinge offen, aber wohlwollend und ressourcenorientiert an, wobei ich davon ausgehe, dass die wenigsten Lernenden einfach so «blaumachen», weil sie keine Lust zur Arbeit haben oder in der Schule ein schwieriger Test ansteht. Fehlt jemand häufig, geht es in vielen Fällen um gesundheitliche Aspekte. Darum lege ich Wert auf einen vertrauensvollen Austausch und möchte die Lernenden grundsätzlich stärken. Vielleicht gibt es schwierige Situationen bei der Arbeit, in der Berufsfachschule – oder es fällt im Privatleben etwas Belastendes an. Welche Massnahmen oder Vereinbarungen treffen Sie bei erhöhten Fehlzeiten? Lüthi: Ich beziehe die Eltern mit ein und suche gemeinsam nach Lösungen. Liegen Schulprobleme vor, kann eine Fördermassnahme wie beispielsweise Einzel- unterricht helfen. Manchmal lindern bereits genügend Schlaf und Erholung vorhandenen Stress oder Überforderung. Ab und zu erstelle ich mit den Lernenden zu diesem Zweck einen verbindlichen Wochenplan. Was den Lernenden hilft, ist meist sehr individuell. Selbstverständlich will ich auch von ihnen wissen, was sie dazu beitragen, damit sich die Situation verbessert. Es kann sein, dass ich bereits am ersten Krankheitstag ein Arztzeugnis verlange. Was, wenn sich dennoch keine Verbesserung einstellt? Lüthi: Dann sorgen wir für professionelle Unterstützung. Um die Situation zu objektivieren, schalten wir bei Bedarf Vertrauensärzte ein. Allenfalls hilft ein internes Case Management oder eine Anmeldung bei der IV. Hin und wieder müssen wir auch ein Lehrverhältnis aus gesundheitlichen Gründen auflösen. Das kommt allerdings nur selten vor. Mehr zum Thema Gesundheitsförderung: www.fws-apprentice.ch 1 / Januar 2018 Seite 8

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