Antonius Conte: Wenn alles geerntet ist, fängt das Jahr gleich wieder an, oder? Uwe Wüst: Viele Leute meinen, die Ernte sei stressig. Sie ist jedoch völlig entspannend: Es macht Spass und bringt Freude. Richtig los geht’s nach der Ernte mit den 16-Stunden-Tagen. Warum machst du eigentlich Mischkultur? Damit ist doch in jeder Hinsicht ein extremer Aufwand verbunden. UW: In der hier umgesetzten Landwirtschaft versuchen wir, Pflanzen auf der Mutter Erde anzubauen, die im natürlichen Zustand wild ist. Alles natürlich Wilde – und was die Jäger und Sammler gegessen haben – können wir genauso essen. Aber das will heute kein Mensch mehr. Irgendwann hat sich eine neue Kultur eingeschlichen, vielleicht durch die Kuh. Ich weiss nicht, wer daran schuld war, das spielt auch keine Rolle. Wer Getreide auf der Erde anbaut oder Früchte kultiviert, sollte das so naturnah wie möglich machen. Wild kann die Erde immer sein. Ich denke so: Da wächst etwas, dann stirbt es, dann wächst etwas anderes und stirbt wieder. Die moderne Landwirtschaft wie die Landwirtschaft, die die Menschheit schon seit Langem betreibt, kommt mir als brutaler Raubbau vor. Das war übrigens auch schon in der Bandkeramikerzeit 1 so: Es ging los mit Brandrodungen, und wenn nichts mehr gewachsen ist, sind die Menschen weitergezogen, weil es noch genügend Land gab. Der Boden hat sich regeneriert und wenn nach Jahrzehnten wieder jemand gekommen ist, konnte wieder etwas angebaut werden. So geht es heute nicht mehr. Wir müssen lernen, einen Landbau zu betreiben, der insofern nachhaltig ist, als da immer wieder etwas wächst. Das setzt einen ordentlichen Umgang mit dem Boden und den Pflanzen voraus. Es fällt auf, dass du überhaupt nicht düngst! UW: Wir düngen nicht. Ich habe den Mist von den Rindern, was im Prinzip ein Haufen Stroh ist. Die zwei Rinderherden weiden ganzjährig frei; wir haben keinen Stall auf dem Hof. Die Rinder haben im Winter vier Standweiden, wo sie gefüttert 18
werden. Es gibt Liegeflächen und Futterplätze für die Tiere, und da sammelt sich allerhand an, unter anderem auch Mist. Stroh und Grasreste zum Beispiel fahre ich nicht aufs Getreidefeld, sondern zur Zwischenfrucht 2 . Es wird jetzt um diese Jahreszeit (im Sommer) ungefähr ausgebracht. Dann kommt eine Zwischenfrucht drauf, die nicht geerntet wird. Ist Zwischenfrucht so etwas wie Klee? UW: Nein, nicht Klee, sondern ein «geordnetes Durcheinander» mit ganz vielen verschiedenen Pflanzen, die ich selber sammle und züchte. Dein Saatgut machst du also selber? UW: Genau. Das fängt damit an, dass ich die Samen irgendwoher heraussammle, in Wiesen, Randstreifen oder bestehenden Kulturen. Sobald ich eine witzige Pflanze finde, nehme ich sie in die Zucht. Dieses Jahr hab ich ca. 20 verschiedene Sorten, die wir mit einem Kleindrescher 3 gedroschen haben. Anschliessend ist Nina zu Heidi ge- 1 Bandkeramikerzeit. Die Bandkeramiker sind benannt nach ihrer Technik, Tongefässe ohne rotierende Töpferscheibe herzustellen, indem Tonstreifen spiralförmig aufgebaut und die Stösse anschliessend verstrichen werden. Die Bandkeramikerzeit beginnt in Mitteleuropa um 5500 v. Chr., als dort die Menschen sesshaft wurden und mit Ackerbau und Viehzucht begannen. Man lebte in so genannten Langhäusern, den Vorläufern der Fachwerkhäuser, deren Dächer mit Reed oder Stroh gedeckt waren und die Wände mit Lehm beworfenem Flechtwerk ausgefacht waren. An Tieren hielten die Bandkeramiker den Hund, der schon im Mesolithikum domestiziert wurde, Rind, Schwein, Schaf und Ziege. Die Tiere hielten durch Verbiss die Umgebung der Siedlungen busch- und baumfrei, dass Ackerbau betrieben werden konnte. An Kulturpflanzen kannte man Einkorn, Emmer, Lein, Linse, Erbse und Hanf, später auch Blau- bzw. Schlafmohn, der aus dem heutigen Griechenland stammt. Die Bandkeramikerzeit wurde von der Bronzezeit abgelöst (ab ca. 2500–2000 v. Chr.). 2 Zwischenfrucht. Ackerfrucht, die nicht zu Erntezwecken angebaut wird. Zwischenfrüchte können z.B. Leguminosen (Erbsen, Bohnen, Klee, Luzernen- und Lupinenarten) sein, um der Folgefrucht Nährstoffe zur Verfügung zu stellen. Zwischenfrüchte werden auch eingesetzt, um den Boden zu regenerieren (Aushungern von Schädlingen oder Krankheiten), um in Wasserschutzgebieten Stickstoff zu binden, damit er über Winter nicht ins Grundwasser gelangt, oder einfach um den Boden lebend zu verbauen. Eine Zwischenfrucht wird, nachdem sie ihre Aufgabe erledigt hat, meist umgebrochen und dann die entsprechende Hauptfrucht eingesät. Um die Zwischenfrucht zu töten, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die von den Umständen, Pflanzenarten und Zeitpunkten abhängen. In der konventionellen Landwirtschaft werden Zwischenfrüchte untergepflügt (Umbruch) oder mit Herbiziden weggespritzt und anschliessend die Hauptfrucht gesät. Im ökologischen Landbau wird auch häufig untergepflügt, aber auch geschält (mit dem Stoppelhobel) oder einfach umgewalzt, wenn dies die Zwischenfrucht zulässt (z.B. Roggen im Mai). Frostempfindliche Zwischenfrüchte wie Senf frieren im Winter auf natürliche Weise ab. Wieder andere können direkt eingesät werden und die Hauptfrucht überwächst dann die Zwischenfrucht. Wichtig ist, dass die folgende Hauptfrucht nicht durch so genannten Durchwuchs (siehe auch Fussnote 56 «Durch - wuchs» auf Seite 155) beeinträchtigt wird. 19
64 Rispenhirsenbestand 66 Schwarzer
UW: Mit dem Hügeln hab ich jetzt e
kann entsprechend besser mit Landwi
96
93 o. «Präparateturm» mit Rührk
Holperwege. Es dauert über eine St
die organischen Prozesse durch die
nen Augen gesehen. Die Erde wird wa
DA: Sagen wir es mal so: Es ist die
fluss auf die Erstgeborenen zu nehm
nicht ernst. Das wirkt auf die Mass
Ich bin auf Widerstände von zum Be
115
117
119
121
121 Raffael, der Poitou-Esel 122 o.
126 o. Umweiden 126 u. Trieb durchs
MITTLER- WEILE IST ES DUNKEL geword
deklariertes Ziel hat: Zusammen mit
Noch schlimmer ist es, zu uns in di
DA: Es scheint so, als hätten die
Werkzeug dazu. Der Boden arbeitet a
leiben? UW: Landwirtschaft hat viel
neuen Mähdrescher kaufen musste. G
darüber gefreut. Dann hat er ein E
licherweise eine mangelhafte Qualit
Leuten gesprochen und den jungen Ha
verarscht werde und nehme das Billi
eine Bluna 48 oder ein Sinalco für
völlig akzeptabel. Gar keine Frage
UW: Es stirbt ja auch kein halber M
DA: Das war früher auch ein kleine
Beispiel, wie viel Stroh ein Weizen
haben sie abgesackt, lose verkauft
UW: Mit der Gerste ist es immer sch
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171
172 Leinbestand 174 Schwarzer Emmer
KLEINE WARENKUNDE DIRK APPEL 185
GERSTE derseits aber sehr zuverläs
Grab-Beigaben aus grauer Vorzeit er
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REZEPTE ERICA BÄNZIGER 201
SCHWARZER HAFER - LAUCH MEDAILLONS
WALDSTAUDENKORN PLÄTZCHEN MIT MEER
WALDSTAUDENKORN AUBERGINEN-FRIKADEL
SOMMERLICHER SALAT AUS SCHWARZER GE
SCHWARZE GERSTEN SUPPE MIT BASILIKU
HOFDATEN Experimenteller Landbau im
GESPRÄCHSPARTNER Die Gespräche ha
Seit 2002 Werkstatt in Messkirch-Sc
HERAUSGEBER NaturKraftWerke®, Anto
Laden...
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