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Fassadentechnik_03_2019

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architektur Bilder: Cubus Medien Verlag/Andre Wagenzik 22interview FASSADE NEU DENKEN… Müssen, gerade im urbanen Umfeld, Fassaden nicht stadtplanerisch gedacht – also nicht nur als Gebäudehülle für ein einzelnes Bauwerk, sondern mit ihren möglichen vielfältigen Funktionen für Straßenzüge und Quartiere geplant und gebaut werden. Im 25. Jahr ihres Bestehens will fassadentechnik in einer Interviewreihe diesem Denkansatz nachgehen. Gemeinsam mit Wolfgang Priedemann, einer der Vordenker der Branche und Mitglied im Beirat des FVHF, erweitert die Redaktion die typische Interviewform zu einer dreidimensionalen Kreuzpeilung. Durch diese Standortbestimmungen wird deutlich, in welche Richtung sich die Branche bewegt, mit welcher Dynamik die technische Weiterentwicklung der Gebäudehülle vorangetrieben wird und wie die baukulturellen und politischen Navigationspunkte dieser Entwicklung aussehen werden. Den Auftakt macht Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur in Potsdam. „…für lebenstüchtige Fassaden plädieren…“ Herr Nagel, unter www.bundestiftung-baukultur.de heißt es: „Die Stiftung hat es sich zum Ziel gesetzt, die gebaute Umwelt zu einem gemeinschaftlichen Anliegen zu machen, und tritt daher als Interessenvertreterin für hochwertige Bauplanung und -umsetzung auf“. Das passt zielgenau zu unserem Gesprächsthema. Können Sie skizzieren, wie? fassadentechnik 3/2019 Wenn wir die Zukunft der Gebäudehülle unter baukulturellen Aspekten betrachten, dann haben wir zunächst Bestandsbauten zu betrachten, die den überwiegenden Teil unserer gebauten Umwelt ausmachen. Dort ist zu unterscheiden zwischen substantiellen Fassaden aus Ziegel, Naturstein oder ähnlichen Materialien, mit denen wir zufrieden sein können.

„ Städtebau muss Orientierung liefern […]. Das aber geht nicht mit Klötzchenarchitektur.“ Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur, Architekt und Stadtplaner Problematisch wird es bei Neubau und Renovierungen etwa bei Wärmedämmverbundfassaden neueren Typs. Damit das in den nächsten fünfzig Jahren nicht so bleibt, muss man dringend etwas tun. Beim Blick auf die Fassade liegt die Zukunft in einer schrittweisen Optimierung des jetzigen Zustandes. Das betrifft sowohl die Funktion als auch die Gestaltqualität. Im aktuellen Baukulturbericht findet sich im Kapitel „Transformation im Quartier“ auch der Unterpunkt „Smarte Städte und Quartiere“. Können Sie die dort geschilderten Einflussfaktoren wie Energiespeicher, Energieerzeugung oder CO 2 - Reduktion auf die Gebäudehülle und unser Thema herunterbrechen? Smart ist ein schillernder Begriff, den ich für mich mit „klug“ übersetze. Wenn eine Gebäudefassade klug ist, das heißt das für mich, dass sie substanziell ist, dass sie auf wesentliche Elemente reduziert und nicht hyperkomplex ist. Die Vorstellung, dass man mit Smart Buildings, durch hybride Bausysteme, mit Gebäude-Technologisierung einen Nutzen erzielt, entpuppt sich vielfach als frommer Wunsch. So werden die Regierungsgebäude in Berlin, die vor zwanzig Jahren als Modellvorhaben beispielsweise für Geothermie oder innovative Anlagensteuerung errichtet wurden, inzwischen komplett saniert, weil die Haustechnik nicht richtig funktioniert und die Geothermie-Brunnen inzwischen versotten sind. Ich meine damit: Komplexität kann sich als Problem erweisen. In Bezug auf Smarte Städte und Quartiere und deren Gebäudehüllen, möchte ich daher für „lebenstüchtige Fassaden“ plädieren. Welche funktionalen und architektonischen Qualitäten erwarten Sie von einer Gebäudehülle im urbanen Raum? Den sehr weiten Fokus dieser Frage muss man kanalisieren, um zum Schluss bei der Fassade herauszukommen. Bei der Entwicklung neuer urbaner Quartiere steht die Frage im Vordergrund, was dieser Stadtteil leisten können soll. Daran schließt sich das Thema stadtplanerische Erschließung und Infrastruktur an. Dazu gehören beispielsweise Nahverkehrsversorgung oder Schienenanbindung. Dann kommt das Thema Städtebau. Die größten Defizite bestehen derzeit in der Antwort auf die Frage: Wie wollen „… an Deck des Bootes stehen Architekten und Planer“ Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur, Architekt und Stadtplaner