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NEUES ESSEN No. 1

  • Text
  • Naturkost
  • Bio
  • Mischfruchtanbau
  • Lebensmittel
  • Demeter
  • Landwirtschaft
  • Gerste
In diesem Buch geht es um Wesentliches: Eine ursprüngliche, erfinderische, hochgesunde, ertragreiche und zukunftweisende Anbauweise von Agrarprodukten, die weit über Bio- und Demeter-Standards hinausgeht und zudem spannend ist wie ein Abenteuerroman, der gleichzeitig in der tiefen Vergangenheit, der prickelnden Gegenwart und dem Unbekannten künftiger Zeiten spielt. ISBN: 978-3-033-02144-0 EAN: 7640110517802 Verlag: NaturKraftWerke® Edition

Was ist das für ein

Was ist das für ein Gerät? Oder ist es ein Kunstobjekt? UW: Das ist der Hügelpflug 13 . Ehrlich gesagt, wissen wir aber nicht bestimmt, wie das Ding wirklich heisst. Es gibt keinen offiziellen Namen dafür. Eigentlich ist es ein Keltischer respektive Römischer Pflug 14 . Vom Römischen Pflug weiss man mehr als vom Keltischen. Das ist ein Gerät, wie es in Spanien noch bis vor kurzer Zeit eingesetzt wurde. Der Römische Pflug wird heute noch von ganz wenigen Landwirten eingesetzt. Ein mittlerweile in Deutschland lebender Spanier – Julian – hat eine sehr interessante Erfahrung gemacht mit seinem Vater. Dieser war einer der ersten wirklich intensiven Landwirte nach dem Krieg. In dieser Zeit wurden die Böden mit aller Macht heruntergewirtschaftet. Ihm ist das aufgefallen und er hat sich dann umgehend mit der traditionellen spanischen Landwirtschaft beschäftigt. Aufgrund der Fehler seines Vaters ist er auf dieses Gerät gekommen und arbeitet seit ca. zehn 13 Hügelpflug. Der Hügel- oder Häufelpflug ist in verschiedenen Ausführungen im Kartoffelanbau, in der Spargelkultur usw. durchaus gebräuchlich. Im übrigen Ackerbau eher selten, hat er aber trotzdem eine gewisse Kultur. Im Prinzip wird der Boden nur flach geschält und zu Dämmen zusammengezogen. Die Täler werden mit einem einfachen Hakenpflug (ähnlich dem antiken Römischen oder Keltischen Pflug) gelockert, ohne zu wenden. 14 Keltischer Pflug, Römischer Pflug. Der Keltische bzw. Römische Pflug wurde ab etwa 500 v. Chr. verwendet und ist die Fortentwicklung des einfachen Hakenpflugs (ab ca. 3000 v. Chr.). Er ritzt den Boden lediglich und bestand zunächst aus einer entsprechenden Astgabel, später bronze- und schliesslich eisen- bzw. stahlbewehrt. Asymmetrische Wendepflüge mit Streichblech, die den Boden umdrehen, kamen erst ab etwa 350 n. Chr. auf. All diese Pflüge beziehungsweise deren Einsatzergebnisse sind mit denen heutiger Pflüge überhaupt nicht vergleichbar, da wegen der bis ins 20. Jahrhundert eingeschränkten Zugkraft nur sehr flach gearbeitet werden konnte. Pflugtiefen bis 50 cm (heutige «Tiefenlockerungen» gehen teilweise noch weiter in den Boden) waren nicht zu realisieren, entsprechend traten auch keine dramatischen Schäden an der Krume auf. Die heutige Pflügerei ist wie ein Teufelskreis, indem immer schwerere Maschinen immer tiefere Verdichtungen bewirken, die immer noch tieferes Pflügen «erforderlich» machen. 15 «Hügeln» als Methode. Die angesprochene Hügelkultur arbeitet auf 60 cm Breite und etwa 20–25 cm Höhe. Im Tal erfolgt eine relativ tiefe Lockerung durch eine Hakenschare. Die Dämme bzw. Hügel werden mit streichblechartig angeordneten Drähten aufgeschoben. Es kann gleichzeitig ins Tal oder auf den Hügel oder in beides gesät werden, wobei im Tal vermehrte Feuchtigkeit und Beschattung, auf dem Hügel vermehrte Belichtung erreicht wird. Dadurch ergeben sich viele Gestaltungsmöglichkeiten in der Kulturführung. Da verhältnismässig wenig Erdreich bewegt wird, reichen leichte Schlepper für die Bodenbearbeitung aus: es wird Kraftstoff gespart, es kann zügig gefahren werden (hohe Flächenleistung) und die Bodenverdichtung hält sich in Grenzen. Nacharbeiten wie Beikrautregulierung, Nachsaat oder Zwischenfruchtumbruch erfolgen mit dem gleichen Basiswerkzeug und in der gleichen Spur. Wie bei allen Minimalbodenbearbeitungssystemen müssen die Werkzeuge präzise arbeiten und gut ausgerichtet sein und an den Fahrer sind besonders in hügeligen Regionen besondere Anforderungen gestellt. 16 Sägrubber. Direktsämaschine, die lediglich flach schneidet bzw. schält und gleichzeitig sät, ohne den Boden zu wenden. Sägrubber sind häufig bei nichtwendenden Bodenbearbeitungsmassnahmen im Einsatz, auch beispielsweise im konventionellen Intensivmaisanbau oder in Anbausystemen, bei denen nicht jedes Jahr gepflügt wird. 38

Jahren daran und damit. Er ist Deutschland-Fan und mag hier Land und Mentalität. Also ist er mit der Familie nach Deutschland gekommen und tüftelt an einem sehr ähnlichen Gedankengut herum wie ich. Ich muss ihm zugestehen, dass er mit seiner Bodenbearbeitung viel weiter ist als ich, nicht zuletzt durch sein spezielles Wissen, das er aus Spanien mitgebracht hat. Ohne die Erfahrungen der Spanier wäre er aber noch lange nicht so weit. Ich habe 2002 das erste Mal auf Hügel 15 angesät mit dem Sägrubber 16 . Es ist dann aber sehr schwierig, die Kulturen zu pflegen. Nur die Spanier konnten auf Hügeln anbauen, doch jetzt geht es bei uns mehr oder weniger auch mit dieser speziellen Technik. Wir wollen diese Anbaumethode hier etablieren: Im flachen Land, in steinfreier Erde oder im Sandboden klappt es schon ganz gut, zum Beispiel mit Möhren und Gemüse. Wir wollen es bei unseren Bodenverhältnissen auch mit Getreide versuchen; das müsste eigentlich klappen. Du setzt immer etwas auf den Hügel und etwas anderes ins Tal? UW: Genau. Man kann entweder nur auf den Hügel oder nur ins Tal säen. Es ist immer die Frage, wie man das pflegt. Das war hier das grosse Problem: Du konntest nicht striegeln und vernünftig säen. Ich muss sagen, wir sind hier ziemlich schnell unterwegs, weil Julian das schon so lange macht und eben die Erfahrung aus Spanien hat. Wir haben jetzt innerhalb von vier Wochen mit ihm als Coach wahnsinnig viel gelernt. Wir haben nächtelang geschweisst, probiert, wieder umgeschmissen usw. Es ist ganz wichtig, mit dem Boden zu arbeiten. Der Boden ist lebendig; darauf baut sich meine Idee auf. Nur aufgrund seiner Lebendigkeit bringt er die Pflanze zum Leben und deswegen wächst etwas und nicht, weil wir düngen oder pflügen. In der modernen konventionellen Landwirtschaft wird alles mechanisch gemacht. Dem Boden wird kein Handlungsspielraum mehr gelassen. Er wird aufgebrochen, umgepflügt oder rumgegrubbert oder was es alles gibt. DA: Man geht gedanklich rein technisch an die Sache ran. Wenn irgendein Unkraut wächst, dann spritzt man es weg. UW: Es geht aber vorher schon mit dem Boden los: Die machen den mit den ganzen Maschinen auf. So wird der Boden verfestigt usw. Dies ist in der Natur nicht normal; es 39

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