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NK 03_2019

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20 BRANCHE GIBT ES HEUTE

20 BRANCHE GIBT ES HEUTE WIEDER PLASTIK ZU ESSEN? Plastik hat fatale Folgen für die Umwelt. Tiere, wie z. B. Schildkröten, Delfine und Vögel, verfangen sich im Plastik und verenden qualvoll oder verwechseln es mit Nahrung und sterben durch den Verzehr. Schätzungsweise sterben jährlich bis zu 1.000.000 Seevögel und 100.000 Meeressäuger durch den Konsum unserer weggeworfenen Kunststoffe. Wer aber glaubt, es würde nur die Tiere treffen, denkt deutlich zu kurz. Plastik hat fatale Auswirkungen auch für uns Menschen. Kunststoffe werden meist aus Rohbenzin (Naphtha) gewon­ AdobeStock/© fmarsicano nen, teils auch Kohle oder Erdgas. Weichmacher, Stabilisatoren, Farbmittel, Füllstoffe, Verstärkungsmittel, Flammschutzmittel oder Antistatikmittel werden dann noch ergänzt. Etwa fünf Prozent des aus den Raffinerien kommenden Erdöls wird in der Kunststoffindustrie verbraucht. Plastik verschwindet daher nicht, es baut sich auch nicht ab, sondern es zerfällt in kleine Teile, in Mikroplastik. Es handelt sich um Plastikteilchen, die kleiner als fünf Millimeter sind. Damit wird heute Plastik im Meer zu Fischnahrung und damit unserer Nahrung. In Nordsee-Fischen und Langusten wurde bereits Mikroplastik nachgewiesen, in Gegenden, wo im Vergleich eher wenig Plastik zu finden ist. Mikroplastik ist aber nicht nur in Fischen, sondern auch bereits im Wasser oder in Lebensmitteln wie Honig und Milch zu finden. Ein Treiber ist die oben beschriebene Nutzung von Mikroplastik in der Kosmetik (Zahnpasta, Seifen, Shampoos, Cremes, Peelings). Wissenschaftler warnen, dass die Chemikalien in den Kunststoffen gravierende Gesundheitsschäden verursachen: von Allergien und Fettleibigkeit bis hin zu Unfruchtbarkeit, Krebs und Herzerkrankungen. Damit nicht genug. Mikroplastik saugt Schadstoffe, z. B. Weichmacher, das als krebserregend geltende PCB oder das Insektizid DDT, wie ein Schwamm auf. Wir essen damit nicht nur Plastik, sondern nehmen ergänzend auch vermehrt Schadstoffe auf. Wir vergiften uns selber. Wie viel Plastik ist im Meer und in den Binnengewässern? Im März 2013 ist in Spanien ein zehn Meter langer Pottwal gestrandet. Dies ist schlimm. Aber was er in sich trug, war für uns Menschen von der Tragweite viel schlimmer: Im Magen fanden Forscher 17 kg Plastik-Müll, der den Darm verstopft hat. Zufall? Leider nein. Überall im Meer ist unser Plastik- Müll: am Strand, in Küstennähe, am Kontinentalsockel, an Unterwassergebirgen, sogar am mit 5.500 Metern tiefsten Punkt des Arktischen Ozeans sowie an entlegenen Gebieten wie dem mittelatlantischen Rücken. Der Grund ist die Langlebigkeit von über 100 Jahren und das geringe Gewicht von Plastik, wodurch es von Meeresströmungen weite Strecken transportiert werden kann. Auch der zunehmende Schiffsverkehr ist ein Problem. Durchschnittlich sind ungefähr 13.000 Plastikteilchen pro Quadratkilometer im Meer. Dies ergab eine Studie namens Hermione eines internationalen Forscherteams um Christopher Pham von der Universität der Azoren. Mit im Team war auch das deutsche Alfred-Wegener- Institut. Dabei macht Plastik – konservativ geschätzt – über 50 Prozent des Mülls im Meer aus. Der restliche Müll sind u. a. Fischereigeräte und -netze, Glasflaschen und Metall. Weltweit werden pro Jahr 200 Mio. Tonnen Plastik produziert. Davon landen unterschiedlichen Schätzungen zufolge zwischen sechs und 26 Mio. Tonnen bzw. zwischen drei und 13 Prozent im Meer. Teile des Plastikmülls sammeln sich durch Strömungen in riesigen Plastikinseln, insbesondere im Nordpazifik. Ein von Menschen geschaffener Kontinent. Die Oberfläche dieses Kontinents im Pazifik umfasst nach Angaben der französischen Weltraumagentur CNES rund 3,4 Millionen Quadratkilometer. Dies ist etwa so groß AdobeStock/© Richard Carey um weggeworfen zu werden. Nur ungefähr 20 Minuten nutzen wir durchschnittlich eine Plastiktüte. Unsere Plastik-Nutzung ist damit ein Symbol für unsere Wegwerfkultur. Durchschnittlich werden in Deutschland 71 Plastiktüten pro Person benutzt. In Ost- und Südeuropa ist die Nutzung deutlich höher. Führend in der geringen Nutzung und damit auch besser als Deutschland sind Irland, Luxemburg, Dänemark und Finnland. Verpackungen aus Plastik sind in AdobeStock/© Richard Carey der Nutzung enorm angestiegen. In Deutschland hat sich die Kunststoffwie Mitteleuropa oder halb so groß Abfallmenge von 1994 bis 2011 von wie Australien. Die Plastik-Inseln machen aber laut Untersuchungen nur beinahe verdoppelt, so BUND. 90 2,8 auf ca. 5,5 Mio. Tonnen pro Jahr 15 Prozent des Mülls aus. Weitere Prozent des Plastikmülls wird in 15 Prozent werden an Küsten angespült und die restlichen 70 Prozent Studie. Das ist im EU-Vergleich gut. Deutschland gesammelt, so eine sinken zum Meeresgrund. Davon werden allerdings 57 Prozent energetisch genutzt (Müllverbrennungsanlage) und nur 41 Pro­ Auch deutsche Binnengewässer betroffen zent werkstofflich verarbeitet, d. h. Wer aber glaubt, dass Plastik „nur“ als Rohstoff weiter genutzt. ein Problem der Meere ist, liegt falsch. Das ist im Sinne einer Kreislaufwirtschaft nicht gut. Ein Grund für die Die deutschen Binnengewässer sind heute schon überraschend stark mit schwache Wiederverwertung sind Mikroplastik belastet. Das ist die Erkenntnis einer Untersuchung der tüten, Zahnpastatuben. Der Einsatz auch Mischkunststoffe, wie z. B. Chips- bayerischen Gewässer, die das bayerische Umweltministerium in Auftrag Duschgels, Shampoos und Zahn­ von Mikroplastik in Kosmetika, Seifen, gegeben hat. Besonders stark betroffen ist der Starnberger See. Dort pasta ist durchaus üblich. entdeckten die Forscher beachtliche 831 Partikel pro Quadratmeter. Fragt die mittlerweile 20-jährige Zum Nachdenken Plastik, geschaffen, um Tochter ihren 50-jährigen Vater: „Als ewig zu halten, ich geboren wurde, waren sich doch und genutztler einig, dass wir mit unserer Le­ über 95 Prozent aller Wissenschaftbensweise in eine Sackgasse laufen mit fatalen Konsequenzen für uns Menschen. Und ihr hattet doch noch die Chance etwas zu verändern. Dennoch: Ihr habt einfach so weitergelebt. Warum?“ Vater: „Wir haben ja immer gesagt, dass sich was ändern muss.“ Tochter: „Wie ,gesagt‘?! Warum habt ihr nicht einfach gehandelt? Auf was habt ihr denn gewartet?“ https://nachhaltig-sein.info 03.2019 AdobeStock/© Jens Metschurat

TITELINTERVIEW 21 © Sammy Hart GEHEIMNISSE: „SAG ES KEINEM WEITER!“ Vor einigen Jahren traf sich Network- Kar riere-Herausgeber Bernd Seitz mit dem Gedankenleser und Bestsellerautor („Ich weiß, was du denkst“) Thorsten Havener. In einem Interview erfuhr er, dass man wirklich ohne Hellseherei oder übersinnliche Fähigkeiten die Gedanken seiner Mitmenschen lesen kann. Thorsten Havener hat dem Verleger gezeigt, wie allein durch das Beobachten des Gegenübers, Gestik, Mimik und Körpersprache Gedanken ohne gesprochene Worte sichtbar werden können. Jetzt haben sich die beiden wieder getroffen und sprachen über Geheimnisse. Nur wenig ist reizvoller als die Aussicht, Mitwisser eines Geheimnisses zu werden. Ob Bankgeheimnis, ärztliche Schweigepflicht oder eine verdächtige SMS – wir sind umgeben von Geheimnissen. Aber was ist das überhaupt, ein Geheimnis? Wie kann man es bewahren, und warum gelingt uns das häufig nicht? Network-Karriere: Ihr neues, mittlerweile fünftes Buch beschäftigt sich mit „Geheimnissen“. Wie kamen Sie auf das Thema? Thorsten Havener: Es ist ein Thema, das jeden Menschen betrifft. Für mich sind Geheimnisse etwas, das diese Welt bereichert. Alleine die Tatsache, dass ich entscheiden kann, Wissen für mich zu behalten, oder mit wem ich es zu welchem Zeitpunkt teile, macht mich zu einem wirklich freien Menschen. Mich haben meine Geheimnisse meist beflügelt, sie gaben mir Kraft, haben es mir ermöglicht, Probleme zu überwinden und zu verarbeiten. Ich finde, es war an der Zeit, das Image des Geheimnisvollen ein wenig aufzubessern und zu zeigen, was Geheimnisse mit uns machen und wie wir sie nutzen können – privat und auch im Business. NK: Welche Rolle spielt das Geheimnis denn in der Wirtschaft? Thorsten Havener: Da gibt es zwei sehr wichtige Funktionen. Eine gute Führungskraft muss genau entscheiden, welche Informationen sie zurückhält und welche nicht. Und nicht nur Führungskräfte müssen verschwiegen sein, ganze Berufszweige wie Ärzte, Anwälte und Psychologen unterliegen der Schweigepflicht. Geheimnisse ziehen sich also durch die ganze Wirtschaftswelt. Das begann schon ganz früh in den Gilden, in denen berufliches Geheimwissen nur an (sehr) genau ausgesuchte Mitglieder weitergegeben wurde. So wurden der Berufsstand und das zugehörige Wissen geschützt. Diese Tradition hält sich bis heute. Wir verraten unsere Betriebsgeheimnisse nicht. Das ist eine der wichtigsten Funktionen von Geheimnissen: Sie bieten Schutz. So hat Coca-Cola zum Beispiel sein Rezept nie als Patent angemeldet, weil das Unternehmen es hierfür hätte veröffentlichen müssen. Coca-Cola sieht mehr Schutz im Geheimrezept als im Patent. Der Schutz ist allerdings nur eine wichtige Funktion von Geheimnissen in der Wirtschaft. Eine andere Eigenschaft, die wir in der Wirtschaft nutzen können, besteht darin, dass Geheimnisse Faszination und Neugier auslösen. Ist etwas geheimnisvoll, beflügelt es unsere Fantasie und wir beschäftigen uns automatisch noch stärker mit dem Produkt. In einem Blog bot Apple 100.000 Dollar für Informationen zum noch nicht auf den Markt gebrachten iPad. Es kam keine einzige erstzunehmende Rückmeldung. Das überraschte bei Apple keinen, denn der Konzern soll eine eigene „Geheimnis-Abteilung“ gehabt haben. Sie hatte dafür zu sorgen, dass außer gezielten Gerüchten nichts durchsickerte. Verdächtigte wurden sofort überprüft und anderen Gerüchten wurde nachgegangen. Während also jede echte Information hermetisch abgeriegelt im Konzern blieb, stiegen Faszination und „Fieber“ der Apple-Jünger. Geheimisse bieten also auch in der Wirtschaft Schutz und sorgen gleichzeitig für Neugier und Faszination. NK: Was machen Geheimnisse mit mir? Thorsten Havener: Wenn wir ein Geheimnis haben, werden wir versuchen, es vor anderen zu verbergen. Der Fachausdruck hierfür heißt „aggressive Defensive“. Dieser „aggressiven Defensive“ der Geheimnisträger steht die „aggressive Offensive“ der Enthüller gegenüber. Demnach besitzen Geheimnisse eine dualistische Struktur: Nichteingeweihte unternehmen Enthüllungsversuche und die Geheimnisträger verteidigen ihr Monopol. Es ist entscheidend, auf welcher Seite man steht. Auf Seite des Geheimnisträgers kommt es auf das Geheimnis an. Handelt es sich um ein dunkles Geheimnis, wie beispielsweise beim Diesel-Skandal oder bei den „Panama Papers“? In diesem Fall belastet uns das geheime Wissen. Diese Last sorgt für Stress und beeinträchtigt unsere Leistungsfähigkeit zum Teil sehr stark. Das kann so weit gehen, dass sich irgendwann unser ganzes Denken nur noch um das Geheimnis dreht, das wir verbergen wollen. Das paradoxe: Je mehr wir dann versuchen, nicht an das Geheimnis zu denken, desto stärker beschäftigt es uns, ein Effekt, der in der Psychologie als „ironic rebound effekt“ bezeichnet wird. Neben den belastenden Geheimnissen gibt aber auch die hellen, die stärkenden und faszinierenden Geheimnisse. Und um die geht es in meinem Buch. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: In einer Studie in Colorado wurden Freiwillige in drei Experimenten mit verschiedenen Szenarien konfrontiert. Zum Beispiel sollten sie sich in einem Versuch vorstellen, sie wären Berater des amerikanischen Außenministeriums. Sie erhielten Informationen über vier ausländische Politiker, die sich in ihren Ländern zur Wahl stellten. Teilweise waren diese Informationen als geheim deklariert.

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Network-Karriere / Ausgabe 10/14 - "10 Jahre"

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