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Berufsbildungsbrief 3/2021

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Theo Ninck «Ich werde

Theo Ninck «Ich werde mich weiter dafür einsetzen, dass Menschen ihr berufliches Potenzial entwickeln können» Während fast 19 Jahren hat er das Mittelschul- und Berufsbildungsamt des Kantons Bern geleitet. Jetzt wird er pensioniert: Theo Ninck. Das Interview zu seinem Abschied hat er nicht gesucht. Doch der Berufsbildungsbrief ist hartnäckig geblieben. ROLF MARTI Theo Ninck, bitte vervollständigen Sie folgende Sätze. Müsste ich nochmals eine Berufswahl treffen, würde ich … Ninck: … mich erneut für die Landwirtschaft entscheiden und Ingenieur-Agronom studieren. Hier kommt vieles zusammen, das mir wichtig ist: Ökonomie, Ökologie, Soziologie, Raumentwicklung. Zudem bin ich gerne in der Natur. Wäre ich nicht Leiter des Mittelschulund Berufsbildungsamts geworden, hätte ich … Ninck: … eine Leitungsfunktion in einem Spital übernommen. Ich hatte dort eine Stelle in Aussicht. Letztlich faszinierte mich die Bildung mehr – auch, weil ich für kurze Zeit als Berufsfachschullehrer gearbeitet hatte. Ich konnte Kernkompetenzen weiter ausbauen und verspürte Herzblut. Nur weil ich jetzt pensioniert bin, heisst das noch lange nicht, dass … Ninck: … ich mich von der Bildung verabschiede. Ich werde mich weiterhin dafür einsetzen, dass Menschen ihr berufliches Potenzial entwickeln können – in der Schweiz und im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit. Was genau ich machen werde, wird sich weisen. Sie haben Ihr Amt 2003 angetreten, mitten in der Lehrstellenkrise. Wie haben Sie diesen Einstieg erlebt? Ninck: Das war eine grosse Herausforderung. Kurz vor Schulaustritt hatten über 1000 Jugendliche keine Anschlusslösung. 2021 waren es zum selben Zeitpunkt 200. Entsprechend gross war bei meinem Einstieg der öffentliche Druck. Wir mussten Neues in Sicht: Theo Ninck geht nach fast 19 Jahren an der Spitze des Mittelschulund Berufsbildungsamts in Pension gegangen. rasch das Lehrstellenmarketing, die Brückenangebote und die Berufsberatung hochfahren sowie ein Case Management aufbauen. Heute ist der Lehrstellenmarkt trotz Pandemie und wirtschaftlicher Unsicherheit stabil. Was ist anders als 2003? Ninck: Wir profitieren von den Instrumenten, die wir in der Lehrstellenkrise entwickelt und seither optimiert haben. Heute können wir rasch und gezielt reagieren. Auch die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft ist viel ausgeprägter. Sie steht zur Berufsbildung und bildet auch aus, wenn die Situation schwierig wird. Das gibt viel Stabilität. Sie haben die Entwicklung der Berufsbildung in den letzten rund zwanzig Jahren geprägt – auch als Präsident der Schweizerischen 3 / August 2021 Seite 2

In Kürze Berufsbildungsämter-Konferenz (SBBK). Welche Akzente konnten Sie setzen? Ninck: Auf nationaler Ebene habe ich mitgeholfen, die Verbundpartnerschaft zu stärken, innovative Lösungen für die Förderung der höheren Berufsbildung zu schaffen und mehr Bundesgelder dafür freizusetzen. In den letzten Jahren konnte ich in der nationalen Steuergruppe mitwirken, welche die Berufsbildung 2030 aufgegleist hat. Auf kantonaler Ebene habe ich unter anderem dafür gekämpft, dass Erwachsene guten Zugang zu Beratung und Bildung haben und nicht alle Berufe in Bern konzentriert werden – ein politisch heisses Eisen und nicht mein Lieblings - thema … (schmunzelt). Wo sehen Sie in der Berufsbildung die aktuellen Herausforderungen? Ninck: Die Arbeitswelt verändert sich immer schneller. Die Berufsbildung muss das Tempo mitgehen. Das heisst: Wir brauchen schnelle Berufsentwicklungsprozesse. Nur so ist garantiert, dass die Berufsleute am Ende ihrer Lehre fit für den Arbeitsmarkt sind. Die Verbundpartnerschaft, die sonst segensreich ist, steht dem zuweilen entgegen. Die komplexen Strukturen verlangsamen Reformen. In Ihrer Verantwortung lagen auch die Mittelschulen. Zu Beginn Ihrer Amtszeit stand das Gymnasium in der Kritik – wegen mangelnder Leistungen der Berner Maturandinnen und Maturanden. Wo steht das Berner Gymnasium heute? Ninck: Ich würde eher sagen: Das Ver - trauen der Öffentlichkeit in die Leistungsfähigkeit der Berner Gymnasien war angeschlagen. Dafür gab es Gründe: Jedes Gymnasium hatte einen eigenen Lehrplan, die Anforderungsprofile waren unterschiedlich. Heute haben wir ein neues Mittelschulgesetz und einen einheitlichen Lehrplan für alle Schulen. Entsprechend gibt es weniger politischen Druck. Welche anderen Entwicklungen an den Berner Gymnasium haben Sie mitgestaltet? Ninck: Im deutschsprachigen Kantonsteil konnten wir einen durchgängigen vierjährigen Bildungsgang etablieren. Das hat das Gymnasium gestärkt. Weiter haben wir das gemeinsame Prüfen, das selbstorganisierte Lernen sowie die Disziplinen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) gefördert. Fortsetzung auf Seite 4 EuroSkills 2021 Die Vorbereitung läuft Vom 22. bis am 26. September 2021 finden in Graz (Österreich) die EuroSkills 2021 statt. 450 junge Berufsleute aus 31 Ländern messen sich in 45 Berufen. Aus der Schweiz gehen 17 Wettkämpferinnen und Wettkämpfer an den Start. Mit Gil Beutler (Polymechaniker EFZ), Christoph Galli (Bodenleger EFZ) und Michael Schranz (Anlagenelektriker EFZ) sind drei Berner dabei. www.euroskills2021.com BAM.LIVE Mit Publikum und neuem BIZ-Auftritt Vom 9. bis 13. September 2021 findet die traditionelle Berner Ausbildungsmesse BAM.LIVE statt – endlich wieder mit Publikum. Sie ermöglicht das hautnahe Erleben von Berufen. Über 90 regionale Arbeitgeber und Ausbildungsinstitute beantworten Fragen rund um die Berufswahl. Parallel zur BAM.LIVE können Jugendliche auf der Plattform BAM.CONNECT mittels Persönlichkeitstest ihre Stärken und Interessen eruieren. Das System leitet sie weiter auf Unternehmens- und Ausbildungsprofile, die zu ihren Eingaben passen. An der BAM.LIVE sind auch die Berufs- und Informationszentren des Kantons Bern dabei. Sie warten dieses Jahr mit einem völlig neuen Auftritt auf (Halle 3.0, Stand 1. Do/Fr 9 – 16 Uhr, Sa/So 10 – 17 Uhr). www.bam.ch 3 / August 2021 Seite 3