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2025-07-18 Bayreuther Sonntagszeitung

2025-07-18 Bayreuther

BayreutherSonntagszeitungwww.inbayreuth.de„Bayreuthist einMythos“Thomas Eitler-deLintformt erstmals den FestspielchorBAYREUTH. Mitder Saison 2025beginnt in Bayreuth ein neuesKapitel: Thomas Eitler-de Lintübernimmt die Leitung des Festspielchores–ein Amt mit großerTradition und ebenso großen Erwartungen.Erfolgt auf EberhardFriedrich, der den Chor über zweiJahrzehnte geprägt hat. Zugleichsteht der neue Chordirektor voreiner strukturellen Neuausrichtung,dieunter demDruck wachsenderKosten und imZeichenkünstlerischer Erneuerung steht.Im Interview spricht er über Verantwortung,Klangideale – unddieChancen, dieinder Veränderungliegen.Herr Eitler-de Lint, Sie übernehmenden Chor in einer Zeit desUmbruchs. Was bedeutet dieseAufgabe fürSie ganz persönlich?Thomas Eitler-de Lint: Für michist das die Krönung meiner bisherigenLaufbahn. Ich beschäftigemich seit meiner Jugend mitRichard Wagner. Schon mit 18war ich in Bayreuth –als Besucher,späteralsAssistent. In Leipzigdurfteich2022 den gesamten„Wagner 22“-Zyklus betreuen.Wagner begleitetmichmeinganzesLeben. Jetzt den Festspielchorin Bayreuth zuleiten, ist eingroßes Geschenk –und eine Aufgabe,dieichmit großem Respektannehme.Sie treten ingroße Fußstapfen– Ihre Vorgänger prägten denChor über Jahrzehnte. Wie gehenSiemit diesem Erbe um?Thomas Eitler-de Lint: Ich habeeine sehr klare Vorstellung davon,wie der Chor in Bayreuthklingen soll. Dieser spezielle„Bayreuth-Klang“ hatmichschonalsAssistentgeprägt.Ich möchteihn weiterentwickeln, aber aucherhalten. Für mich bedeutet das:körperbetonte, tragfähige Stimmenmit dunklem Timbre –idealfürWagnersMusik.Sie haben jede Stimme im Vorsingeneinzeln gehört. WoraufhabenSie besondersgeachtet?Thomas Eitler-de Lint: Mir sinddrei Dinge wichtig: saubereIntonation, wenig Vibrato undeine belastbare Technik. Wagnerverlangt viel –lange Partien,große Orchester, hoher stimmlicherDruck. Dazu kommt dieAkustik des Festspielhauses. DieStimmen müssen tragfähig sein,auch über einen ganzen Sommerhinweg.Der Chor ist künftig in HauptundSonderchor aufgeteilt. Wasbedeutetdas fürIhreArbeit?Thomas Eitler-de Lint: Für michmacht das keinen Unterschied.Alle Sängerinnen und SängerThomas Eitler-de Lint ist ab dieser Festspielsaison neuer Chordirektor.Foto: redwerden gleich behandelt undsollen das gleiche hohe Niveauerreichen. Je nach Oper oderSzene braucht es unterschiedlichvieleStimmen–mal24, malüber130. Entscheidend istimmer: DerKlangmuss passen.Im Vorfeld gab es Diskussionenum dieneue Struktur.Wie sehenSiedie Veränderungen?Thomas Eitler-de Lint: Ich tragedie Entscheidung voll mit. Eswar ein gemeinsamer Prozessmit Frau Wagner. Viele Szenenbrauchen gar keinen riesigenChor –bei den Blumenmädchenetwa reichen 24Stimmen. Aberwenn 134gebraucht werden,sindsie da. Es geht darum, flexibel zuChor imFestspielparkDer Chor der Festspielewird heuer erstmals imRahmeneines eigenenOpen-Air zuerleben sein.Unter derLeitung und mit Moderationvon Chordirektor ThomasEitler-de Lint, präsentierendie Sängerinnen und SängerHöhepunkte aus RichardWagners Chormusik –kraftvoll,klangvoll und ganz naham Publikum. Für kulinarischeAngebote ist gesorgt. Picknickkorbkann mitgebrachtwerden.Eintritt frei. redSonntag, 27. Juli, um 11 Uhr,Festspielpark.bleiben und der Partitur gerechtzu werden.Lässt sich unter diesen Bedingungender „Bayreuth-Klang“bewahren?Thomas Eitler-de Lint: Absolut.Dasist möglich. Es istmeinZiel.Wasmacht WagnersChormusikbesondersherausfordernd?Thomas Eitler-de Lint: Manmuss diedeutsche Sprache sehrgut aussprechen können –geradeKonsonanten müssen inBayreuth besonders deutlichgesungenwerden,wegen der speziellenAkustik. Außerdem brauchtman eine ausgezeichnete Technik,um die Belastung auszuhalten.Undman muss sich klanglicheinfügen können –der Chor isteinKollektiv,keine Sammlung vonSolisten.Im Chor singen Menschen ausder ganzen Welt. Wie wirkt sichdasaus?Thomas Eitler-de Lint: Das istwunderbar! Wir haben Sängerinnenund Sänger aus allen Kontinenten–Chile,Kanada, Finnland,Neuseeland, Südafrika, Asien.Sie alle bringen unterschiedlicheStärken mit, lernen voneinanderund ziehen gemeinsam an einemStrang. Die Liebe zur Musik verbindetuns.Sie waren viele Jahre in Leipzigtätig. Wasbringen Sieaus dieserZeit mit?Thomas Eitler-de Lint: Sehr vielWagner-Erfahrung! In Leipzighaben wir regelmäßig Wagner-Opern erarbeitet – über Jahrehinweg, bis zum großen „Wagner22“-Projekt.Der Chor dort hatalleWagner-Opern gesungen, vieledavon mehrfach. Ich habe dabeiauch selbst sehr viel gelernt.Unddas Lernen hörtnie auf.WasunterscheidetBayreuthvonanderen Opernhäusern?Thomas Eitler-de Lint: Bayreuthist ein Mythos. Jeder hier –vomTechniker bis zum Dirigenten –arbeitet mitgrößter Hingabe.Dasspürt man im ganzen Haus. Allewollen das Beste. Diese Atmosphärehabeichsonochnirgendserlebt. Auch der Chor bringt hierin wenigen Tagen so viel auf dieBühne wieanderswo in Monaten.Ihre Vorgänger waren jahrzehntelangim Amt. Welche langfristigenZielehaben Sie?Thomas Eitler-deLint: Ichmöchteeine gesundeBalance im Chor:erfahreneSängerinnen und Sänger,die Tradition weitergeben,und neue Stimmen, die frischenSchwung bringen. Motivation istmir wichtig –ich will inspirieren,mitreißen, ein positives Vorbildsein. Die technischen Grundlagensind überall ähnlich, aberderUmgang miteinander,der Tonmachtden Unterschied.Haben Sie eine LieblingsopervonWagner?Thomas Eitler-deLint: Emotionalberühren mich „Parsifal“ und die„Meistersinger“ ammeisten. Die„Meistersinger“ begleiten michseit langem –eswar die ersteOper,die ichinBayreuthgesehenhabe, die erste, bei der ich hierassistierte, und nun meine ersteProduktion als Chorleiter. Das istetwasBesonderesfür mich.Welche Oper istfür den Chor diegrößte Herausforderung?Thomas Eitler-de Lint: „Lohengrin“indiesem Jahr ist sehr anspruchsvoll,weil der Chor kaumvon der Bühne kommt. Nochmehr wird es nächstes Jahr mit„Rienzi“. Die „Meistersinger“ sindkörperlich besonders fordernd,wegen der szenischen Anforderungen.Aber bei einem gutenRegieteam geht das Singen undSpielenHand in Hand.Wie glauben Sie, wird dasBayreuther Publikum Sieaufnehmen?Thomas Eitler-de Lint: Das weißichnicht.Ich hoffe, offen und neugierig– vielleicht auch Skepsis.Aber wir wollen gute Arbeit machen–dann überzeugt das hoffentlichauchdieKritiker. DieStimmungim Haus ist jedenfalls sehrgut –einewichtigeGrundlage.Interview: Gabriele MunzertAusgabe 631|13.Jahrgang|19./20.Juli2025DASORIGINALSophienstraße 2295444 BayreuthTel. 0921/7867250 www.doetzers.deUnsereSonntags Specials im Restaurant:Kellerbierbratenmit 2Bth. Klößennur 15 Eurosowie fränk. 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