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FLUG REVUE 01/2017

Militärluftfahrt CH-47F

Militärluftfahrt CH-47F gegen CH-53K DIE CH-53K HAT DIE DOPPELTE NUTZLAST DER CH-53G gramm CH-53GA. Die Auslieferung der 40 Hubschrauber durch Airbus Helicopters wird sich mindestens 26 Monate länger hinziehen als geplant, was „größtenteils auf technische Störungen der Luftfahrzeuge, auf fehlende Ersatzteile und auf inzwischen zunehmende Kapazitätsengpässe beim Auftragnehmer“ zurückzuführen sei, so der neueste Ministeriumsbericht zu den aktuellen Rüstungsprogrammen. Ein Nachfolger muss also her, was keine ganz neue Erkenntnis ist. Schon vor über einem Jahrzehnt gab es nämlich erste Überlegungen zu einem Future Transport Helicopter, der in deutschfranzösischer Zusammenarbeit entwickelt werden sollte. Trotz umfangreicher Studien und der zeitweiligen Einbindung der EDA (Europäische Verteidigungsagentur) wurde daraus aber nichts. Unter anderem ausufernde Forderungen an das Nutzraumvolumen und eine absehbar geringe Stückzahl führten zu exorbitanten Kosten, die in keiner Weise tragbar waren. Für die Luftwaffe, die die CH-53- Flotte 2013 von den Heeresfliegern übernommen hat, bleibt somit nur der Weg, ein vorhandenes Muster zu beschaffen. Das als Basis dafür notwendige Dokument „Fähigkeitslücke und Funktionale Forderung“ wurde vom Generalinspekteur der Bundeswehr am 27. Juni 2016 abgezeichnet. Laut einer Sprecherin des Verteidigungsministeriums ist das Ziel „ein Produkt, das bei höheren Reichweiten und mit eingerüsteter Einsatzausrüstung (zum Beispiel Schutzausstattung, Be- Schwerlasthubschrauber – Die Daten CH-53G CH-47F Chinook CH-53K King Stallion Besatzung 4 4 5 Soldaten 36 oder 24 Tragbahren 33 – 55 30 – 55 Antrieb 2 x GE T64-GE-100 2 x Honeywell T55-GA-714A 3 x GE T408-GE-400 Leistung 2 x 3225 kW 2 x 3530 kW 3 x 5395 kW Rotordurchmesser 21,95 m 2 x 18,29 m 24,00 m Länge 20,47 30,14 m 30,30 m Rumpflänge – 15,46 m 22,27 m Frachtraum – 2,29 x 1,98 x 9,19 m 2,74 x 2,00 x 9,14 m Leermasse 10 700 kg 11 550 – 12 950 kg 15 070 kg Nutzlast intern/extern 5500 kg / 7255 kg n.b. / 11 790 kg n.b. / 16 330 kg max. Startmasse 19 050 kg 22 680 – 24 495 kg 39 900 kg Höchstgeschwindigkeit 295 km/h 302 km/h ca. 315 km/h Marschgeschwindigkeit 215 km/h 240 – 295 km/h ca. 275 km/h Dienstgipfelhöhe ca. 2750 m 6095 m 4380 m Steigrate 9,25 m/s 7,7 m/s 13,0 m/s Reichweite 455 km ca. 740 – 1100 km ca. 850 km waffnung, etc.) eine nutzbare Zuladung erreicht, die höher ist als die ehemalige Standardlast einer CH-53G. Das Ladevolumen orientiert sich dabei am aktuellen Stand. Zum Erreichen von Reichweitenforderungen ist voraussichtlich eine Luftbetankungsfähigkeit vonnöten. Ein weiterer Fähigkeitsaufwuchs ist missionsorientiert, insbesondere für die Unterstützung von Spezialkräften und die Fähigkeit Combat Search and Rescue zu erwarten.“ 46 FLUG REVUE Januar 2017 www.flugrevue.de

Die Flugerprobung der CH-53K läuft bei Sikorsky in West Palm Beach, Florida. Obwohl sich das Ministerium mit Details zu den Anforderungen bedeckt hält, ist klar, dass nur zwei marktverfügbare westliche Muster für die Rolle des künftigen STH (Schwerer Transporthubschrauber) in Frage kommen. So stehen sich bei der für 2018 vorgesehenen formellen Ausschreibung wohl die Boeing CH-47F Chinook in der Ausführung mit großen Tanks und die Sikorsky (heute Teil von Lockheed Martin) CH-53K King Stallion gegenüber – eine Wahl, wie sie so ähnlich auch in den 1960er Jahren getroffen werden musste. Auch wenn es sich um dieselbe Typenreihe handelt, so hat die K-Version mit der bei der Bundeswehr in Dienst stehenden CH-53G/GS/GE/GA nichts mehr gemein. Vielmehr handelt es sich um eine komplette Neuentwicklung für das US Marine Corps, mit größerem Frachtraum, mehr Nutzlast und besseren Leistungen vor allem in großen Höhen und bei Hitze. Eckpunkt ist die Fähigkeit, eine Außenlast von 12,2 Tonnen an den drei Haken 200 Kilometer weit zu bringen und dann zum Startpunkt zurückzukehren. Für den internen Transport von Fahrzeugen und Material wurde der Kabinenquerschnitt auf 2,74 x 2 Meter vergrößert. So passen laut Sikorsky auch zwei je 4500 Kilogramm schwere 463L-Paletten hinein. Nach diversen Verzögerungen aufgrund von Problemen unter anderem mit dem Hauptgetriebe befindet sich die CH-53K seit dem 27. Oktober 2015 in der Flugerprobung. Seit dem 2. September 2016 ist auch der vierte und letzte Prototyp in der Luft. Bis Mitte Oktober wurde dann in West Palm Beach (Florida) die erste, zweiwöchige Truppenerprobungsphase (OT-B1) durchgeführt. Auf dem Plan standen Flüge mit Außenlasten von 12 200 Kilogramm und Missionsprofile, bei denen eine Last von 5445 Kilogramm über 110 Nautische Meilen (205 km) verfrachtet wurde. Beim OT- B1 wurde die CH-53K King Stallion erstmals von einer Crew des Marine Corps betrieben. „Alle Testziele wurden erreicht“, so Colonel Hank Vanderborght, Programm-Manager des USMC. Der Abschluss von OT-B1 ist einer der Voraussetzungen für die Freigabe der Vorserie des Hubschraubers durch das Pentagon. Dies ist für das erste Quartal 2017 geplant. Ziel ist es, die anfängliche Einsatzbereitschaft mit vier CH-53K im Jahr 2019 zu erreichen. Bis 2031 sollen 200 Maschinen beschafft werden. Als Modell hatte Sikorsky die CH-53K in deutschen Farben auf der ILA in Berlin gezeigt. Für das US Marine Corps sind vor allem die Außenlastfähigkeiten der CH-53K bei Landeoperationen wichtig. Fotos: FR/Karl Schwarz, Sikorsky (2) www.flugrevue.de FLUG REVUE Januar 2017 47

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