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FLUG REVUE 05/2015

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- Germanwings-Absturz: Erste Erkenntnisse der Unfallermittler - Italiens Eurofighter: Einsatz über dem Mittelmeer - A380neo: Emirates drängt auf Entscheidung

Historie Frankreich

Historie Frankreich startet Sud Aviation Caravelle in die VON PATRICK HOEVELER Die Caravelle besaß erstmals am Heck angeordnete Triebwerke. Auch die Hecktreppe war neu. Eigentlich sollte die Caravelle „Annapurna“ nach dem Berg im Himalaya heißen, aber Sud-Chef Georges Héreils wollte mit dem Airliner den Weltmarkt und insbesondere Amerika erobern. Daher fiel seine Wahl auf den Namen „Caravelle“ nach dem Schiffstyp der spanischen und portugiesischen Entdecker. Bereits im Frühjahr 1951 hatte die französische Regierung ein Komitee mit Vertretern von Behörden und Fluglinien zur Entwicklung eines strahlgetriebenen Verkehrsflugzeugs gegründet, das eine Reichweite von 2000 Kilometern aufweisen sollte. Im Januar 1952 erhielten die französischen Firmen die Spezifikation, auf die sieben Unternehmen mit Entwürfen antworteten: Breguet, Latécoère, Dassault, Hurel-Dubois, SNCAN (Nord Aviation), SNCASO (Sud-Ouest) und SNCASE (Sud-Est). 82 FLUG REVUE MAI 2015 www.flugrevue.de

LTU kaufte als einziger deutscher Kunde neue Caravelles. Außerdem flog der Jet bei Aero Lloyd und SAT (später Germania). Zehn Exemplare waren in Deutschland registriert. Angesichts der ersten Jet-Airliner Comet und Jetliner wollte Frankreich nicht ins Hintertreffen geraten und entwarf das erste strahlgetriebene Verkehrsflugzeug für Kurz- und Mittelstrecken. Die Caravelle startete vor 60 Jahren zu ihrem Jungfernflug. Jetära Im Gegensatz zur Konkurrenz setzten Pierre Satre und sein Team von der Société Nationale de Constructions Aéronautiques Sud-Est (SNCASE, später Sud Aviation) bei ihrer SE.X-210 erstmals auf eine Anordnung der Triebwerke am Heck. Diese Wahl versprach eine aerodynamisch sauber gestaltete Tragfläche und ein relativ geringes Geräuschniveau in der Passagierkabine. BRITISCHE TRIEBWERKE ERMÖGLICHEN DEN BAU Als Antrieb sahen die Konstrukteure zunächst drei Snecma ATAR 101 oder vier noch zu entwickelnde Turbomeca- Jets vor (jeweils zwei übereinander). Schließlich entschieden sich die Planer aber für das Avon von Rolls-Royce, wie es in der English Electric Canberra zum Einsatz kam. Laut Sud-Est war es damals das beste verfügbare Strahltriebwerk für eine zivile Verwendung. Im September 1952 reduzierte das Komitee das Feld auf zwei Kandidaten, die X-210 und die konventionellere HD-45 von Hurel-Dubois. Eine endgültige Entscheidung wollte man am 1. Januar 1954 treffen. Die Meinungen waren gespalten: Air France favorisierte die X-210, während sich die anderen Gesellschaften für die HD-45 aussprachen. Ende 1953 zeigte aber ein Blick auf die staatlichen Finanzen, dass man sich nur ein Flugzeug leisten konnte. Daraufhin fiel die Wahl auf die spätere Caravelle. Der Bau der ersten Maschine ging recht flott vonstatten, so dass Testpilot Pierre Nadot und Copilot André Moynet am Abend des 27. Mai 1955 in Toulouse-Blagnac mit der SE.210 (Kennung F-WHHH) zum 41-minütigen Jungfernflug starten konnten. Anschließend erfolgte die weitere Flugerprobung beim Centre d’Essais en Vol in Istres. Keine vier Wochen später gab das Muster gegen den Widerstand des damaligen Chefingenieurs Louis Bonte seine Premiere auf der Luftfahrtmesse in Le Bourget. Bestellungen lagen noch keine vor, denn Erstkunde Air France kaufte erst 1956 zwölf Maschinen; sie sollten 1958 ausgeliefert werden. Der Für die Flugerprobung der Caravelle war Pierre Nadot verantwortlich, der auch den Erstflug durchführte. Fotos: Sud-Est www.flugrevue.de FLUG REVUE MAI 2015 83

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