Aufrufe
vor 1 Jahr

Fassadentechnik Ausgabe 6/20

  • Text
  • Montage
  • Planung
  • Fassadentechnik
  • Technik
  • Fenster
  • Hoai
  • Fassaden
  • Schlagwortsuche
  • Architekten
  • Fassade

technik parametrische

technik parametrische planung der blick aufs ganze en détail Dass der Bau einer Fassade immer komplexer wird, ist kein Geheimnis. Viele Bauteile müssen bedacht werden und greifen wie ein Uhrwerk ineinander. Je mehr sich diese einzelnen Teile voneinander unterscheiden, desto höher werden die Kosten bei der Herstellung. Nur eine Standardisierung ermöglicht Wirtschaftlichkeit. Diesem Problem musste sich auch das Büro J.Mayer.H. und Partner, Architekten aus Berlin stellen. Bei Ihrem Entwurf des RKM 740 Tower in Düsseldorf Heerdt war eine komplexe Freiform-Fassade vorgesehen. Büro-Partner Andre Santer, Projektarchitekt Dr. Paul Angelier und 3D-Modellierer Max Margorskyi lernten über den Fassadenbauer Ebener und seinen Projektleiter Michael Greb das Unternehmen Imagine Computation kennen. Geschäftsführer Martin Manegold vermochte mit Hilfe der Parametrischen Planung die Produktion der Fassade wirtschaftlich umzusetzen. Wie das genau funktionierte, erklären Architekten, Projektleiter und Programmierer im Interview. Herr Manegold, wie definieren Sie den Begriff Parametrische Planung? Martin Manegold: Parametrik ist im Grunde die Fähigkeit, komplexe Abhängigkeiten mit wenigen Eigenschaften zu steuern. Parametrische Planung bedeuten also, das Festlegen eines Verhaltens eines Bauteils oder einer -Gruppe, wenn eine Veränderung durchgeführt wird. Ein Beispiel: Sie haben eine Blechplatte von 100 x 100 mm mit einer Bohrung in der Mitte. Nun verändern Sie die Breite der Platte auf 200 mm. Die Frage ist nun, wie verändert sich die Bohrung? Bleibt diese weiterhin in der Mitte oder geht sie auch in die Breite? Und eine dieser Möglichkeiten festzulegen, das wäre parametrische Planung. Zugegeben, ein sehr banales Beispiel. Würde ich dies nun auf ein Fensterelement anwenden, dann ist dieses zuerst über ein Rechteck definiert und alle Profile, Dichtungen und Schrauben hängen von diesem Rechteck ab. Verändere ich also die Form des Fensters, muss ich auch bestimmen, wie die anderen Elemente mitwachsen. Bild: Stefan Streit Fotografie Links ist das Architekten-Modell der Fassade zu erkennen, rechts die Überarbeitung durch Imagine Computation. Bild: Imagine Computation 22 6 I 2020_fassadentechnik

Die Fassade des RKM 740 Towers erinnert an ein Wolkenkleid. Die Freiform wurde vom Architekturbüro J.Mayer.H und Partner, Architekten aus Berlin entwickelt. » mit einer gemeinsamen logik der teile kann ich alle elemente auf einmal erfassen « Wann ist es unabdingbar mit Parametrischer Planung zu arbeiten? Manegold: Sie wird immer dann wichtig, wenn Planende viele einzelne Bauteile haben. Normalerweise müssten sie jedes Element modellieren. Besitze ich aber stattdessen eine gemeinsame Logik der Teile und verändere nur die Parameter, können über einen sehr kleinen Arbeitsschritt all diese Elemente auf einmal erfasst werden. Und das ist ein gewaltiger Vorteil bei der Planung. Je nach Komplexität der parametrischen Definition kann ich dem System weitere Informationen hinzufügen: Größe, Gewicht, Einfluss auf die Statik und so weiter. Habe ich zum Beispiel an einer Fassade eine Auskragung, die mal größer und mal kleiner ist, dann braucht sie ab einer bestimmten Größe wegen des zusätzlichen Gewichts ein stärkeres Stützmaterial oder eine weitere Verschraubung. Das könnte mein Programm hinzuberechnen. Es geht also um Abhängigkeiten. Im Programmcode wäre das vielleicht so: Wenn etwas größer ist als x, dann füge y als Verstärkung hinzu. Herr Santer, das Projekt RKM 740 Tower in Düsseldorf Heerdt stammt aus der fassadentechnik_6 I 2020 23