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Berufsbildungsbrief 1/2019

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Berufsbildungsbrief

1 / Januar 2019 Inhalt Seite 2 Brückenangebote «Brückenangebote müssen einen Mehrwert bringen» Seite 4 Vorlehre Integration «Es ist schön zu sehen, dass Selam grosse Fortschritte macht» Seite 6 Lernende aus anderen Kulturen «Wir müssen vorleben, was wir von anderen erwarten» Seite 8 Fachkundige individuelle Begleitung (FiB) «Viele dieser Lernenden sind innerlich unter Druck» Editorial Brückenangebote integrieren Die Berufsbildung hat eine enorme Integrationskraft. Das hat auch das Staatssekretariat für Migration erkannt. Mit dem Pilotprojekt «Vorlehre Integration» bietet es die finanzielle Unterstützung, um Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene in die Berufsbildung zu führen und so wirtschaftlich unabhängig zu machen. Im Sommer 2018 haben im Kanton Bern 105 junge Menschen (18 bis 35 Jahre) eine Vorlehre Integration begonnen. 100 Betriebe und 7 Berufsfachschulen unterstützen sie dabei. Weil sie überzeugt sind, dass gesellschaftliche Integration am besten über beruf - liche Integration gelingt. Die Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommenen bringen unterschiedlichen Vorkenntnisse mit. Deshalb klärt der Kanton ihre handwerklichen und intellektuellen Fähigkeiten ab. Es geht darum, das Potenzial für eine spätere berufliche Grundbildung zu erkennen. Nur wer die Vorabklärung besteht, wird an interessierte Betriebe vermittelt. So wie Kubrom Selam (Bericht Seite 4): Sie absolviert im Burgerspittel Bern die Vorlehre Integration und wechselt danach in die zweijährige berufliche Grundbildung als Assistentin Gesundheit und Soziales. Sind 60 Prozent aller Teilnehmenden ebenso erfolgreich, hat das Projekt ein wesentliches Ziel erreicht. Auch von den Jugendlichen und junge Erwachsenen, welche die Volks - schule in der Schweiz absolvieren, schaffen nicht alle den Direkteinstieg in eine Lehre. Für sie gibt es die Berufsvorbereitenden Schuljahre (BVS). Sie ermöglichen in vier Berufsfeldern eine gezielte Vorbereitung auf die Praxis. Sie bieten zudem Begleitung im Berufswahlprozess und vermitteln Allgemeinbildung. Die BVS-Mittel sollten jedoch zielgenau eingesetzt werden. Wann immer möglich ist der Direkteinstieg anzustreben (Interview Seite 2). Deshalb müssen Schulabgängerinnen und Schulabgänger ihre Motivation in einem Bewerbungsschreiben darlegen. Diese Schreiben machen klar, weshalb es die BVS braucht: Sie offenbaren sprachliche und schulische Lücken, fehlende Kraft für die Berufswahl, schwierige familiäre oder persönliche Situationen. Wer sich über zu viele Brückenangebote beklagt, sollte wissen: Viele Jugendliche schreiben, sie hätten den Lehrvertrag zugesichert, der Lehrbetrieb wünsche jedoch ein «10. Schuljahr». Diese Berner Tradition ist zu hinterfragen. Ermutigen wir die Jugendlichen zum Direkteinstieg. Das Extrajahr können sie später für die Berufsmaturität oder für die höhere Berufsbildung einsetzen. Davon profitieren alle – auch die Betriebe. Simone Grossenbacher, Leiterin Fachstelle Brückenangebote, Mittelschul- und Berufsbildungsamt