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KEM Konstruktion 03.2018

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Trendthemen: Sicherheitskupplungen und -bremsen, Industrie 4.0, Digitalisierung, Wälz- und Gleitlager; KEM Porträt: Dr. Klaus Kluger, General Manager, Omron Electronics; KEM Perspektiven: Die Leistungsdichte sowie der Leichtbau von Sicherheitskupplungen im Fokus

MAGAZIN PORTRÄT Bild:

MAGAZIN PORTRÄT Bild: Omron Kluger: Fehler früh zu erkennen, lernt das KI-System, in dem es wiederum zunächst genügend Daten über den Normalzustand sammelt. Sprich: Wenn die Anlage ordnungsgemäß läuft, lernt das System den Normalzustand zu interpretieren. Auf dieser Basis kann das System dann einen sich abzeichnenden Fehlerzustand schnell erkennen und so etwa eine vorausschauende Wartung ermöglichen. Mit diesen Algorithmen kann man aber auch den Fertigungsprozess im optimalen Zustand halten – etwa in dem die Maschine auf veränderte Parameter wie Temperaturänderungen reagiert. Auf Messen zeigt Omron mit dem Ping-Pong Roboter Forpheus, was Machine Learning oder Adaptives Lernen bedeutet KEM Konstruktion: Wann kann man diesen KI-Controller von Omron kaufen? Kluger: Wir machen mit Kunden bereits eine ganze Reihe von Testläufen. Auf den Markt kommen soll der KI-Controller im zweiten Halbjahr 2018. Zunächst wird KI sicher erst einmal eine Zusatzfunktion sein. Ob und wann die Funktion in allen Controllern flächendeckend zur Verfügung steht, muss man abwarten. KEM Konstruktion: Letztlich liegt die Hauptstoßrichtung der Künstlichen Intelligenz also in der schlauen Datenaufbereitung? Kluger: Ja – wir haben in der Automatisierung eine Menge intelligente Sensoren, die alle Daten liefern. Wir haben eine regelrechte Flut an Daten. Aber aus dieser Flut an Daten diejenigen Informationen herauszufiltern, die für den Anlagenbetreiber wirklich entscheidend sind, das ist die große Herausforderung. Nehmen Sie ein Beispiel aus der Prozessindustrie: Bei Unfällen in Raffinerien hat man festgestellt, dass die Mitarbeiter in der Leitzentrale fünf Minuten bevor es geknallt hat so viele Warnungen bekommen haben, dass sie vollkommen überfordert waren. Die Kunst ist also, die Flut an Information so zu selektieren, dass der Betreiber im richtigen Moment am richtigen Knopf dreht – damit zum Beispiel in der Automatisierung die Anlage gar nicht erst ausfällt. KEM Konstruktion: Wollen Sie bei der KI auch Cloud- Möglichkeiten nutzen? Etwa um maschinenübergreifend Daten zu sammeln und zu vergleichen, um dann Prozessverbesserungen anzustoßen? Kluger: Unser Ansatz verfolgt im ersten Schritt, lernende Algorithmen auf der Maschine in Echtzeit zu nutzen. Es ist konsequent, die analysierten Muster weiter zu analysieren. Hierzu sind sowohl Edge-Lösungen angedacht sowie eine cloudbasierte Plattform. Primär geht es um den Nutzen für die Produktivität unter den Gesichtspunkten von Echtzeit und Sicherstellung von Anforderungen an die Cyber-Security. Im Health-Care-Bereich verfügen wir schon über solche Erfahrungen. Wir verkaufen zum Beispiel bereits ein Blutdruckmessgerät, das der Patient permanent am Arm trägt und das dann die Messwerte direkt in die Cloud funkt. Diese Messwerte kann sich der Hausarzt anschauen, um zu sehen, wie es seinem Patienten geht – und um so zum Beispiel seine Medikation zu überprüfen. So etwas ist natürlich auch im Bereich der industriellen Automatisierung nutzbar. KEM Konstruktion: In der industriellen Automatisierung bieten Sie vor allem die Steuerungslösung Sysmac an. Was zeichnet diese aus? Kluger: Sysmac ist unser Alleinstellungsmerkmal. Sysmac ist weit mehr als eine PLC-Steuerung. Sysmac ist eine umfassende, voll skalierbare Automationslösung, die einzelne Themen wie Bildverarbeitung, Sensorik, Sicherheitstechnik, Motion, SPS und Robotik auf einer harmonisierten Plattform vereint – verbunden über Ethercat für die schnelle Kommunikation. Der Vorteil solch einer harmonisierten Plattform ist: Sie schließt die Schnittstellenproblematik nahezu völlig aus, was letztlich auch die Flexibilität stärkt. Anpassungen und Umrüstungen von Maschinen und Anlagen sind damit sehr leicht möglich, weil man sich nur mit einem System beschäftigen muss. Das wird für Kunden immer wichtiger. KEM Konstruktion: Warum? Kluger: Wir sehen ganz klar die veränderten Anforderungen bei unseren Kunden: Sinkende Losgrößen bis zur Losgröße 1. Der Produktmix steigt. Die Produkt-Lebenszyklen werden immer kürzer. Heute baut man nicht mehr eine Anlage, die dann zehn Jahre unverändert durchläuft. Heute müssen Kunden die Maschinen nach kurzer Zeit schon wieder umrüsten, oft schon nach einem halben Jahr. Der Kunde benötigt also Anlagen, die modular aufgebaut, flexibel erweiterbar und skalierbar sind. Und die vor allen Dingen leicht umzuprogrammieren sind. Hier kommen wir wieder zu den Vorteilen unserer Sysmac-Plattform: Ob Vision, Motion, Sensorik oder Safety – alles kann der Kunde über eine 16 K|E|M Konstruktion 03 2018

umfassende Plattform steuern; nun sogar ergänzend mit integrierter Robotik. Dank der einheitlichen Plattform lässt sich alles leicht anpassen. KEM Konstruktion: Es geht also nicht nur um Sysmac als Hardwareplattform, sondern insbesondere auch um die Entwicklungsumgebung? Kluger: Ganz genau. Sysmac Studio ist ein zentraler Bestandteil. Wir haben jetzt gerade eine neue Version herausgebracht, mit der Mitarbeiter an verschiedenen Orten am gleichen Automationsprojekt arbeiten können. Im Grunde genommen kann man damit eine Art Crowd Working umsetzen. KEM Konstruktion: Wie steht es um den weiteren Ausbau der Sysmac-Plattform? Planen Sie weitere Funktionalitäten? Kluger: Definitiv. Die Plattform wird stetig ausgebaut. Beispielsweise haben wir hier erst kürzlich CNC-Funktionalitäten für komplexe Bearbeitungsvorgänge wie 3D-Interpola - tion und Positionskompensation integriert. Damit lassen sich mit Sysmac präzise weggesteuerte CNC-Anwendungen wie XY-Schneiden, Fräsen oder Drehen umsetzen. Und weil ein einziger Controller die Programme für SPS und CNC in einem Steuerungsintervall ausführt, lassen sich Prozesse schnell synchronisieren. Passend dazu haben wir auch die Entwicklungsplattform Sysmac Studio um CNC- Einstellungen und G-Code-Programmierung erweitert. KEM Konstruktion: Welche Rolle spielt bei all dem die Robotik – 2015 hat Omron ja den US-amerikanischen Roboterhersteller Adept übernommen? Kluger: Die Akquisition war letztlich ein Win-Win-Deal für beide Seiten. Omron hatte bis dahin zwar ein breites Automationsportfolio – von Vision und Sensorik über Motion bis zur Steuerung – aber eben keine eigene Robotik. Also hat Omron eine Robotikfirma gesucht, die in ähnlichen Bereichen und Branchen unterwegs ist, wie man selber. Hier kam Adept mit seinen Stärken in Kleinteilehandling und Bild: Omron Sysmac deckt als umfassende, voll skalierbare Automationslösung Themen wie Bildverarbeitung, Sensorik, Sicherheitstechnik, Motion, SPS und Robotik ab Montage goldrichtig. Und Adept wiederum profitiert nun von der Zugehörigkeit zu einem internationalen Automa - tionskonzern. Gerade in Deutschland ist die Robotik ein bedeutender Umsatzträger, denn Deutschland war für Adept stets der wichtigste Markt. Zukünftig wollen wir die Kunden stärker von der Leistungsfähigkeit unseres Gesamtsystems überzeugen und diese ganzheitlichen Lösungen anbieten. Wir wollen den Kunden helfen, ihre Prozesse zu vereinfachen – auf eine elegante Art und Weise. Zentraler Pfeiler dafür ist unsere Sysmac-Plattform. KEM Konstruktion: Ist der Roboter in einem Gesamtsystem für Sie Teil einer Maschine oder Dreh- und Angelpunkt der Automation? Kluger: Das hängt von der jeweiligen Applikation ab. Auf der einen Seite gibt es Anlagenbauer, die bauen ihre Lösung um den Roboter herum, weil für sie der Roboter der zentrale Teil der Anlage ist. Auf der anderen Seite gibt es einfache Anwendungen wie Pick&Place, da ist der Roboter eben nur ein Teil der ganzen Maschine. Hier können wir natürlich mit dem umfassenden Omron-Portfolio von der Sensorik bis zur Steuerung punkten. Daher werden wir die Robotik weiter aktiv in die Sysmac-Plattform integrieren. Bild: Rüdiger J. Vogel/Konradin Mediengruppe „Wir sehen ganz klar die veränderten Anforderungen bei unseren Kunden: Heute müssen Kunden die Maschinen nach kurzer Zeit schon wieder umrüsten, oft schon nach einem halben Jahr.“ Dr. Klaus Kluger, General Manager Central Region, Omron Electronics GmbH Zum Unternehmen INFO Omron mit Sitz in Japan treibt Innovationen und neue Technologien wie die biometrische Gesichtserkennung, künstliche Intelligenz oder den kollaborierenden Ping-Pong-Roboter Forpheus voran. 2015 wurde zudem der amerikanische Roboterhersteller Adept übernommen und das Entwicklungsteam dort deutlich aufgestockt. Aber auch in Europa gibt es Entwicklungszentren; etwa in England, Spanien oder in Holland, weil aus Europa wichtige Impulse kommen. So wird die Entwicklung für IPC und Motion Control federführend aus Europa betrieben. Global sind alle Entwickler zu den Themen der Digitalisierung vernetzt. www.omron.com K|E|M Konstruktion 03 2018 17

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