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NEUES ESSEN No. 1

  • Text
  • Naturkost
  • Bio
  • Mischfruchtanbau
  • Lebensmittel
  • Demeter
  • Landwirtschaft
  • Gerste
In diesem Buch geht es um Wesentliches: Eine ursprüngliche, erfinderische, hochgesunde, ertragreiche und zukunftweisende Anbauweise von Agrarprodukten, die weit über Bio- und Demeter-Standards hinausgeht und zudem spannend ist wie ein Abenteuerroman, der gleichzeitig in der tiefen Vergangenheit, der prickelnden Gegenwart und dem Unbekannten künftiger Zeiten spielt. ISBN: 978-3-033-02144-0 EAN: 7640110517802 Verlag: NaturKraftWerke® Edition

System und inwiefern ist

System und inwiefern ist es wirklich andersartig? DA: Ich denke, wir profitieren von einem Gesundheitstrend: Da werden viele Vorstellungen verbreitet und verfolgt. Auch die Gesundheit ist eine Sache, die vom Boden aus kommt, und wenn ich dem Boden seine Freiräume lasse und ihn vor allem nicht drangsaliere und einenge, dann wird er auch mit Drucksituationen fertig. Es ist ein Fehler zu meinen, ihm alles abnehmen zu müssen. Wenn zum Beispiel ein Pilzdruck 17 kommt, wird er gleich mit Mittelchen davon befreit. Hierdurch verliert er seine Fertigkeit. In der konventionellen Landwirtschaft gibt es auch ganz merkwürdige Erscheinungen, z.B. die Kleemüdigkeit 18 , von der kein Mensch weiss, was da los ist. Fusariendruck 19 und Ähnliches. Man sagt dann, das Getreide sei krank … Es kommt keiner drauf, dass es dem Boden schlecht gehen könnte als Ursache. Ich finde es spannend, dass man bei Infektionen bzw. bei möglichen Infektionen den Boden sehr intensiv beobachten und Hinweise lesen kann, was da wirklich vor sich geht. 17 Pilzdruck. Siehe Fussnote 19: «Fusarien / Fusariendruck» und Fussnote 53, Seite 153: «Steinbrand, Brandbefall» 18 Kleemüdigkeit / -krebs. Kleemüdigkeit von Böden gilt als Folge von Kleekrebs (Sclerotinia trifoliorum), einer Pilzerkrankung, die fast alle Hülsenfrüchte (Leguminosen) bekommen können, aber hauptsächlich bei zu enger Fruchtfolge bei Rotkleebeständen auftaucht. Rotklee wird in viehbetonten, vor allem konventionellen Betrieben als «schneller Stickstofflieferant» genutzt. Luzernenbestände mit 5-jähriger Fruchtfolge sind beispielsweise wesentlich weniger gefährdet. Auch andere Kleearten sind nicht so anfällig, bringen aber auch nicht so viel Stickstoff in die Tiere. Man kann Kleemüdigkeit als Bodenkrankheit auffassen. 19 Fusarien / Fusariendruck. Fusarien ist ein Sammelbegriff für völlig verschiedenartige Schimmelpilze, die in der Landwirtschaft insbesondere Pflanzenbestände sehr beeinträchtigen können. Neben Wurzel- und Stängelfäule stellen Giftstoffe ein grosses Problem dar, welche die Ernte ungeniessbar oder sogar gesundheitsschädlich für Mensch und Tier machen können. Oft treten die Fusarien schon als Auflaufkrankheit in Erscheinung. Konventionelles Saatgut ist häufig schon mit mehr oder weniger giftigen Chemikalien gebeizt. Im ökologischen Landbau verwendet man pflanzliche Extrakte oder Tees. Fusarien können als Bodenkrankheit aufgefasst werden, wenn beispielsweise kein ausreichender Fruchtwechsel stattfindet. Andere Fusarien keimen erst in der Blüte und werden vom Wind übertragen. Ob Fusarien keimen, hängt von vielen Faktoren ab, unter anderen von der Umgebungsfeuchte und der Temperatur, aber auch von der Resistenz oder Toleranz der Wirtspflanze. Von Fusariendruck spricht man, wenn viele Sporen vorhanden sind und die Witterung entsprechende Keimbedingungen schafft. Oft sind Fusarien auf Wirtspflanzen oder Wirtspflanzengruppen spezialisiert, können aber auch unterschiedliche Pflanzengruppen angreifen. In den 1980er Jahren setzten die USA Fusarium oxysporum als «Agent Green» in Südamerika gegen Koka- und Marihuanaplantagen ein. Die dortigen Regierungen verboten bald den Einsatz, da ganze Ökosysteme beeinträchtigt wurden. In der ehemaligen Sowjetunion wurden Fusarien auch als biologische Kampfstoffe erprobt. 20 Leindotter. Leindotter (Camelina sativa) ist eine sehr alte Nutzpflanze (Öl) und gehört zu den Brassicaceae (Kohlpflanzen, Kreuzblütler). Vor allem in Leinbeständen wurde er zu einem gefürchteten Unkraut. Heute wird Leindotter im ökologischen Landbau als Gemengepartner neu entdeckt, da er anspruchslos ist, wenig Konkurrenz macht und vor allem auswuchsgefährdete Leguminosen stützt. Später lässt er sich problemlos herausreinigen und ergibt wertvolles Speiseöl oder technisches Öl. 52

UW: Da wird immer gleich eingegriffen. Aber das ist doch ganz normal. Es geht dem Menschen auch so bei einer Krankheit oder wenn er sich nicht wohl fühlt, wenn das Wetter mal nichts taugt oder wenn man sich übernimmt oder schlechtes Essen gekriegt hat. Das ist bei uns wie auf dem Acker. Es ist nicht immer alles schön und gut. Die Pflanze ist ein Lebewesen: Sie ist erkältet, hat Husten oder ihr ist schlecht und da muss sie durch. Im konventionellen Landbau werden solche Gedanken und Beobachtungen nicht geduldet. Es wird immer gleich synthetisch behandelt. Das heisst, die Pflanze kann sich gar nicht gesund halten. Sie muss samt der Krankheit recht und schlecht bis zur Ernte kommen. DA: Oft ist es auch von der Sorte abhängig. Hochleistungssorten müssen in einem Zug durchwachsen, sonst haben sie ein Problem. Bei uns, gerade bei Frühjahrstrockenheit, haben wir schon die Beobachtung gemacht, dass beispielsweise Einkorn, wenn es im April besonders heiss wird, stehen bleibt und gar nichts mehr macht. Er steht dann eine Woche lang, wenn es nicht regnet, zwei Wochen lang, drei Wochen lang und wenn es dann regnet, wächst er weiter. Eine moderne Sommergerste verträgt vielleicht noch gut eine Woche ohne Regen, aber mit zwei Wochen wird es kritisch und bei drei Wochen kannst du sie – wenn überhaupt – nur noch in die Biogasanlage schmeissen. Was ist flächenmässig am prominentesten? UW: Alles ist prominent (lacht). Leider Gottes ist der Dinkel dominant. Wieso leider Gottes? UW: Das ist im Moment ein Modegetreide, und ich mag das einfach nicht. Der Leindotter 20 ist fast überall mit drin. Schon länger oder erst seit Kurzem? UW: Er ist seit Längerem drin. Damit hab ich ursprünglich angefangen. Was hast du früher mit den Samen gemacht? UW: Aufgehoben, ausgesät oder verschenkt. Dann gab es eine Mühle in Bayern, die 53

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