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FLUG REVUE 10/2015

Zivilluftfahrt

Zivilluftfahrt Inselfliegen mit Olympic Air Fotos: Spaeth steht dies für die griechischen Inselflüge 2016 an. Obwohl es wegen der griechischen Finanzkrise wiederholt zu Zahlungsverzögerungen gekommen ist, interessieren sich regelmäßig auch andere EU-Gesellschaften für die PSO-Routen, so etwa die österreichische InterSky mit Basis ,Friedrichshafen. Große Gewinne winken den Airlines hier naturgemäß nicht, aber solche Strecken sind eine sichere Bank, um die Flotte zu beschäftigen und den Umsatz zu steigern. „Auf den PSO-Routen ist es für uns rechtlich nötig, den Namen ‚Olympic‘ zu nutzen“, sagt Dimitris Gerogiannis. Etwa die Hälfte der insgesamt rund 60 Flüge, die Olympic Air täglich durchführt, bedienen PSO-Strecken, rund 350 000 Passagiere werden dort jedes Jahr befördert. Die andere Hälfte der Flüge führt Olympic im Auftrag der Mutter Aegean durch, innerhalb Griechenlands und auf dem Balkan. „Im Durchschnitt haben wir auf den PSO-Routen maximal 20 bis 30 Passagiere pro Flug, das ist sehr wenig“, sagt Gerogiannis. Zur Hauptsaison im Sommer ist mehr los, dann machen ausländische Touristen 50 bis 70 Prozent des Fluggastaufkommens aus. Viele Griechenland-Besucher lieben die abgelegenen Ägäis-Inseln. Aegean setzt auf den Rennstrecken von Athen nach Heraklion auf Kreta oder nach Santorin sogar ihr größtes Fluggerät, den Airbus A321, ein, um den Massentourismus zu bewältigen. Die beiden Drehkreuze für den Inselverkehr sind Athen, von wo aus zwölf Inselziele von Olympic Air bedient werden, sowie Rhodos mit acht Routen. „Kalimera, OA 20 ready for departure“, spricht Flugkapitän Antonios Vlachos den Tower in Athen über Funk an. Er und sein Copilot Nikolas Kapassas haben bereits einen Umlauf von und nach Athen am frühen Morgen hinter sich. Jetzt ist es neun Uhr, und ein typischer Inselhüpfer-Umlauf beginnt. Die Kabine ist gut besetzt, die Flugbegleiterin Antonia Pappa in ihrer grün-blauweißen Sommeruniform kümmert sich um die Passagiere. Für die griechischen Inseln bedarf es eines speziellen Flugzeugtyps, der Bombardier Dash 8-100, da es als einziges Flugzeug über die nötige Kurzstart- und Kurzlandeleistung verfügt. Heute fliegt auf Flug OA 20 die Dash 8 mit dem Kennzeichen SX-BIQ. Sie hat eine bewegte Karriere hinter sich: Ausgeliefert im Juni 1993, flog sie zunächst für Northwest Airlink und US Airways Ex- Die Besatzungen sind oft tagelang auf Inseltour. Mit der Abflugkarte von Athen am Steuerhorn geht es auf einen neuen Umlauf in die Ägäis. 26 FLUG REVUE OKTOBER 2015 www.flugrevue.de

Mit Vorhalten gegen den Seitenwind geht es im Endanflug auf die 980-Meter-Piste von Astypalea. Flugziel: Santorin. Die Ägäis gilt mit Stürmen, Wolken und der nahen türkischen Grenze als anspruchsvoll. press in den USA. 1998 folgte ein Abstecher zu Southern Winds nach Argentinien, im November 2003 ging es schließlich nach Griechenland. Nur der Name des Betreibers wechselte seitdem und spiegelt die schwierigen Zeiten der griechischen Luftfahrt wider: Aus Olympic Aviation wurde Olympic Airlines und danach endgültig Olympic Air. EIN KOMPLETTER UMLAUF DAUERT BIS ZU DREI TAGE Flug OA 20 setzt sich um 9.30 Uhr in Bewegung, Zielort ist die Insel Astypalea, auf der es nur wenig Tourismus und gerade mal 1300 Einwohner gibt. Mit einer Startmasse von 14,8 Tonnen, nur geringfügig unter ihrer maximalen Startmasse von 15,6 Tonnen, hebt die Dash 8 von der südlichen Piste in Athen ab und steigt in südöstlicher Richtung in den dunstigen Sommerhimmel über Athen. Vom Heimatflughafen nimmt der Flug den gesamten Treibstoff mit, der für die geplanten fünf Legs bis Rhodos benötigt wird. „Das ist billiger“, erklärt Flugkapitän Vlachos. Die Crew wird jetzt für drei Tage gemeinsam unterwegs sein und bis zur Rückkehr jeweils auf Rhodos übernachten, der zweiten Basis für Inselflüge. „Das machen wir einmal im Monat und genießen es, da unsere Ruhe zu haben“, freut sich Vlachos. „Am Tag fliegen wir nach Sichtflugregeln im Inselverkehr, im Reiseflug dann mit Autopilot im Instrumentenflug. Allerdings sind viele Flüge zu kurz dafür“, erklärt der Erste Offizier Nikolas Kapassas, als Piräus überflogen ist. Unterwegs berichten die Piloten, dass auf den meisten PSO-Strecken nur die Dash 8-100 eingesetzt werden kann, weil die Bahnen auf den Inseln so kurz sind. „Da unten, auf Paros, ist sie nur 710 Meter lang, aber die bauen jetzt einen neuen Flughafen“, deutet Antonios Vlachos aus dem Cockpitfenster auf einen Inselumriss in der Ägäis. Die Dash 8-100 benötigt bei voller Zuladung 990 Meter Piste zum Start und 790 Meter zur Landung. Sichtnavigation spielt eine wichtige Rolle. Nur wenige Inseln verfügen über Navigationsanlagen. Das Wetterradar zeigt den Kurs von Kasos nach Naxos. www.flugrevue.de FLUG REVUE OKTOBER 2015 27

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