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Fassadentechnik Ausgabe 5/20

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technik Heute

technik Heute realisierte Fassaden, hier Rüttenscheider Tor in Essen. Bilder: Anette Ritter-Höll arbeiten, Abs. 2.1.4 - sind Farb-, Struktur- und Texturschwankungen innerhalb desselben Vorkommens gemäß Bandbreite der Bemusterung ausdrücklich zulässig. Die Bandbreite der Variationen kann zum Teil in Abhängigkeit vom jeweiligen Vorkommen im Rahmen einer Bemusterung also eingeschränkt werden. Dies erfordert jedoch eine Auswahl von bestimmten Natursteinplatten durch eine Sortierung als besondere zu vergütende Leistung des Natursteinbetriebs. Für eine fachgerechte Bemusterung sind mehrere Muster erforderlich, vorzugsweise im vorgesehenen Originalformat, die möglichst die gesamte, echte Bandbreite der natürlichen Variationen zeigen. Der Begriff „Grenzbemusterung“ ist in diesem Zusammenhang zu vermeiden, da es in der Natur keine Grenzen gibt und willkürliche Festlegungen häufig zu Streitfällen führen. Das wirkliche Aussehen des ausgewählten Naturwerksteins kann nur an Referenzbauwerken vermittelt werden. Eine einzelne Musterplatte stellt lediglich nur ein Geschmacksmuster dar, das unverbindlich die allgemeine Charakteristik des Natursteins zeigt. Die völlige Übereinstimmung der Natursteinlieferung mit dem Muster kann nicht gefordert werden. » aufgrund der vielfachen einflüsse der witterung auf die natursteine treten im laufe der jahre zwangsläufig veränderungen an den oberflächen auf. « Veränderungen an den Oberflächen auf, die das Aussehen beeinflussen. Entsprechend der natürlichen Charakteristik der Natursteine stellen Veralgungen, Verschmutzungen, Veränderungen der natürlichen Gesteinsfarbe durch Ausbleichungen, Verlust der Oberflächenstruktur bzw. Politur infolge der Witterungseinflüsse keinen Mangel dar und sind ggf. im Rahmen der erforderlichen Gebäudeunterhaltung zu beseitigen. Ausrostungen an Platten während der Gewährleistungszeit bedingen jedoch einen Plattenaustausch bzw. ein Ausbohren der rostenden Bestandteile und Schließen dieser Löcher mit mineralischem Steinersatz. Statisches System Eine Außenwandbekleidung aus Naturwerkstein ist mit dem Verankerungsgrund mechanisch verbunden. Die Bekleidung setzt sich zusammen aus: + Bekleidung aus Platten (oder Massivteilen) mit geschlossenen oder offenen Fugen, + Verankerungen (einschließlich Befestigungen, Verbindungen und bei Bedarf Unterkonstruktionen), + Ergänzungsteile, unter anderem Leibungen, + Wärmedämmung, in der Regel mit Dämmstoffhalter. Nachweis der Verwitterungsbeständigkeit Bei der Beurteilung der Verwitterungsbeständigkeit kann ein Gestein als brauchbar bewertet werden, wenn es sich bereits unter mindestens ebenso ungünstigen Klima- und Einbaubedingungen bewährt hat, wie sie bei der vorgesehenen Verwendung zu erwarten sind. Selbstverständlich handelt es sich bei dieser Aussage um Gesteine mit gleichen Eigenschaften aus demselben Abbaugebiet. Sofern keine ausreichenden Erfahrungen bei dem zu verwendenden Gestein vorliegen, ist das Gestein auch auf Widerstandsfähigkeit gegen Witterungseinflüsse zu prüfen. Maßgebend ist DIN 52008 Anhang C (Frostbeanspruchung an der Luft – geeignet für Fassadenplatten) oder Anhang D (Frostbeanspruchung im Wasser – geeignet für Bodenplatten). Die europäische Produktnorm für Naturstein fordert die Prüfung der Frostwiderstandsfähigkeit nach DIN EN 12371. Aufgrund der vielfachen Einflüsse der Witterung auf die Natursteine treten im Laufe der Jahre zwangsläufig Farb-, Struktur- und Texturschwankungen sind nach der Norm innerhalb desselben Vorkommens ausdrücklich zulässig. Die Befestigung der Natursteinplatten ist möglich als: + eine Vierpunktlagerung der Platten. Die Ankerdorne müssen einen Abstand von mind. 1/5 der Plattenlänge haben + horizontal hängende Platten = Sturzplatten + Leibungsplatten Das System geht in der Regel von einer Vier-Punkt-Lagerung aus: Je Platte zwei Traganker und zwei Halteanker. Dabei übernehmen die Traganker die Gewichtsablastung und die Halteanker die Kippsicherung plus anteiligem Wind. Für Natursteinplatten ist für die zulässige Biegezugfestigkeit und Ausbruchlast am Ankerdornloch ein statischer Nachweis zu führen unter Zugrundelegung von Prüfzeugnissen und der statistischen Auswertung an mindestens zehn Gesteinsprüfkörper. Der Sicherheitsfaktor war bis November 2013 nach der damals gültigen DIN 18516, Teil 3 mit dem Faktor 3 festgelegt. Nach der derzeitigen Norm gilt diese pauschale dreifache Sicherheit nicht mehr, da nun Teilsicherheitsbeiwerte wie zum Beispiel das Alter der Prüfzeugnisse eine Rolle spielen. 14 5 I 2020_fassadentechnik

Schottischer Sandstein mit typischer Windverwitterung: Die losen Bestandteile des über 800 Jahre alten Bauwerks wurden mit der Zeit gelöst. Bilder: Anette Ritter-Höll Bild: privat Die Nenn- und Mindestplattendicke beträgt bei einer Neigung α der Platte gegen die Horizontale: α > 60° = Nenndicke 30 mm α ≤ 60° = Mindestdicke 40 mm Größen und Grenzen Die Größe der Bekleidungsplatten sollte sich nach dem wirtschaftlichen Verhältnis von Länge zu Breite richten. Die technischen Werte des ausgewählten Natursteins setzen ebenfalls Grenzen in der Formatwahl. Erfahrungsgemäß sollte ein Verhältnis von 1:2 nicht überschritten werden; Ausnahme sind Leibungsplatten. In statischen Bemessungsverfahren werden die erforderlichen Plattendicken der gewählten Plattenformate ermittelt. Bei unterschiedlichen Plattenformaten in der Außenwandbekleidung können die Plattendicken unterschiedlich sein. Dadurch werden Belüftungszone und Verankerung beeinflusst. Durchbiegungen werden durch die Eigenlast der Platten bestimmt. Wirksam wird dabei die rechtwinklig zur Plattenebene wirkende Komponente. Die Durchbiegung darf 1/500 der Stützweite nicht überschreiten. Ist der Elastizitätsmodul (E) nicht bekannt, ist die Durchbiegung durch Versuche zu ermitteln. Durchbiegungen können auftreten bei Sturzleibungsplatten, großformatigen untergehängten Platten, oder auch bei vertikalen und schlanken Bekleidungsplatten mit geringem Querschnitt. Sind zum Beispiel bei großen Ankerausladungen die Ankerdorne beidseitig eingemörtelt, ist für die Verschiebung der Ankerköpfe eine Schwankung der Plattenmitteltemperatur von ± 35K gegenüber dem Einbauzustand einzusetzen. Als Wärmedehnzahl der Platte darf α = 1/100000 eingesetzt werden. Dieser Wert berücksichtigt auch die Quellerscheinung. Bei gleitfähiger Auflagerung der Platten wirkt eine Reibungskraft des Platteneigengewichts auf den Anker. Stürze korrekt einsetzen Stürze sind Natursteinbekleidungen, die im rechten Winkel zur Fassade hängen. Gemäß DIN 18516, Teil 3 sind für diese Bauteile zusätzlich Dauerlast, Ermüdung und Schwingung zu vertikalen Fassadenplatten zu berücksichtigen. Alle drei Faktoren gehen mit einem Erhöhungsfaktor von insgesamt 2,5 in die statische Berechnung mit ein. Ergibt sich aus der Prüfung eine geringere zulässige Last am Ankerdornloch senkrecht zur Plattenebene als 400 N, dann erhöht sich der Faktor auf 3,5. Dr. Anette Ritter-Höll ist öbuv Sachverständige für „Bestimmung und Beurteilung von Naturwerkstein im Bauwesen und in der Denkmalpflege“ der IHK München-Oberbayern, hat Geologie studiert und über den Jura-Kalkstein promoviert. Während mehrerer Jahre absolvierte zahlreiche Stationen bei aktiver Mitarbeit in Steinbrüchen (USA; Finnland, Carrara), auf Baustellen (zum Beispiel L. Moll München) und bei Gartner Gundelfingen (im Werk beim Zusammensetzen der Paneele und auf dem Bau für den Messeturm Frankfurt). Seit 1998 ist sie Geschäftsführerin der national und international tätigen Ritter Natursteinberatung und -begutachtung GmbH, die sie von ihrem Vater übernommen hat und die in 2020 ihr 35-jähriges Bestehen mit einem großen Fest hätte feiern wollen. Einen Einblick in ihre tägliche Arbeit als Naturstein-Sachverständige gibt unser Podast-Interview. fassadentechnik Auch vermeintlich schwierige Steine eignen sich problemlos als Fassadenplatten, wenn die technischen Voraussetzungen und die Qualität der Steine stimmen. im Gespräch Rufen Sie die Gespräche, die die Redaktion von fassadentechnik mit den Beteiligten geführt hat als Podcast ab unter www.fassadentechnik.de fassadentechnik_5 I 2020 15