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FLUG REVUE 11/2015

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Take-Off Hinter den

Take-Off Hinter den Kulissen eines Airports CGN ist ein Frachtzentrum und beherbergt deswegen viel Cargo-Verkehr. Die Zeichen der Einweiser sind international einheitlich. Die 32R/14L ist in Köln/Bonn die längste Start- und Landebahn. Herbststimmung im Rheinland. Dunkle Wolken ziehen über die Landschaft, der Nieselregen geht in stärkere Schauer und schließlich in Dauerregen über. Am Flughafen Köln Bonn sind wegen Bauarbeiten gerade zwei von drei Landebahnen geschlossen. Damit steht derzeit nur die 3815 Meter lange „Interkontinentalbahn“ 14L/32R als alleinige Piste für das ungeschmälerte Flugaufkommen zur Verfügung. 123243 Flugbewegungen, 9,5 Millionen Passagiere und 750000 Tonnen Fracht wurden in Köln 2014 abgefertigt. Tendenz: steigend. Hochbetrieb für Verkehrsleitung, Vorfeldkontrolle und Flugzeugeinweiser. Sie müssen bei jedem Wetter und rund um die Uhr alle Flugzeuge sicher und pünktlich zu ihren Abfertigungspositionen auf den weitläufigen Vorfeldern leiten. Ein ganzes Netzwerk von Profis ist dazu im Einsatz. Am höchsten Punkt des Terminals, wegen seiner markanten Kanzelform flughafenintern auch „der Kaffeefilter“ genannt, sitzen die jeweils drei oder vier Disponenten und Sachbearbeiter der ZWEI Vorfeldkontrolle und Verkehrszentrale. Sie kennen jede Ecke ihres Flughafens und haben sich nach jahrelanger Praxis am Flughafen buchstäblich nach oben in die Vorfeld-Towerkanzel gearbeitet. Wie am VON DREI Fließband landen immer neue Flugzeuge und wollen zu ihren Gates rollen. Welches Gate genau angewiesen wird, entscheidet sich PISTEN SIND GESPERRT beim Schichtführer. Schon jeweils am Vorabend erstellt die Verkehrszentrale hier aus den SITA-Daten der Airlines eine vorläufige Liste: Welches Flugzeugmuster wird eingesetzt, wie groß muss der Warteraum sein? Kommen die Passagiere aus dem Schengen-Raum oder aus dem Non- Schengen-Raum, und brauchen sie ein Gate mit Zoll- oder Grenzkontrolle? Wo ist noch Platz? Wo möchte die Airline diesen Flug am liebsten abfertigen? Wel- 20 FLUG REVUE NOVEMBER 2015 www.flugrevue.de

Die Gepäckanlage besteht aus einem kilometerlangen Förderbandsystem. che Spezialfahrzeuge, etwa Hubbühnen oder Behinderten-Hubfahrzeuge werden an der Position benötigt? Aus diesen Angaben entsteht die vorläufige Liste, die nicht nur intern den Flughafenbetrieb strukturiert, sondern die auch als Grundlage der Passagierinformation auf Anzeigetafeln, im Videotext und auf der Website des Flughafens erscheint. Auch die Durchsagen des Flughafens richten sich nach diesen Angaben. Schließlich erhalten Zoll und Bundespolizei eine „Vorwarnung“, wann, wo und wie viele Schalter zur Kontrolle besetzt sein müssen. Bei verpassten Kontrollen könnte sich der Flughafen schlimmstenfalls der „Beihilfe zur illegalen Einreise“ schuldig machen. Gerade bei Geschäftsreiseflugzeugen aus dem Ausland wird deshalb sorgfältig der Abflugort geprüft und gegebenenfalls die Behörden informiert. Als sich der reale Flug am nächsten Tag im Sinkflug zur Landung befindet, taucht er schließlich auf dem Radarmonitor im „Kaffeefilter“ auf. Jetzt wird anhand der Flugsicherungsdaten und auch mit dem Feldstecher genau verfolgt, ob es Änderungen in letzter Sekunde gegeben hat: Wird heute das geplante Flugzeugmuster oder eine andere, vielleicht längere Version eingesetzt? Gibt es Verspätungen oder Änderungen im Umlauf? Die Flugzeugregistrierung und die Zeit des Aufsetzens werden für die Gebührenabrechnung des Flughafens erfasst. Dann kommt das Vorfeld ins Spiel. Per Kamera und mit einem System von Messfühlern werden flughafenweit ständig Wetterlage und Temperatur beobachtet. Eventuell überschwemmte Vorfeldflächen müssen gesperrt, schnee- oder reifbedeckte Bereiche geräumt werden. Dies kann größere Tauschketten unter den geplanten Gates bewirken. Auf der Vorfeldebene warten bereits die schwarz-gelb karierten „Follow Me“- Fahrzeuge vor den einzelnen Terminalbereichen und auf dem Frachtvorfeld. Sie führen die ankommenden Flüge von der gelben Rolllinie bis zur endgültigen Parkposition und weisen das zentimetergenaue Rollen bis zum Anziehen der Parkbremse und bis zum Vorlegen der Bremsklötze an. Mit immer langsamer werdenden Winkbewegungen wird den Piloten das baldige Erreichen der Parkposition angezeigt. Gekreuzte Kellen bedeuten „Stopp“. Bis das Abfertigungsteam Bremsklötze gegen unbeabsichtigtes Wegrollen vorgelegt hat, signalisiert der Einweiser mit waagerecht gehaltenen Kellen, dass die Piloten per Fußspitze ihre Bremsen im Cockpit noch festhalten sollen. Liegen die Bremsklötze an, wird auch dies durch eine kurze, waagerechte Bewegung mit beiden Leuchtstabspitzen nach innen angezeigt. Hier ist äußerst sorgfältige Arbeit gefragt. Die NASA hat ermittelt, dass weltweit 43 Prozent aller Rollzwischenfälle am Gate auf den letzten sechs Metern bis zum Stillstand passieren. Bevor das Flugzeug aber an seine Position darf, prüfen die Einweiser, ob die Parkfläche sicher ist: Ist der rot markierte Sicherheitsbereich, auch seitlich beider Flügel, frei? Stehen alle Bodenfahrzeuge gebremst auf ihren Marken? Ist www.flugrevue.de FLUG REVUE NOVEMBER 2015 21

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