Aufrufe
vor 7 Monaten

Berufsbildungsbrief_3-2017

  • Text
  • Kanton
  • Bern
  • Kurs
  • Kampagne
  • Grundkompetenzen
  • Kurse
  • November
  • Bund
  • Erwachsenen
  • Schweiz

WorldSkills Abu Dhabi

WorldSkills Abu Dhabi «Der ‹Plämpel› ist sicher hilfreich für die berufliche Zukunft» Es war eine Medaille auf Ansage: Die Automatiker Fabien Gyger und Cédric Achermann sind mit dem Ziel an die Berufsweltmeisterschaften (WorldSkills 2017) gereist, auf dem Podest zu stehen. Zurückgekehrt sind sie mit Gold. Fabien Gyger hat seine Ausbildung bei Meyer Burger in Thun, Cédric Achermann bei Ammann in Langenthal absolviert. ROLF MARTI Gratulation zum Erfolg in Abu Dhabi. Wie fühlt man sich als Weltmeister? Gyger: Als wir aufs Podest gerufen wurden, gab es nur noch Freude und Jubel. Achermann: Es ist schlicht fantastisch und entschädigt für alles, worauf wir im Rahmen der Vorbereitung verzichtet haben. Im August haben Sie eine Ansage gemacht: Wir wollen aufs Podest (Einsteiger vom 26.08.17). Weshalb wussten Sie, dass Sie mit der Weltspitze mithalten können? Gyger: Wir konnten uns mit ehemaligen WM-Teilnehmern vergleichen und haben Aufgaben früherer Weltmeisterschaften gelöst. Wir wussten also in etwa, wo wir stehen. Aber klar: Ob‘s reicht, weiss man erst nach dem Wettkampf. Sie haben acht Monate intensiv für die vier Wettkampftage in Abu Dhabi trainiert. Alles richtiggemacht in der Vorbereitung? Achermann: Aufgrund des Resultats würde ich meinen: ja … (lacht). Welche Aufgaben mussten Sie an den WorldSkills lösen? Gyger: Wir mussten eine Produktionsstrasse bauen und programmieren, die Sand in Becher füllt und die gefüllten Becher in Karton verpackt. Der Auftrag bestand aus sechs Teilaufgaben, welche einzeln bewertet wurden. Insgesamt war die Aufgabe bedeutend umfangreicher als erwartet. An Berufsmeisterschaften werden sowohl Aufgaben gestellt, die vorgängig «Als wir aufs Podest gerufen wurden, gab es nur noch Freude und Jubel», sagen die Automatiker-Weltmeister Fabien Gyger (links) und Cédric Achermann. trainiert werden können, als auch solche, die situatives Vorgehen verlangen. Wie war der Mix in Abu Dhabi? Achermann: Es gab weniger Standardaufgaben als erwartet – was uns entgegenkam. Bei Standardsituationen sind die asiatischen Teams meist im Vorteil. Sie bereiten sich zwei bis drei Jahren vollzeitlich auf die Weltmeisterschaften vor. Da sitzt bei vertrauten Aufgaben jeder Handgriff perfekt. Die Stärke der Schweizerinnen und Schweizer liegt darin, für unbekannte Problemstellungen rasch die richtige Lösung zu finden. Woher kommt diese Qualität? Gyger: In der Schweiz werden die Berufsleute in einem Betrieb ausgebildet. In der Praxis gibt es selten Standardsituationen. Meist sind individuelle Lösungen gefragt. Gab es kritische Momente während des Wettkampfs? Gyger: Wir haben bei zwei Aufgaben Punkte verschenkt. Am zweiten Tag haben wir eine suboptimale Lösung für eine Pro- blemstellung gewählt, und am letzten Tag blieb ein Greifarm während der Präsentation einen Millimeter neben der vorgesehenen Position stehen. Über die Ursache können wir nur spekulieren, unsere Tests waren allesamt positiv verlaufen. Nach diesen zwei Pannen rechneten wir nicht mehr mit einem Podestplatz. Nebst Wissen und Fertigkeiten braucht es an Weltmeisterschaften auch mentale Stärke. Hat sie der Erwartungsdruck belastet? Achermann: Nein. Ich habe mir gesagt: Gibt dein Bestes, dann musst du dir im Nachhinein nichts vorwerfen, egal, ob es fürs Podest reicht oder nicht. Waren Sie nervös? Achermann: Im Vorfeld schon. Aber sobald der Wettkampf begann, war die Nervosität weg. Man ist völlig fokussiert, bemerkt nicht einmal, wie viele Leute einem zuschauen. Abgesehen von Ihrem Erfolgserlebnis: Was haben Sie an besonderen 3 / November 2017 Seite 2

Automatikerinnen und Automatiker treten immer in Zweierteams zu den Meisterschaften an: Cédric Achermann (links) kümmerte sich primär um die Programmierung, Fabien Gyger um den Anlagenbau. Eindrücken mitgenommen von den WorldSkills? Gyger: Ich war beeindruckt von den Dimensionen des Anlasses. Es wird ein unglaublicher Aufwand betrieben. Allein die Eröffnungszeremonie war gigantisch. Das werde ich nie vergessen. Von Abu Dhabi haben wir leider kaum etwas mitbekommen. Was bedeutet der Weltmeistertitel für Ihre Karriere? Achermann: Der «Plämpel» ist sicher hilfreich für die berufliche Zukunft … (schmunzelt). Wir haben durch die Vorbereitung unser Know-how erweitert und Erfahrung im Umgang mit Stresssituationen gesammelt. Kurz: Wir haben einen Leistungsausweis. Gyger: Zudem konnten wir im Rahmen der Vorbereitungen und während der World - Skills wertvolle Kontakte knüpfen. Erfolgreiche Berner/-innen Die Schweiz hat an den Berufsweltmeisterschaften in Abu Dhabi (WorldSkills, 15. bis 18. Oktober 2017) das beste Resultat aller Zeiten erzielt. Dank 11 Gold-, 6 Silber- und 3 Bronzemedaillen belegte die Schweiz hinter China Rang 2 in der Nationenwertung. Hinzu kommen 13 Diplome. Besonders erfolgreich waren die Teilnehmer/-innen aus dem Kanton Bern. Sie holten ein Drittel aller Schweizer Medaillen. Auch der Titel «Best of Nation» (Landesbester) ging in den Kanton Bern. Gold: Fabien Gyger, Spiez (Automatiker), Adrian Krähenbühl, Niederösch (Landmaschinenmechaniker), Beat Schranz, Adelboden (Elektroinstallateur – Best of Nation), Emil von Wattenwyl, Kehrsatz (Webdesign and Development), Marcel Wyss, Grindelwald (Sanitär und Heizungsinstallation). Silber: Sandra Lüthi, Burgdorf (Dekorationsmalerin), Jannic Schären, Gerzensee (Elektroniker). Diplom: Fabienne Niederhauser, Lützelflüh (Gipserin-Trockenbauerin), Uthaya Umaparan, Schangnau (Konditorin-Confiseurin) www.swiss-skills.ch / www.worldskills.org Mit anderen Worten: Sie haben schon viele Stellenangebote erhalten. Gyger: Bisher nicht … (lacht). 3 / November 2017 Seite 3

Berufsbildungsbriefe

Berufsbildungsbrief_1-2018
Berufsbildungsbrief_2-2018
Berufsbildungsbrief_3-2018

Berufsbildungsbriefe

Berufsbildungsbrief 2-17