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Fassadentechnik Ausgabe 6/20

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technik Bilder: Dr. Anette Ritter-Höll natursteinfassaden drum prüfe, wer sich ewig (ver)bindet – teil 2 Für die statischen Berechnungen sind Prüfungen auf Biegezug und Ausbruch am Ankerdorn unerlässlich. Natursteinfassaden begeistern viele durch ihre edle Optik. Hat man den geeigneten Stein ausgewählt und alle Berechnungen zur Befestigung ausgeführt, stellen sich automatisch weitere Fragen: Wie war das noch gleich mit den Fugen? Wie wird der Stein normgerecht geprüft und wie verhält er sich in einem Brandfall? Diese und andere Fragen beantwortet Dr. Anette Ritter-Höll in der vorliegenden Serie zu Natursteinfassaden. Im zweiten Teil widmet sie sich den Prüfungen, die durchgeführt werden müssen, bevor die Natursteinfassade montiert werden kann. 12 1 I 2020_fassadentechnik

» wichtig ist, dass sich die horizontalen brandschotts nicht vollends mit bohrmehl, dämmstoffresten und so weiter vollsetzen. « Bild: Anette Ritter-Höll Fugen Bei der Festlegung der Fugenbreite ist die Ankerstegdicke, die Toleranz der Platten und die Bewegungstoleranz zu berücksichten. Die DIN 18516, Teil 3 sieht daher Normalfugenbreiten von 8 mm, besser jedoch 10 mm vor. Der Schlagregenschutz des Gebäudes muss auch im Bereich der Fugen und Anschlüsse sichergestellt sein. Zur Erfüllung dieser Anforderung können die Fugen und Anschlüsse entweder durch Fugendichtungsmassen oder durch konstruktive Maßnahmen gegen Schlagregen abgedichtet werden. Eine Vlieskaschierung von Wärmedämmungen ist übrigens selbst nach Aussage der Hersteller nicht notwendig, hilft aber dennoch bei der Vermeidung von Aufbauschen. Die Fugendichtstoffe müssen für Außenwandbekleidungen weich-elastisch sein und bleiben. Zudem sollten sie eine praxisbezogene Bewegungsaufnahme von 20 bis 25 Prozent, bezogen auf die Fugenbreite, besitzen. Die Spannung darf bei 100 Prozent Dehnung jedoch 0,2 N/mm 2 nicht überschreiten. Extreme Längenänderungen der Bauteile erfordern besondere Abdichtungen (zum Beispiel Einbau von Profilen). Anschlussfugen sollen mind. 10 mm breit sein und sind dort vorzusehen, wo Naturwerksteinplatten an andere Baustoffe und Bauteile aufeinandertreffen. Anschlussfugen sind auch dort erforderlich, wo Platten an tragende Bauteile, zum Beispiel vorkragende Gesimse oder Deckenstreifen, anstoßen. Diese Aussage bedeutet, dass diese Prüfungen entfallen können, sofern ausreichende Erfahrungen vorliegen, also bei heimischen Steinen, die im deutschsprachigen Raum seit Generationen verbaut wurden und die mehrere Jahrzehnte inklusive Kriegsgeschehen überstanden haben. Auch bei Steinen, die die Frost-Tauwechselprüfung bestehen, übernimmt aber keine Prüfanstalt eine Gewähr über die Eignung. Im Prüfbericht heißt es dann lediglich: „frostbeständig im Sinne der Norm“, was per se auch richtig ist, da ja nach Norm geprüft wurde. Norm fordert dreifache Sicherheit Das eingangs erwähnte Problem der Prüfkörper betrifft aber alle Gesteinsvorkommen, unabhängig der Erfahrungswerte. Deshalb formuliert die DIN 18516, Teil 3 dass der untere Erwartungswert der Biegezugfestigkeitsprüfung nach DIN EN 1469 entsprechen muss (5 Prozent-Quantil; Vertrauensniveau 75 Prozent bei logarithmischer Normalverteilung bei zehn Prüfkörper). Neben den Unsicherheitsfaktoren, aus welcher Ecke des Steinbruchs die Prüfkörper entnommen wurden, kommt noch hinzu, dass in der Theorie durch die Auswahl der Prüfkörper die Bandbreite aus dem Steinbruch abgebildet werden soll. In der Praxis kommt es aber manchmal vor, dass alle zehn Prüfkörper aus Achtung: Weichmacher der Fugendichtstoffe können in die Fugen eindringen und dort irreversible Ränder verursachen. Hier wurde das Brandschott- Blech zu nah an der Hinterkante installiert. Normgerechte Gesteinsprüfungen Die deutsche, aber auch die europäische Normung für Produkte aus Naturwerkstein kann nur annähernde Werte bringen, da die vorgegebenen Prüfkörper nur aus einzelnen Momentaufnahmen bestehen und auch bei jeweils zehn Prüfkörpern niemals die gesamte Streuung innerhalb eines Vorkommens, eines Steinbruchs abgedeckt werden kann. Die technischen Werte wechseln unter Umständen sehr stark innerhalb eines Steinbruchs. Zudem ist es entscheidend, aus welchem Bereich der Abbaustelle entnommen wurde: Im oberen Bereich, aus der Bruchsohle oder in der Nähe von geologischen Störungen? Ein weiterer Unsicherheitsfaktor entsteht durch Streuungen innerhalb der Prüfanstalten mit den jeweiligen Prüfgeräten: Trotz Vorgaben der Prüfordnungen wurden bis max. 20 Prozent Unterschiede bei homogenen Gesteinen festgestellt. Die DIN 18516, Teil 3 versucht, die Unsicherheit mit folgender Formulierung einzuengen: „Die jeweilige Eignung des zur Verwendung kommenden Naturwerksteins ist auf Widerstandsfähigkeit gegen Witterungseinflüsse […] nachzuweisen, sofern keine ausreichenden Erfahrungen vorliegen.“ fassadentechnik_6 I 2020 13