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FILMFEST MÜNCHEN MAGAZIN 2019

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Black Cinema BLACK

Black Cinema BLACK CINEMA 46 Eine eigene Perspektive Selbstporträt "Monster" von Arthur Jafa, 1988, gedruckt 2019. Udo und Anette Brandhorst Sammlung © Courtesy the Artist and Gavin Brown's enterprise, New York/Rome

Zum zweiten Mal kooperiert das filmfest münchen mit dem Museum Brandhorst. Dieses präsentiert im Rahmen der Jubiläumsausstellung „Forever Young – 10 Jahre Museum Brandhorst“ ein Werkkonvolut des US-amerikanischen Filmemachers, Kameramanns und Künstlers Arthur Jafa. Parallel dazu zeigt das filmfest münchen das Filmprogramm „A Peculiar Vantage: A Selection of Black Cinema“, mit dem deutschen Untertitel „Black Cinema: Eine eigene Perspektive“. Arthur Jafa höchstpersönlich hat eine Longlist mit Filmen erstellt, die von Regisseurin Megan Fraser auf sieben einzelne Programme gekürzt wurde. Am 1. Juli 2019 um 19 Uhr findet dazu ein Panelgespräch mit Arthur Jafa und Gästen im Foyer des Museum Brandhorst statt. In a peculiar vantage: a selection of black cinema zeichnet Jafa seine eigene filmkünstlerische Herkunft nach. Drei seiner wichtigsten Videowerke sowie sein epischer Film akingdoncomethas (2018), der zeitgleich im Museum Brandhorst als Europapremiere gezeigt wird, erfassen seine tonangebende Stimme im zeitgenössischen Kunstkontext. Ergänzt werden sie im Programm des filmfest münchen um Beiträge von Filmemacher*innen, die für Jafas Schaffen maßgeblich waren, aber auch um junge Positionen, die seinen inhaltlichen wie ästhetischen Ideenkomplex aufgreifen und weiterdenken. Arthur Jafa ist der Künstler der Stunde. Ob Musikvideos, bildende Kunst oder Film – in allen Medien findet er eine neue Perspektive und ist die führende Stimme einer Generation. In seinen Werken reflektiert der 1960 geborene Jafa die eigene Identität als in Mississippi aufgewachsener „African American“, und damit die kollektive Erfahrung, als Schwarzer in einer von Weißen dominierten Gesellschaft seinen Platz zu finden. Die Bildgestaltung für Julie Dashs daughters of the dust brachte Jafa 1991 den Preis für die beste Kamera auf dem Sundance Film Festival ein. Von da an war der Grundstein für seine Karriere als Kameramann gelegt. Eine seiner bekanntesten Kollaborationen war mit Regisseur Spike Lee für dessen Milieustudie crooklyn (1994); bereits 1992 hatte er diesen bei malcom x unterstützt. Thematisch knüpfen Jafas Regiearbeiten an sein Kamerawerk an; doch hier fand er zu seiner eigenen Filmsprache. Zum 50-jährigen Jubiläum von Martin Luther Kings historischer Rede „I Have a Dream“ griff er 2014 mit dreams are colder than death das Thema der Bürgerrechtsbewegung auf. Darüber hinaus beschäftigt sich Jafa insbesondere mit der afroamerikanischen Musikkultur, etwa in dem Filmporträt new soul rebel: adrian younge, das er 2014 gemeinsam mit Malik Sayeed realisierte. Oder im Kurzfilm apex (2013), wo seine Bildfolgen den treibenden Rhythmus der Techno-Beats von DJ Robert Hood aufnehmen. Seine zahlreichen Musikvideos wie etwa für die R’n’B Queen Beyoncé, ihre Schwester Solange und den Rapper Jay-Z besetzen weiße Bildwelten mit Symboliken aus der afroamerikanischen Lebenskultur und bemächtigen sich des sonst von Weißen genutzten Prinzips der kulturellen Aneignung. Die Found-Footage-Videocollage zu Jay-Z’s Song „4:44“ kann als Übergang zu Jafas Videokunst gelesen werden. Mit Bildsequenzen aus Internetvideos rückt er die systemische Unterdrückung der Schwarzen Bevölkerung und die Gewalt gegen Minderheiten ins Zentrum. In der Videoinstallation love is the message – the message is death (2016) wendet Jafa ebendiese Technik an und bringt somit vermeintlich disparate Bildwelten in eine, wie er es nennt, „affektive Nachbarschaft“ zueinander. Hier arrangiert er historische und zeitgenössische Aufnahmen der afroamerikanischen Kultur zu Kanye Wests Song „Ultralight Beam“. Die Auseinandersetzung mit „Blackness“ ist Dreh- und Angelpunkt seines künstlerischen Schaffens. Jene kollektive Erfahrung, Schwarz zu sein in einer von Weißen heterosexuellen Männern dominierten Gesellschaft, schließt per se die Perspektiven von Frauen, LGBTQIA+ und all derer ein, die sich in dieser Welt nicht repräsentiert sehen. Mit der Filmreihe a peculiar vantage: a selection of black cinema eröffnet Arthur Jafa für das filmfest münchen seine persönliche Perspektive auf die Geschichte des Black Cinema in den USA. Die Themen, die in den von ihm ausgewählten Filmen verhandelt werden, beschäftigen Jafa bis heute. So inspirierte Ed Blands the cry of jazz aus dem Jahr 1959 Jafas Filme sowohl inhaltlich als auch formal: Darin manifestieren collageartige Bilder den Jazz als identitätsstiftendes Moment afroamerikanischer Kultur. Auch in Larry Clarks passing through (1977) wird der Jazz als einer der Grundpfeiler afroamerikanischer Identität dargestellt. Julie Dashs Kurzfilm diary of an african nun aus demselben Jahr geht dagegen der Bedeutung der katholischen Kirche für die afroamerikanische Gemeinschaft nach – ein Thema, an das Jafa mit akingdoncomethas (2018), zu sehen im Museum Brandhorst, anknüpft. Ein jüngerer Beitrag ist Dennis Dortchs a good day to be black and sexy (2008). Der Film untersucht stereotype Darstellungen schwarzer Körper und Sexualität. Mit seinen Werken steht Jafa in der Tradition eines emanzipierten Schwarzen Selbstverständnisses, wie es vom Black Cinema geprägt wurde. Selbstbewusst verkehrt er rassistische Stereotype in ihr Gegenteil und macht sie so für das – Weiße – Gegenüber erfahrbar. In seiner auf der Biennale in Venedig gezeigten Videoarbeit the white album (2018) stellt er rassistische Klischees aus und bildet damit den afroamerikanischen Blick auf die Weiße Hegemonie ab. Dieser tritt Jafa mit seinem Werk entgegen und präsentiert die amerikanische (Kultur-) Geschichte als primär afroamerikanisch geprägte. Für dieses Werk wurde Jafa unlängst der Goldene Löwe auf der Biennale in Venedig verliehen. BLACK CINEMA 47

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