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FILMFEST MÜNCHEN MAGAZIN 2019

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ERÖFFNUNGSFILM

ERÖFFNUNGSFILM Streicheln verboten the art of self-defense eröffnet das 37. filmfest münchen 6

Angriff ist die beste Verteidigung. Das muss der Mittdreißiger Casey auf die harte Tour lernen, als er auf dem nächtlichen Weg zum Supermarkt von einer vermummten Motorradgang krankenhausreif geschlagen wird. Casey ist kein Mann, sondern eine Memme. Das weiß er selbst, denn sein Umfeld lässt es ihn täglich spüren: Am Telefon wird er wegen seines femininen Namens und der zurückhaltenden Stimme oft für eine Frau gehalten. Seine männlichen Arbeitskollegen übersehen den unscheinbaren Buchhalter schlichtweg. Sie sind richtige Kerle, denn sie trinken ihren Kaffee schwarz und lesen testosteronschwangere Männermagazine. Casey sitzt lieber neben seinem Dackel auf der Couch. Der Angriff versetzt ihn in Schockstarre, und als er sogar beim Versuch, sich eine Handfeuerwaffe zu kaufen, scheitert, beschließt er: „Ich möchte zu dem werden, was mich einschüchtert.“ Und so schreibt er sich für einen Karatekurs ein. the art of self-defense von Autor und Regisseur Riley Stearns ist die schwarzhumorige Charakterstudie eines durchschnittlichen Langweilers, der lernen will, ein Mann zu sein, um dazuzugehören. Doch begnügt sich Stearns nicht damit, einen Verlierer mit Dackelblick zum Alphamännchen zu machen. Vielmehr hinterfragt er die sozial genau normierten Vorstellungen von Männlichkeit und den Gruppendruck, den diese erzeugen. Im Mikrokosmos des Karate- Dojos seziert er etablierte Strukturen und verhandelt ganz selbstverständlich drängende Themen. In Zeiten von toxischer Männlichkeit, Selbstoptimierungswahn und antifeministischen Bewegungen ist jeder auf der Suche nach Abwehr- und Selbstverteidigungsmechanismen. Stearns tritt dabei lieber einen Schritt zurück und hinterfragt mit bitterbösem Humor das Recht auf Waffenbesitz und den schon als Grundrecht betrachteten American Dream – diese und andere uramerikanischen Werte haben immer auch Schattenseiten und Leidtragende. Die Gesellschaftskritik gelingt Stearns dabei mit herrlich überzeichneten Figuren und makabrer Melancholie. Durch die Polarität zwischen virilem Sensei und phlegmatischem Kind-Mann verdeutlicht er, wie absurd die Ansprüche an „den Mann“ sind. Zugleich stellt er infrage, ob die Leistungsgesellschaft ihr Versprechen auf ein besseres Leben in dieser starren Hierarchie, die jegliche Individualität unterdrückt, einhalten kann. Casey ist ganz verzaubert vom Lehrer im schwarzen Kampfanzug, der selbst seine Wochenendpläne in einer slapstickhaften Karateübung präsentiert. In dem scheinbar in sich ruhenden Sensei hat er eine Vaterfigur gefunden und kann endlich erwachsen werden – was auch immer das für ihn letztendlich bedeutet. Denn in dieser Welt aus Schwarz und Weiß erscheinen die farbigen Karategürtel wie das Ende des Regenbogens, an dem Selbstbewusstsein und Bestätigung auf ihn warten. Seinen bald erworbenen gelben Gürtel will er gar nicht mehr ablegen und deutet ihn auch im Alltag zu seinem Glücksbringer um. Deshalb merkt er erst spät, dass das Karatedojo sektenhafte Abendklassen veranstaltet, die eher einem illegalen Fight Club ähneln als einem Sporttraining. Riley Stearns pendelt in seinen Beobachtungen zwischen spöttischer Zuspitzung der männlichen Initiationsrituale und Mitleid für den naiven Casey, betrachtet ihn jedoch niemals abschätzig. Mit Jesse Eisenberg hat er die Idealbesetzung für den verhuschten Angsthasen gefunden. Eisenberg ERÖFFNUNG gibt seinen Figuren gerne nervöszuckende Manierismen mit, etwa in seiner Darstellung von Facebook- Gründer Mark Zuckerberg in the social network. Caseys kleine Macken dienen als Schutzschild für einen zutiefst verunsicherten Mann, der auch im weißen Karate-Gi mehr einem Hundewelpen gleicht als dem Idealbild eines resilienten Kerls. Zu dumm für seinen Hund, auf den Casey nun das neu gewonnene Selbstvertrauen übertragen will, indem er ihn abhärtet. Streicheln ist fortan gestrichen – zu seinem eigenen Besten. Der Sensei empfiehlt, den gutmütigen Dackel durch einen durchsetzungsfähigen deutschen Schäferhund zu ersetzen. Wenn das äußere Erscheinungsbild und das Umfeld stimmen, wird sich bei Casey die passende Haltung schon einstellen, so die Theorie. Dass auch Dackel gnadenlos sture Wadenbeißer sein können, ist zumindest hier in München kein Geheimnis – und möglicherweise liegt für Casey in dieser Erkenntnis die Kunst der Selbstverteidigung. Sofia Glasl Am Donnerstag, den 27. Juni, wird um 19 Uhr im Mathäser Filmpalast das 37. filmfest münchen mit the art of self-defense eröffnet. Zur Deutschlandpremiere wird neben Regisseur Riley Stearns auch Hauptdarsteller Jesse Eisenberg erwartet. Neben der Eröffnung (nur auf Einladung) gibt es weitere Gelegenheiten, den Film zu sehen: Er läuft regulär am Freitag, 28. Juni, um 19.30 Uhr und Sonntag, 30. Juni, um 14.30 Uhr, beide Male im Carl-Orff-Saal im Gasteig. Am Freitag, 05. Juli, wird er im Kino an der Münchner Freiheit im Saal 1 um 22.30 Uhr wiederholt. Am Freitag, 28. Juni, sind Regisseur Riley Stearns und eventuell Hauptdarsteller Jesse Eisenberg um 17.30 Uhr bei filmmakers live! in der Black Box zu erleben. the art of self-defense nimmt zudem am CineVision Wettbewerb teil. ERÖFFNUNGSFILM 7

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