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Fassadentechnik_02_18

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technik Zukunft der Gebäudehülle Die Fassade stadtplanerisch denken! Bild: X21de Reiner Freese Wolfgang Priedemann hat Zeit. Nicht nur für ein Gespräch mit der Redaktion, sondern auch für einen analytisch-ganzheitlichen Blick auf seine Branche. Nachdem er vormals Ideen unter den Aspekten Alltagstauglichkeit und Wirtschaftlichkeit bewerten musste, sind jetzt nur noch Weitsicht und Wagemut die Leitplanken seines Denkens. Was also die Fassade an Polyvalenzen erreichen kann, lesen Sie hier. Wolfgang Priedemann kennt die Richtung der Branche. 20 fassadentechnik 2/2018

Seit seinem formalen Ausscheiden aus seinen beiden deutschen Unternehmungen im letzten Jahr – Priedemann Fassadenberatung und Facade Lab – hat sich für Wolfgang Priedemann die Möglichkeit eröffnet, solche Ideen weiter zu verfolgen, die im Zuge anderer, früherer unternehmerischer Aufgabenstellungen nicht realisierbar waren. Die Fokussierung auf ein konkretes Projekt oder ein bestimmtes Produkt ist eben immer genau das: Eine Engführung des Denkens und Planens auf gewisse Parameter und Eigenschaften hin. Weiterführende Ideen, die in diesem kreativen Planungsprozess mit entstehen, müssen ausgeblendet werden. Eigentlich hatte ich immer konstruktive Ideen, die ein städtisches, urbanes Leben reflektieren. Ich habe sie aber nicht konsequent angefasst, weil ich keine unternehmerische Zielsetzung damit verbinden konnte.“ Die weiterführende Idee im Zentrum Nun ist also für solche Überlegungen Platz. Und es zeigt sich, dass deren gemeinsamer Blickwinkel eine Dimension der Fassade betrifft, die bei bisherigen Projekten fast flächendeckend vernachlässigt wurde: Die stadtplanerische Dimension der Fassade. Die weiterführenden Ideen aus früheren Projekten öffnen nun den Blick auf die zivilgesellschaftliche Dimensionen des urbanen Bauens. Die Fassade kann mehr, so Wolfgang Priedemann im Gespräch, als sie bisher leistet, sie ist polyvalent zu denken. Die Parameter der stadt- und quartiersbezogenen Fassadenplanung müssen daher lauten: Absorbieren, selbstreinigen, Energie gewinnen. Konkret durchdacht ergeben sich daraus die im Folgenden gelisteten neuen Funktionen für die Fassade. „ Die Fassade kann mehr, als sie bisher leistet, wir können mehr aus der Fassade generieren. Was meine ich mit mehr? Eben nicht nur konstruktivtechnisch – das wäre banal – sondern in der Anwendung der Fassade, ihrer Wirkung nach außen und nach innen.“ Schallakustische Dämpfung/Absorption Vorgehängte Hinterlüftete Fassaden (VHF) sind für Wolfgang Priedemann bei seinen Überlegungen besonders im Fokus. Deren Mehrschichtigkeit bringt bereits jetzt konstruktive Vorteile mit sich, die Gebäude schallakustisch, wärmetechnisch, dampfdiffusionstechnisch, feuchtetechnisch und im Hinblick auf die Wasserführung schützen. Die VHF könnte aber noch mehr. Nämlich die wichtige schallakustische Dämpfung im urbanen Raum. Konkret: Durch perforierte, harte Bekleidungsmaterialien, die mehrschichtig hinterfüttert sind, kann die Mehrfach-Schallreflexion also das Aufschaukeln der Lärmemissionen im städtischen Raum erheblich reduziert werden. Energieabsorption Warum wehren wir das Angebot an solarer Energie ab, wenn wir es auch aufnehmen können, so Wolfgang Priedemann. Fassaden müssen Energie absorbieren, nicht reflektieren. Auch hier gilt: Durch Mehrfachreflexion einer spiegelnden Gebäudehülle in einem Straßenzug steigen die städtischen Übertemperaturen erheblich. Die Entwärmung der Städte funktioniert nicht „ Wenn ich mineralische Dämmmaterialien einsetze und als Bekleidung unter - schiedlich harte Werkstoffe, diese aber perforiere, so wie in der Elbphilharmonie die Innen bekleidung, dann kann ich tatsächlich die Schall reflektion im städtischen Raum entscheidend mindern.“ fassadentechnik 2/2018 21