Aufrufe
vor 3 Jahren

Beurfsbildungsbrief 4/2019

  • Text
  • Berufsbildung
  • Bern
  • Lernenden
  • Kanton
  • Berner
  • September
  • Lehre
  • Berufe
  • Leitbild
  • Lernende

Leitbild «Berufsbildung

Leitbild «Berufsbildung 2030» Die Berufsbildung macht sich fit für die Zukunft Im Herbst 2018 haben Bund, Kantone und Organisationen der Arbeitswelt das Leitbild «Berufsbildung 2030» verabschiedet. Der Berufsbildungsbrief zeigt, wohin die Reise gehen soll und welche Projekte der Kanton Bern initiiert hat. ROLF MARTI «Die Berufsbildung sichert den Wohlstand der Schweiz. Sie […] ist das wichtigste Angebot zur Qualifizierung für den Arbeitsmarkt». Die ersten Sätze aus der Vision des Leitbilds «Berufsbildung 2030» sind eine Ansage. Heute steigen zwei Drittel der Jugendlichen über eine berufliche Grundbildung ins Erwerbsleben ein. Geht es nach den Verbundpartnern der Berufsbildung (Bund, Kantone, Organisationen der Arbeitswelt), soll dies so bleiben – auch über das Jahr 2030 hinaus. Ist das realistisch in einer Arbeitswelt, die geprägt ist von Digitalisierung und Globalisierung, steigenden Anforderungen und zunehmender Mobilität? Kann die Berufsbildung angesichts dieser Megatrends mit Gymnasien und Hochschulen mithalten? «Ja», sagt Rémy Hübschi vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) stellvertretend für die Verbundpartner. «Keiner dieser Megatrends bedroht die Berufsbildung existenziell. Die starke Verankerung im Arbeitsmarkt sorgt dafür, dass sie sich inhaltlich permanent und rasch erneuert. Die grundsätzliche Richtung der Berufsbildung stimmt.» Vier Stossrichtungen priorisiert Entsprechend postuliert das neue Leitbild einen evolutionären Ansatz. In einer ersten Phase verfolgen die Verbundpartner prioritär vier Stossrichtungen: 1. Die Berufsbildung soll stärker auf das lebenslange Lernen ausgerichtet werden. 2. Die Berufsbildung soll flexibler und zielgruppenspezifischer werden. 3. Information und Beratung zu den Chancen der Berufsbildung sollen ausgebaut werden. 4. Die Verbundpartnerschaft soll gestärkt werden. Geht es um die Umsetzung, sind auch die Kantone gefordert. Der Berufsbildungsbrief hat nachgefragt, wo der Kanton Bern bereits aktiv ist. Fazit: In zu vielen Bereichen, um hier einen umfassenden Überblick zu geben. Deshalb wird für jede Stossrichtung ein Beispiel vorgestellt (siehe Boxen). Mehrwert für Berufsleute und Betriebe Für Rémy Hübschi ist klar, dass «Berufsbildung 2030» sowohl den (angehenden) Absolventinnen und Absolventen der Berufsbildung als auch den Betrieben einen Stossrichtung 1: Ausrichtung auf lebenslanges Lernen Förderung von Grundkompetenzen Die Berufsbildung ermöglicht individuelle Bildungswege und Laufbahnentwicklungen. Leitbild «Berufsbildung 2030» In der Schweiz haben rund 400’000 Menschen im Alter von 25 bis 54 Jahren keinen Abschluss auf Sekundarstufe II und damit ein höheres Risiko, arbeitslos oder sozialhilfeabhängig zu werden. Der Bund hat deshalb 2018 eine Kommunikationsoffensive zur Förderung des Berufsabschlusses für Erwachsene lanciert (siehe Seite 5). Auch der Kanton Bern ist aktiv. Zurzeit entwickelt er spezifische Unterstützungsangebote. Der Abschluss einer beruflichen Grundbildung setzt ausreichende Grundkompetenzen voraus. Auch in diesem Bereich besteht Handlungsbedarf, denn 16 Prozent der in der Schweiz lebenden Erwachsenen haben Schwierigkeiten beim Lesen (die Hälfte ist deutscher Muttersprache), 9 Prozent sind mit alltäglichen Rechenaufgaben überfordert. Der Kanton Bern engagiert sich deshalb im Rahmen der nationalen Kampagne «Einfach besser!». Ein Beispiel ist der Kurs «Grundkompetenzen für angehende Fachfrauen/-männer Gesundheit», den mehrere Berufsfachschulen anbieten. Die erwachsenen Teilnehmenden erwerben berufsbezogene Deutsch- und Mathematikkenntnisse, gewinnen Sicherheit im Umgang mit Computern sowie mit Office-Programmen und legen damit die Grundlage, um eine berufliche Grundbildung erfolgreich zu durchlaufen. Stossrichtung 2: flexible Berufsbildung Pilotprojekt Informatikausbildung 4.0 Die Berufsbildung ist flexibel. Wir konzipieren arbeitsmarkt - gerechte Bildungsangebote und schaffen anpassungsfähige Strukturen. Leitbild «Berufsbildung 2030» Das von der gibb Berufsfachschule Bern für den ganzen Kanton lancierte Pilotprojekt «Informatikausbildung 4.0» erfüllt diese Forderung. Die Lehrbetriebe bestimmen mit, wann ihre Lernenden welche Kompetenzen erwerben. Sie können einzelne Lernhinhalte des berufskundlichen Unterrichts priorisieren, sodass die Lernenden die für den Betrieb relevanten Kompetenzen im zweiten statt erst im dritten oder vierten Lehrjahr erwerben. Die Lernenden sind so früher einsatzfähig. Möglich macht dies ein modularer Lehrplan. «Informatikausbildung 4.0» sieht zudem vor, dass die Lernenden ihren Wissenserwerb vermehrt selber steuern. Die gibb hat dafür eine interaktive Lern- und Prüfungsplattform entwickelt. Die Stärkung des selbst organisierten Lernens ermöglicht es, dass Lernende mit viel Vorwissen in der für den berufskundlichen Unterricht zur Verfügung stehenden Zeit zusätzliche Kompetenzen erwerben können. Das Pilotprojekt der gibb zeigt, wie Berufsfachschulen flexibel auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarkts und der Betriebe eingehen können. Das Projekt hat Vorbildcharakter für andere berufliche Grundbildungen. 4 / September 2019 Seite 2

Menschen sollen ihre berufliche Laufbahn proaktiv gestalten können: Die Berufsberatung unterstützt sie dabei – von der Berufswahl bis zum Übergang ins Pensionsalter. Die Berufsbildung soll flexibler werden: Das Pilotprojekt «Informatikausbildung 4.0» der gibb Berufsfachschule Bern hat für alle beruflichen Grundbildungen Vorbildcharakter. BILDER: BERUFSBILDUNGPLUS.CH Mehrwert bringt. «Erster erhalten ein hoch attraktives Bildungsangebot, das zu jedem Zeitpunkt horizontale und vertikale Entwicklungen und damit individuelle Bildungslaufbahnen zulässt, letztere finden auch in Zukunft Fachkräfte, welche die in der Praxis benötigten Kompetenzen mitbringen.» Link: www.berufsbildung2030.ch Stossrichtung 3: Ausbau von Information und Beratung Gestaltung der beruflichen Laufbahn Die Berufsbildung ist bekannt und wird verstanden» und «Die Berufsbildung ermöglicht individuelle Bildungswege und Laufbahnentwicklungen. Leitbild «Berufsbildung 2030» In diesem Bereich geht es einerseits darum, umfassend über die Chancen und Möglichkeiten der Berufsbildung zu informieren. Andererseits sollen die Menschen befähigt werden, ihre berufliche Laufbahn entlang der ganzen Bildungs- und Erwerbsbiografie proaktiv zu gestalten. Die Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung konzipiert deshalb ihre Infotheken von Grund auf neu. Dabei verfolgt sie einen erlebnisorientierten Ansatz: Die Besucherinnen und Besucher werden mit sogenannten Themeninseln angeregt, sich mit ihrer Laufbahn auseinanderzusetzen. Die erste Infothek nach neuem Ansatz eröffnet im Herbst in Thun, bis 2021 werden alle Infotheken umgestaltet. Darüber hinaus verstärkt die Berufsberatung die Zusammenarbeit zwischen Berufsberatenden und Schulen und entwickelt neue Angebote für Schülerinnen und Schüler mit erhöhtem Unterstützungsbedarf (Bewerbungsworkshops, Begleitangebote). Im Bereich der Laufbahnberatung setzt sie mit zielgruppenspezifischen Angeboten – bspw. für Menschen in der zweiten Hälfte des Erwerbslebens – auf die Vermittlung von Kompetenzen für die pro - aktive Laufbahngestaltung. Zudem wird das Veranstaltungsprogramm erweitert. Stossrichtung 4: Stärkung der Verbundpartnerschaft Verbesserung des Datenaustauschs Die Berufsbildung ist effizient strukturiert und solide finanziert. Leitbild «Berufsbildung 2030» Damit die Berufsbildung für alle Verbundpartner attraktiv bleibt, braucht sie effiziente Strukturen und eine solide Finanzierung. Was die Strukturen betrifft, besteht in der föderalistisch organisierten Berufsbildung Handlungsbedarf. Beispielsweise beim Erfassen, Austauschen und Pflegen von Daten. Das von der Schweizerischen Berufsbildungsämter-Konferenz (SBBK) und dem Bund (SBFI) lancierte Programm «optima» soll die Prozesse und den Datenaustausch über Kantonsgrenzen hinweg und zwischen allen Bildungspartnern vereinfachen und vereinheitlichen. Erste Projekte sind angelaufen. Zum Beispiel das Lehrbetriebsportal: Es soll für einen weitgehend digitalen Austausch zwischen Lehrbetrieben und Berufsbildungsämtern sorgen. Im Kanton Bern existiert ein solches Portal bereits. Lehrverträge und offene Lehrstellen können online erfasst werden, weitere Services werden folgen. So soll in absehbarer Zukunft die Lehrvertragsgenehmigung papierlos erfolgen können. Zudem arbeitet der Kanton Bern mit zehn Kantonen daran, die Portale zu harmonisieren und ein einheitliches Interface zu schaffen. Mit solchen und anderen Massnahmen sorgt «optima» für mehr Effizienz und damit für Kosteneinsparungen aufseiten der Betriebe und aufseiten der Kantone. 4 / September 2019 Seite 3

Berufsbildungsbriefe