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Fassadentechnik Ausgabe 5/20

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technik produkte natur Bild: Rolf Kuhl, Cubus Medien Verlag stein fassaden richtiger umgang mit dem fels – teil 1 12 51 I 2020_fassadentechnik

Gemäß DIN 18516, Teil 3 sind für Stürze zusätzlich Dauerlast, Ermüdung und Schwingung zu vertikalen Fassadenplatten zu berücksichtigen. Bild: Anette Ritter-Höll Die Nutzung von Naturstein als Baumaterial geht weit zurück bis in die Antike. Doch erst erst ab 1955 wurde in Deutschland eine Versetzrichtlinie erstellt. 1970 kam dann die DIN 18515; eine erste Norm zur Befestigung von Natusteinbauteilen. Doch auf was muss man achten? Wie prüft man das Gestein? Was gilt auf der Baustelle und wie können Fehler vermeiden werden? Diese und andere Fragen beantwortet Anette Ritter-Höll in der vorliegenden Serie zu Natursteinfassaden. Im ersten Teil widmet sie sich Voraussetzungen, die ein Gestein erfüllen muss und wie es zu verankern ist. Die heute hinterlüftete Fassade hat das Prinzip, dass jede Platte selbsttragend, zwängungsfrei gelagert, außenseitig gedämmt und mit einer Hinterlüftungszone von mindestens 2 cm versehen ist. Die Plattendicke als Platten-Nenndicke liegt bei 30 mm. Die Fassade aus Naturwerkstein ist mit der Einführung der DIN 18516 im Jahr 1990 genormt, auf der Grundlage der DIN 18515 aus dem Jahr 1970. Heute gilt die Ausgabe DIN 18516, Teil 3 aus März 2018. Bei der Planung der Hinterlüftungszone ist folgendes zu berücksichtigen: + Nichtflächenfertige Wände und Unterseiten von Rohdecken nach DIN 18202: die Ebenheitstoleranzen für Flächen von Decken und Wänden bei 15 m Messpunktabstand betragen 30 mm. + Aufbauschen der Mineralfaserdämmplatten bis zu 10 mm von der Nenndicke. Auswahl der Natursteine für eine Fassade Würde man den jeweiligen Interessensvertreter glauben, dann wären „Hartgesteine“ immer hart und geeignet, und „Weichgesteine“ immer weich und ungeeignet. Für einen Planer und Architekten ist es oft sehr schwierig, bei den circa 5.000 Haupt-Gesteinssorten, die weltweit angeboten werden, das richtige Gestein zu finden, welches langfristig alle am Einbauort herrschenden Bedingungen erfüllt. In der DIN 18516, Teil 3 wird gefordert: „Die jeweilige Eignung des zu Verwendung kommenden Natursteins ist auf Widerstandsfähigkeit gegen Witterungseinflüsse […] mit Frost-Tau-Wechsel nachzuweisen, sofern keine ausreichenden Erfahrungen vorliegen.“ Die DIN 18299 verlangt, dass „Baustoffe für den Verwendungszweck geeignet sein [müssen].“ Ferner werden gemäß Norm die technischen Werte „Biegezugfestigkeit“ und „Ausbruch am Ankerdorn“ gefordert. Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass jeder Stein geeignet ist, sofern alle drei Prüfungen (Frost/Biegezug/Ausbruch Ankerdorn) positiv ausgehen. Das erste Problem ist, dass die Prüfungsprotokolle über das Bewitterungsverhalten den Zusatz enthalten: „beständig im Sinne der Norm“. Das bedeutet nichts anderes, als dass der Stein nur die geforderten Prüfzyklen bestanden hat, daraus aber nicht das Langzeitverhalten abgeleitet werden kann. In der Gesteinsauswahl muss also nach wie vor die Normaussage „ausreichende Erfahrung“ an erster Stelle aller Auswahlkriterien stehen. Am sichersten ist es, wenn man ältere Referenzen besichtigen kann, möglichst am gleichen Ort oder an Orten mit gleichem Bewitterungsverhalten. Werden Steine für hinterlüftete Fassaden benötigt, so gibt es hierfür bis zu 40 Jahre alte Fassaden in unseren Städten. Am schnellsten kommt man zum Ziel über folgende Fragestellungen: + Ist das Gestein für den vorgesehenen Zweck geeignet? + Ist es frost- und verwitterungsbeständig? + Wie reagiert das Gestein langfristig auf Umweltbelastungen? + Wie hoch ist die Wasseraufnahme? + Wie patiniert das Gestein? + Ist die Farbe des Gesteins beständig? + Hält das Gestein die Oberflächenbeschaffenheit? + Wie sind seine technischen Werte? + Wo wurde das Gestein bereits verarbeitet? + Liegen Langzeiterfahrungen vor? + Wie ergiebig ist die Lagerstätte? + Sind Rohblöcke für diesen Stein kurzfristig verfügbar, auch für Nachbestellungen? + Wo werden die Rohblöcke verarbeitet? Farb-, Struktur- und Texturschwankungen Von den unterschiedlichen Mineralien und deren räumliche Verteilung werden Farbe, Struktur und Textur eines Gesteins bestimmt. Die Verteilung einzelner Mineralien im Gestein kann durch den natürlichen Entstehungsprozess sehr unterschiedlich sein. Somit sind Farbunterschiede im Naturstein selbstverständlich. Gerade dies macht die Faszination des Natursteines aus, da somit jeder Naturwerkstein ein Unikat ist. Farbvarietäten und Konzentrationen von einzelnen gesteinsbildenden Mineralien im Naturstein sind natürlich und unvermeidlich. Gemäß DIN 18 332 – Naturwerkstein- » die verteilung einzelner mineralien im gestein kann sehr unterschiedlich sein. somit sind farbunterschiede im naturstein selbstverständlich. « fassadentechnik_5 I 2020 13