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FLUG REVUE 10/2015

Zivilluftfahrt Flughafen

Zivilluftfahrt Flughafen Keflavik Mit ihrer 757-200 erreicht Icelandair noch Ziele an der US-Westküste. Keine Wizz Air: Auch die isländische WOW air trägt Lila. Die Heckflossen zeigen, wer die Platzhirsche in Keflavik sind. scherei. „Anfang 2010 war unser Ziel für 2015, etwa 3,5 Millionen Passagiere abzufertigen, das erschien ehrgeizig“, sagt Björn Oli Hauksson, Chef des staatlichen isländischen Flughafenbetreibers Isavia, im Interview mit der FLUG RE- VUE. „Damals hatten wir gerade etwas über zwei Millionen Passagiere.“ Island litt zu jener Zeit an den Folgen der schweren Banken- und Wirtschaftskrise von 2008. Dann brach im April 2010 der Vulkan Eyafjallajökull aus und legte mit seinen Aschewolken tagelang den Luftverkehr über weiten Teilen Europas lahm. Tatsächlich werden bis zu 4,7 Millionen Passagiere in diesem Jahr erwartet, ein Zuwachs um 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. „Allein in den ersten drei Wochen im Mai verzeichneten wir ein Plus von 30 Prozent“, berichtet Hauksson. „Der Vulkanausbruch hat uns für viele Menschen erst auf die Karte gebracht – die wissen jetzt, wo Island liegt und dass es hier spektakuläre Natur zu bewundern gibt“, so der Flughafenchef. „Außerdem hat die Wirtschaftskrise zu einer Abwertung unserer Währung geführt, sodass Island besser konkurrieren kann. Die Krise löste auch größere Die Routenkarte zeigt, wie ideal Island im Nordatlantik liegt, um als Drehkreuz Europa und Amerika zu verknüpfen. Investitionen im Inland aus, daher gibt es heute mehr Hotels und Restaurants.“ Nun haben auch Billigflieger die Insel als Ziel entdeckt, allen voran easyJet, die derzeit sechs Ziele in England und Nordirland anfliegt sowie Basel und Genf. „Die haben 2013 hier mit 100 000 Sitzen im Jahr angefangen, das Angebot im vergangenen Jahr verdoppelt und dieses Jahr nochmal, auf jetzt 400 000 Sitze im Jahr“, staunt Hauksson. Und fliegen interessanterweise nicht nur im Sommer, sondern ganzjährig. Eines der großen Probleme des Flugverkehrs von und nach Island ist seine saisonale Unausgewogenheit. 27 Fluggesellschaften fliegen Keflavik an, davon sind 17 ausschließlich in den Sommermonaten vertreten. Darunter fast das gesamte Angebot von und nach Deutschland. Während sich hier zur hellen Jahreszeit neuerdings airberlin (vier Ziele), Germanwings (fünf Ziele) und Lufthansa (Frankfurt und München) tummeln, verbinden im Winter nur die einheimischen Carrier Icelandair (Frankfurt und München) sowie der neue Billiganbieter WOW Air (Berlin-Schönefeld) Island mit Deutschland. „Großbritannien ist unser wichtigster Markt für das Besucheraufkommen“, sagt Björn Oli Hauksson, „während die Deutschen bisher nur im Sommerhalbjahr kommen.“ Der zweitwichtigste Markt für Island sind die USA. Sieben US-Städte 36 FLUG REVUE OKTOBER 2015 www.flugrevue.de

Kurze Wege zum Anschlussflug erleichtern den Fluggästen das Umsteigen. Für das steigende Aufkommen soll das Terminal schrittweise wachsen. NACHFRAGESPITZEN UND FREIE KAPAZITÄT stehen ganzjährig im Flugplan von Icelandair, die an ihrem Heimatflughafen rund 80 Prozent aller Passagiere befördert, vier weitere Ziele in den USA werden in den Sommermonaten angeflogen. Neu dabei ist Billigflieger WOW Air; er bedient bereits Boston und Baltimore/Washington. Für die isländischen Gesellschaften spielen dabei sowohl Transferpassagiere zwischen Europa und Nordamerika eine wichtige Rolle als auch solche, die nur von und nach Island reisen oder aber hier einen mehrtägigen Stopover einlegen. Keflavik mit seinem kompakten Terminal ist dabei als Umsteige-Drehkreuz ausgelegt, die maximale Laufdistanz für Transferpassagiere liegt bei 500 Metern. „Insgesamt beträgt der Umsteigeranteil 30 Prozent. Von den über 3,2 Millionen jährlichen Passagieren der Icelandair steigt sogar fast die Hälfte um“, berichtet Hauksson. Die Mindestumsteigezeit liegt bei 45 Minuten. Island gehört zum Schengen-Bereich, und ankommende Passagiere aus den USA, Großbritannien und Kanada müssen die Passkontrolle durchlaufen, während Sicherheitskontrollen nur noch für Fluggäste aus Kanada nötig sind. Hauksson hofft auf eine baldige Abschaffung dieser Maßnahme durch eine neue Regelung mit der EU. Effiziente Abläufe sind für den Flughafen Keflavik von entscheidender Bedeutung, denn beinahe der gesamte Passagieraustausch zwischen Europa und Amerika findet innerhalb eines engen Zeitfensters zwischen etwa 15 und 17 Uhr statt. Geschäftig geht es auch morgens zu zwischen sechs und neun Uhr. Dann sind alle elf Gates am Gebäude und die meisten Vorfeldpositionen belegt. Derzeit werden sechs neue Bus-Gates gebaut, insgesamt soll es künftig elf Außenpositionen geben. Dann kann Keflavik bis zu 3000 Passagiere pro Stunde abfertigen. Diese Möglichkeit allerdings wird die meiste Zeit ungenutzt bleiben, denn der Flughafen leidet auch an der ungleich über den Tag verteilten Auslastung. „Zwischen neun und zwölf Uhr zum Beispiel ist es hier vollkommen leer. Wir suchen nach Airlines, die diese Lücken füllen, dann könnten wir mit den bestehenden Anlagen unsere Abfertigungsleistung verdoppeln“, sagt Björn Oli Hauksson. Anreize wie etwa geringere Gebühren außerhalb der Spitzenzeiten gibt es nicht. „easyJet kommt in den leeren Zeiten und kann sich die Slots aussuchen.“ Haucksson hofft auf ein umfangreicheres Langstreckenangebot, vor allem nach Asien. Bisher schickt JAL im September lediglich Charterflüge mit der Boeing 777, die Nordlicht-begeisterte Japaner ins Land bringen. Das Terminalgebäude hat sich vom Grundriss her seit der Eröffnung 1987 erstaunlich wenig verändert, trotz zweier Erweiterungen. Bis 2017 erwartet der Flughafen 5,7 Millionen Passagiere; auch das soll noch mit der vorhandenen Infrastruktur zu bewältigen sein. „Aber wir werden jetzt für viele Jahre stetig bauen und das Gebäude nach Westen erweitern“, sagt der Flughafendirektor. Masterpläne für erweiterte Abfertigungspiers mit mehreren Dutzend Gebäude-Gates liegen ebenso in der Schublade wie der Plan für eine dritte Piste. Während die Bauarbeiten für den ersten neuen Gate-Bereich in den kommenden fünf Jahren beginnen sollen, käme eine neue Runway erst nach 2030. Derzeit können die beiden Bahnen rund 40 Flugbewegungen pro Stunde abwickeln, 80 Prozent des Verkehrs nutzt die Piste 02R/20L. Immer wieder sind aufgrund der besonderen Lage Islands exotische Flugzeuge in Keflavik zu bewundern – von Business Jets, die hier mit Hollywood-Stars an Bord auftanken, bis hin zum DC- 8-Forschungsflugzeug der NASA. FR www.flugrevue.de FLUG REVUE OKTOBER 2015 37

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