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FLUG REVUE 01/2017

Raumfahrt

Raumfahrt Interplanetares Transportsystem Nächster Halt: Mars SpaceX-Chef Elon Musk hat Ideen, Geld und die nötigen Spezialisten für ein neues bemanntes Marsprogramm. Seine Pläne klingen wie eine spannende Science-Fiction. Von RUDOLF HOFSTÄTTER Fotos: SpaceX Eine Siedlung auf dem Mars: Es klingt nach dem Stoff für einen Hollywoodstreifen, doch für den SpaceX-Gründer Elon Musk ist es eine ernst gemeinte Zukunftsvision. Die Menschheit soll bald nicht mehr nur auf der Erde leben, sondern zu einer, wie Musk es nennt, multiplanetaren Spezies werden. Welche technischen Voraussetzungen dazu nötig sind, erläuterte der US-Milliardär Ende September 2016 auf dem Kongress der Internationalen Astronautischen Föderation im mexikanischen Guadalajara. Das Problem: Mit traditionellen Methoden in der Art des Apollo-Programms würde die Reise einer Person zum Mars etwa zehn Milliarden US-Dollar kosten. Wenn der Flugpreis dem Wert eines Hauses in den USA von rund 200 000 Dollar entspräche, wäre die Gründung einer selbsterhaltenden Zivilisation auf dem Mars sehr viel wahrscheinlicher. Die Reisekosten müssten also um fünf Millionen Prozent sinken. Das klingt unmöglich. Und doch könnten sich laut Musk die Kosten um etwa viereinhalb Größenordnungen verbessern lassen. Jede Größenordnung entspricht dem Faktor 10. Wichtig sind Ver- besserungen um zwei bis zweieinhalb Größenordnungen durch eine volle Wiederverwendung der Technik. Die beiden anderen Größenordnungen kommen vom Auftanken im Erdorbit, einer Treibstoffproduktion auf dem Mars und der Wahl des richtigen Treibstoffs. EINE TREIBSTOFFFABRIK AUF DEM ROTEN PLANETEN Volle Wiederverwendung ist sogar bei einem Orbitalsystem schwer zu erreichen. Diese Herausforderung ist noch größer für ein System für den Flug zu einem anderen Planeten. Nur alle 26 Monate gibt es die Gelegenheit, zum Mars zu starten. Ein Marsraumschiff bräuchte für die lange Reise und die große Nutzlast riesige Tanks, daher ist es sinnvoll, es erst im Erdorbit zu beladen und mit Treibstoff zu füllen. Genau das ist eines der wesentlichen Elemente von Musks Konzept. Ohne Tanken im Orbit wären die Kosten pro Ticket eine halbe Größenordnung, etwa 500 Prozent, höher. Die Wahl des richtigen Treibstoffs ist ebenfalls wichtig. Heutige Raketen verwenden meist eine teure, hochverfeinerte Form von Flugzeugkerosin. Es auf dem Mars herzustellen ist schwierig, weil es dort kein Öl gibt. Die Kosten, auf dem Mars Wasserstoff zu produzieren und zu speichern, sind sehr hoch. So war schließlich klar, dass Methan auf ganzer Linie der Sieger ist. Der Mars eignet sich für die Treibstoffproduktion 72 FLUG REVUE Januar 2017 www.flugrevue.de

Auf zu anderen Planeten: SpaceX will seine Marsrakete von der Startrampe 39A des Kennedy Space Center abheben lassen. In einem Parkorbit wird das Raumschiff vor dem Flug zum Roten Planeten betankt, beladen und belegt. Riesige Kryotanks aus Kohlefaser fassen genügend Treibstoff für den Flug zum Mars und zurück. Marsrakete und Raumschiff sollen von den neuen Raptor-Motoren angetrieben werden. Im Jahr 2016 fand der erste Testlauf statt. www.flugrevue.de FLUG REVUE Januar 2017 73

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