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NK 01_2017

6 EINE FAMILIE MACHT

6 EINE FAMILIE MACHT KARRIERE Karriere oder Familienplanung? Ist das eine Entscheidung, die heute noch getroffen werden muss? Nein! Ist es nicht, meint die Autorin Ines Witka. Sie glaubt nicht daran, dass die Rahmenbedingungen es in Deutschland unmöglich machen, dass beide Eltern eine Karriere verfolgen. Genauso wenig glaubt sie, dass Frauen besser geeignet sind, sich um den Nachwuchs zu kümmern als Männer. Im Gegenteil, ihrer Meinung nach gewinnen alle Mitglieder einer Familie, wenn beide Partner sich von alten Rollen lösen. MM: Ist es für Eltern heute nicht schon selbstverständlich, dass beide Partner arbeiten? Ines Witka: Sie haben Recht. Aber meistens bleibt die Frau erst einmal zu Hause und arbeitet dann in Teilzeit. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen, nicht zuletzt unser Steuersystem. Die Folge ist aber, dass nach ein paar Jahren in der Karriere der Frau, wenn sie überhaupt den Einstieg wieder schafft, eine Lücke entstanden ist, die sie nicht mehr aufholen kann. Sie verdient „dazu“, der Mann ist der Haupternährer der Familie. Das führt zu einem nicht nur finanziellen Ungleichgewicht in der Beziehung. In den leider oft nicht anspruchsvollen Teilzeitstellen bleiben viele Frauen unter ihrem beruflichen Potenzial zurück. Auf der anderen Seite ist es für viele Männer ein großer Druck, für die finanzielle Versorgung der Familie der Hauptverantwortliche zu sein. Für sie kann bei einer anderen Aufteilung der Zuständigkeiten eine ganz neue, erfüllende Rolle in der Familie entste­ MoneyMaker: Frau Witka, Ihre Kinder sind erwachsen. Warum haben Sie ein Buch über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geschrieben? Ines Witka: Gerade das Erwachsenwerden meiner Kinder war die Motivation für dieses Buch. Weil ich bei ihnen das ganze Dilemma der gut ausgebildeten jungen Menschen vor Augen ha be. Meine Tochter, die optimistisch von einer gleichgestellten Partnerschaft ausgeht, und mein Sohn, der nicht so genau weiß, ob er das gut finden soll: Beide haben dieselbe Ausbildung, sie stehen auf demselben Spielfeld am Start. Ich selbst habe das erwartete Rollenmodell meiner Generation gelebt. Obwohl ich studiert habe, bin ich jahrelang zuhause geblieben und erst später in Teilzeit wieder eingestiegen. Hätte ich gewusst, was dies auf lange Sicht bedeutet, hätte ich mich anders entschieden. Ich möchte den 20- bis 30-Jährigen Alternativen zum Althergebrachten aufzeigen. Die vielen Paare, die ich interviewt habe, zeigen, wie es funktionieren kann, dass beide Partner gleichberechtigt ihren Beruf ausüben und trotzdem eine liebevolle Beziehung und ein gutes Familienleben haben. hen. Viele Männer genießen es sehr, ein aktiver Vater zu sein. Sie ziehen einen großen Selbstwert daraus, eine starke Bindung zu ihren Kindern aufgebaut zu haben. MM: Liegt es an den Rahmenbedingungen, dass wenige Paare die alten Rollen komplett über Bord werfen? Ines Witka: Die Rahmenbedingungen könnten natürlich immer noch besser sein. Aber Unternehmen werden zunehmend familienfreundlich und es gibt mehr Betreuungsmöglichkeiten für Kinder. Das Elterngeld war ein eindeutiges Signal und hilft ganz konkret, dass Männer eine neue Vaterrolle einnehmen. Die Bedingungen sind also so gut wie nie zuvor in Deutschland. Trotzdem ist der Weg nicht einfach. Auch dem Arbeitgeber muss man ein klares „Ja“ signalisieren, wenn es um den Erhalt des Arbeitsplatzes geht. Kurzfristig ge­ 01.2017

7 dacht kann es sein, dass es sich erst einmal nicht lohnt, dass beide Partner weiter arbeiten. Langfristig zahlt es sich jedoch in vielerlei Hinsicht aus am Ball zu bleiben. MM: Glauben Sie, dass die nächste Eltern-Generation einiges ändern wird? Ines Witka: Sie muss es! Heutzutage sind über 50 Prozent der Studienabgänger weiblich, dazu kommen die Frauen mit Meisterbriefen. Die Ausbildungssituation ist hervorragend. Es wäre doch eine Verschwendung, dieses Potenzial nicht zu nutzen. Diese jungen Frauen waren in ihrem bisherigen Leben noch nicht mit Nachteilen auf Grund ihres Geschlechts konfrontiert. Sie mussten nicht mehr um eine Gleichstellung kämpfen. In der Praxis schaffen es bisher aber immer noch die wenigsten, nach der Geburt der Kinder weiter eine gleichberechtigte Partnerschaft zu leben. MM: Was heißt gleichberechtigte Partnerschaft? Dass der Mann auch Windeln wechselt? Ines Witka: Unter anderem auch. Aber in erster Linie heißt es, dass kein Partner vom anderen etwas erwartet, was er selbst nicht tun würde. Zum Beispiel den Beruf aufgeben, der ein Teil der eigene Identität ist, und in die wirtschaftliche Abhängigkeit zu gehen. Die von mir interviewten Paare, die eine solche gleichgestellte Part nerschaft leben, sprachen von Liebe und Respekt als wichtigste Basis für ihren Erfolg. Für den organisatorischen Teil von Familie und Beruf hatte jedes Paar einen individuellen Weg gefunden. Jeder steckte für den anderen, wenn nötig, auch einmal beruflich zurück. Die Aufgaben rund ums Zuhause und die Kinder waren gerecht verteilt. So entstand bei diesen Paaren eine Balance, die beiden ermöglicht ihre Ziele zu verfolgen. Der Grundsatz, sich zu lieben, zu respektieren und gegenseitig zu unterstützen, war bei allen Paaren Kern der Beziehung. Ich glaube auch, dass ohne diese Liebe und Toleranz das Familienleben zum „Projekt“ im negativen Sinne werden kann. MM: Was raten Sie jungen Paaren vor der Familiengründung? Ines Witka: Wenn aus Paaren Eltern werden, kommen Themen auf den Tisch, die bisher in der Beziehung keine Rolle gespielt haben. Was bedeutet Vater- oder Mutterschaft? Ist es eine biologische Fähigkeit der Frau, die Bedürfnisse eines Kindes besser zu erkennen, oder doch eher eine, die erlernt wird? Ich rate Paaren vor einer Schwan gerschaft ganz konkret zu besprechen, wie ihr Leben mit Kindern aussehen soll. Wenn nötig sogar verbindliche Absprachen festhalten, vor allem bezogen auf die Ressource Zeit. Das hört sich jetzt nicht sehr romantisch an, aber sie sollten ihre Situation komplett durchspielen und auch in den Konflikt gehen. Nur so kommen unterschiedliche Erwartungen zutage, die dann vorher ausdiskutiert werden können. Wenn beide Partner sich auf eine gleichgestellte Beziehung einlassen und das Familienleben als eine Bereicherung im Leben auffassen, für die sie gemeinschaftlich zuständig sind, dann passen Kinder und Kar riere bestens zusammen. Beruf, Kinder und die Liebe vereinen – im Direktvertrieb woman

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Network-Karriere / Ausgabe 10/14 - "10 Jahre"

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