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Berufsbildungsbrief 1/2020

Berufsbildungsbrief

1 / Januar 2020 Inhalt Seite 2 Digitalisierung Lernende auf den Umgang mit Veränderungen vorbereiten Seite 4 Lernende mit AD(H)S Wenn das Gehirn anders tickt, bieten sich auch Chancen Seite 6 QualiCarte Beitrag zur Förderung des Qualitätsbewusstseins Seite 7 Alles was Recht ist Frei- und Stützkurse Seite 8 Berufsbildung und Migration «Schwierig ist der Einstieg für spätmigrierte Jugendliche» Editorial Jeder Abschluss ein Gewinn Im Kanton Bern verfügen fast 95 Prozent der 25-Jährigen über einen Berufs- oder Mittelschulabschluss. Das ist grossartig. Die Berufsbildung integriert mit Abstand am meisten junge Menschen in die Arbeitswelt (74 Prozent). Weil sie jungen Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen eine Chance bietet – leistungsstärkeren und leistungsschwächeren. Die Berufslehre ist aus meiner Sicht ein zentraler Baustein im Leben eines jungen Menschen. Ich weiss aus eigener Erfahrung, wie bedeutsam diese ersten Schritte ins Berufsleben sind. Doch: Nicht alle profitieren von der Berufsbildung im gleichen Ausmass. Insbesondere spät zugewanderte Jugendliche und junge Erwachsene kämpfen beim Einstieg in eine Lehre mit spezifischen Schwierigkeiten – Sprache, Kultur, sozialer Status, Vorurteile … Die Folge: Viele bleiben ohne Berufs- oder Mittelschulabschluss (siehe Interview mit Ursula Scharnhorst vom Eidgenössischen Hochschulinstitut für Berufsbildung EHB, Seite 8). Das ist problematisch – für die Betroffenen und für die Gesellschaft. Wer keinen Berufsabschluss hat, lebt mit einem beträchtlich höheren Risiko, auf Sozialhilfe angewiesen zu sein. Die Bildungs- und Kulturdirektion des Kantons Bern engagiert sich deshalb intensiv für die Integration dieser jungen Menschen: in der Volksschule, bei der Vorbereitung auf eine Berufsbildung, während der Berufsbildung. Eine besondere Herausforderung ist der Übergang von der Volksschule in eine nachobligatorische Ausbildung. Spätmigrierte Jugendliche und junge Erwachsene brauchen dafür mehr Zeit – zum Aufbau ihrer Sprachkompetenz, zum Schliessen schulischer Lücken. Der Kanton unterstützt sie mit spezifischen Angeboten: dem Berufsvorbereitenden Schuljahr «Praxis und Integration», der Vorlehre, der Vorlehre Integration … Mit Erfolg: 82 Prozent (rund 77 Prozent schweizweit*) erzielen einen Abschluss auf Sekundarstufe II. Den wohl wichtigsten Integrationsbeitrag leisten jedoch die Lehrbetriebe. Indem sie diesen jungen Menschen eine Chance geben; indem sie sich offen zeigen gegen - über anderen Kulturen; indem sie sich am Potenzial und nicht an vermeintlichen Defiziten orientieren. Dieses Engagement der Lehrbetriebe ist überaus wertvoll. Ich danke den Betrieben für alles, was sie täglich für die Berufsbildung leisten. Integration ist zentral. Sie gelingt, wenn alle ihren Anteil leisten: die jungen Migrantinnen und Migranten, die Wirtschaft, der Staat. Wir haben viel erreicht. Aber es gibt noch Luft nach oben. Jeder zusätzliche Berufsabschluss ist ein Gewinn – mit Blick auf den Fachkräftemangel und für unsere Gesellschaft. Christine Häsler Bildungs- und Kulturdirektorin des Kantons Bern *) Zahlen beziehen sich auf die im Ausland geborenen Ausländer/-innen, Auswertung BSF für 2017.