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NK 05_2019

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18 TITELINTERVIEW für

18 TITELINTERVIEW für einzelne Nutzer und die Netzwerkeffizienz sollen deutlich steigen. Langzeituntersuchungen über mögliche Gesundheitswirkungen elektromagnetischer Felder des Mobilfunks liegen laut Ihrer Behörde noch nicht vor. Was raten Sie den intensiven Handynutzern? Dr. Paulini: Hier müssen wir trennen: Die offenen Fragen, die wir hinsichtlich der Langzeitfolgen von Mobilfunknutzung haben, betreffen die intensive Nutzung von Handys und sind unabhängig von der Einführung von 5G. Da es die Mobilfunktechnologie noch nicht so lange gibt und bestimmte Hirnkrebsarten 20 bis 30 Jahre brauchen, um sich zu entwickeln, können wir Langzeitfolgen noch nicht endgültig ausschließen. Mit jedem Jahr, in dem die Krebsregister keinen Anstieg an diesen Krebserkrankungen verzeichnen, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass intensive Mobilfunknutzung tatsächlich krebserzeugend sein könnte. Trotzdem sollte man das Handy umsichtig nutzen. Was nun 5G betrifft: In einem ersten Schritt sollen für 5G- Frequenzen genutzt NK: Unabhängig von der kommenden 5G-Mobilfunktechnik, wie sollten wir bereits heute mit unseren Smartphones umgehen? Wohl sehr viele Nutzer schlafen nachts neben ih- rem Handy, das sich zudem in der Ladefunktion befindet. Dr. Paulini: Aufgrund der eben erwähnten Langzeitfolgen, die noch nicht abschließend bewertet werden können, raten wir grundsätzlich wer- den, die auch schon für bestehende tung haben, gleich- VITA Mobilfunkstandards oder vergleichbare Anwendungen genutzt wurden. Im AdobeStock|© Nightman1965 zeitig aber näher an Orten betrieben werden, an denen sich Menschen Dr. Inge Paulini Frau Dr. Inge Paulini ist seit April 2017 Rahmen des DMF und auch danach aufhalten. Dabei handelt es sich Präsidentin des Bundesamtes für Strah- wurde der untersuchte Frequenz- che von 5G: Bei Einhaltung der Grenz- nicht um ein 5G-spezifisches Prob- lenschutz. Seit 2009 war sie als Generalsekretärin des Wissenschaftli- bereich zudem bewusst breit ge- werte sind uns keine negativen ge- lem – auch heute schon kommen chen Beirates der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen fasst und ging in einigen Studien sundheitlichen Auswirkungen be- an Plätzen mit hoher Nutzerdichte (WBGU) in der wissenschaftlichen Politikberatung tätig. Zuvor leitete über die aktuell für den Mobilfunk kannt. Kleinzellen zum Einsatz. Mit der Ein- sie im Umweltbundesamt u. a. die Abteilung für Nachhaltigkeitsstrate- genutzten Bereiche hinaus. Das Ziel: In ein paar Jahren sollen aber auch führung von 5G wird dies aber wei- gien und das Fachgebiet für Grundsatzfragen. Die Ergebnisse zu den grundsätzli- höhere Frequenzen zum Einsatz ter zunehmen. Nach dem Studium der Ökotrophologie an der Rheinischen Friedrich- chen biologischen Wirkungen und kommen, für die bislang weniger Gleichzeitig dringt bei höheren Fre- Wilhelms-Universität in Bonn und dem Master of Science in Ernäh- Mechanismen sollten Aussagekraft Untersuchungsergebnisse vorliegen. quenzen die Strahlung nicht so tief rungswissenschaften an der Washington State University in den USA für das gesamte Frequenzspektrum Bei hohen Frequenzen nimmt die in den Körper ein, sie erreicht nur promovierte Frau Paulini 1991 zum Dr. rer. nat. in Biologie an der Uni- der Telekommunikation haben und Reichweite ab und gleichzeitig ge- die oberen Hautschichten. Wir ge- versität Hannover mit einer experimentellen Arbeit im Fraunhofer-Ins- es ermöglichen, auch die Wirkungen hen wir davon aus, dass die Daten- hen davon aus, dass uns auch da titut für Toxikologie und Aerosolforschung (heute: Fraunhofer-Institut zukünftiger technischer Entwicklun- übertragungsmengen steigen wer- die Grenzwerte schützen. Wir wollen für Toxikologie und Experimentelle Medizin). Frau Dr. Paulini ist Mit- gen zu bewerten. den. Das bedeutet, dass man mehr die Wirkungen aber noch besser glied in einer Reihe von Beiräten und Gremien zur nachhaltigen Ent- Das, was ich eben über Mobilfunk Sendeanlagen braucht, darunter auch verstehen und forschen daher in wicklung. gesagt habe, gilt also auch für die sogenannte Kleinzellen. Diese wer- diesem neu zu nutzenden Frequenz- jetzt versteigerten Frequenzberei- den zwar eine geringere Sendeleis- bereich. 05.2019

TITELINTERVIEW 19 AdobeStock/© Aliaksandr Marko pro Ki- zu einem umsichtigen Umgang mit dem Handy. Das Handy sollte nicht über längere Zeit sehr nah am Körper gehalten werden, wenn es sendet, also wenn wir telefonieren. Beim Telefonieren sollte man ein Headset benutzen – oder gleich das Festnetz. Die Handys selbst unterscheiden sich erheblich. Beim Kauf eines neuen Handys sollte daher auf die Spezifische Absorptionsrate, kurz SAR, geachtet werden. Je niedriger die SAR- Werte sind, desto weniger Strahlung wird vom Körper aufgenommen. Handelsübliche Handys weisen eine große Spannbreite auf: von 0,5 bis 2,0 SAR. Und auch die Empfangsqualität ist entscheidend. Bei schlechtem Empfang braucht das Handy mehr Sendeleistung, die vom Kopf oder Körper aufgenommene Energie ist dann entsprechend höher. NK: Sehr viele, hauptsächlich junge Leute, tragen ihr Smartphone in der Hosentasche. Welche Auswirkungen kann dies auf den Körper haben? Dr. Paulini: Ist das Handy nicht aktiv – das heißt nur im Standby-Modus – dann geht vom Handy auch keine Strahlung aus – es sei denn, Sie verwenden viele Apps, die im Hintergrund arbeiten. Das kann man aber auch ausstellen. Wenn Sie allerdings dauerhaft telefonieren, würde ich aus den oben angeführten Gründen dafür plädieren, einen anderen Aufbewahrungsort für das Handy zu finden. Hier hilft jeder Millimeter Abstand vom Körper. NK: Durch die Flatrate-Abrechnung spielt es keine Rolle, wie lange unsere Handy-Telefonate dauern. Sehen Sie außer „roten Ohren“ gesundheitliche Risiken für Langzeit- und Viel-Telefonierer? Wie geht es auch anders? Dr. Paulini: Aus unserer Sicht gibt es durchaus offene Fragen hinsichtlich intensiver und langjähriger Mobilfunknutzung. Sie dürfen nicht vergessen, dass wir in der Regel deutlich höhe- AdobeStock/© goodluz rer Strahlung durch das eigene Handy ausgesetzt sind als durch die nächste Sendeantenne. Aber hier helfen eben schon einfache Verhaltensmaßnahmen wie zum Beispiel ein Headset benutzen oder eben einfach auf das Festnetztelefon zurückgreifen. NK: Das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt, beim Handykauf auf die SAR-Werte zu achten. Was sind SAR-Werte und wie stellt man fest, welches Fabrikat und Modell, im Rahmen der BfS-Empfehlungen liegen? Dr. Paulini: SAR steht für „Spezifische Absorptionsrate“ und ist ein Maß für die vom Körpergewebe aufgenommene Hochfre- quenzenergie bei der Nutzung von Mobiltelefonen. Sie wird in Watt pro Kilogramm angegeben. Um gesundheitliche Wirkungen hochfrequenter Felder auszuschließen, soll dieser Wert nicht mehr als zwei Watt pro Kilogramm betragen. Gängige Geräte erzeugen beim Telefonieren deutlich niedrigere Werte. Diejenigen, die beim Betrieb am Kopf unter 0,5 Watt pro Kilogramm bleiben, erfüllen ein wichtiges Kriterium für das Umweltzeichen „Blauer Engel“, sie gelten als strahlungsarm. Das BfS erhebt seit 2002 in regelmäßigen Abständen die nach standardisierten Verfahren gemessenen Strahlungswerte derjenigen Mobiltelefone, die auf dem deutschen Markt verfügbar sind. Die Werte werden auf der Internetseite des BfS veröffentlicht. Jeder Handynutzer kann so die Daten seines aktuellen Gerätes abfragen und sich bei der Auswahl eines neuen Modells vorab über die Strahlungseigenschaften informieren. NK: Experten weltweit dokumentieren in ihrer Forschung, dass die Menge des Stroms, sprich die SAR-Werte, nicht relevant für die zellzerstörerische Wirkung seien. Es soll laut Studien – z. B. der Universität Wien, Prof. Mosgoeller – die Information auf der elektromagnetischen Welle sein, welche die Probleme ausmachen. Wieso ist behördlich der SAR- Wert immer noch die Maßangabe für schädlich oder unschädlich? Dr. Paulini: Der SAR-Wert gibt wie eben ausgeführt an, wie hoch die vom Körper aufgenommene Energie ist. Nur die Energieaufnahme durch den Körper und die eventuell folgende Erhöhung der Körpertemperatur ist als Wirkung belegt. Grundsätzlich gilt: Je niedriger der Wert, desto strahlungsärmer ist das Gerät. Wie schon erwähnt, soll der Wert insgesamt zwei Watt logramm nicht übersteigen. Dieser Höchstwert wird auch von der Internationalen Kommission zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung (ICNIRP), der deutschen Strahlenschutzkommission (SSK) und der EU-Kommission empfohlen. NK: Der Mobilfunk, mit allem Für und Wider, ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Er hat sich in den letzten 20 Jahren quantensprungartig entwickelt und wird sich in der Zukunft noch weit mehr verbreiten. Wo ist aus Sicht der zunehmenden Strahlenbelastung ein Ende des den Menschen Zumutbaren? Dr. Paulini: Wir sind da ganz klar: Unterhalb der geltenden Grenzwerte sind keine gesundheitlichen Auswirkungen zu befürchten. Und auch bei der Einführung von 5G erwarten wir keine Überschreitung der Grenzwerte. Aber zur Sicherheit setzt sich das BfS für einen umsichtigen Ausbau des 5 G-Netzes ein. Denn grundsätzlich gibt es bei der Frage, wie stark sich die Strahlungsintensität künftig verändern wird, einige gegenläufige Effekte: Einerseits nimmt die Exposition gegenüber elektromagnetischen Feldern von Basisstationen zu, wenn zusätzliche Basisstationen in bestehenden oder in neuen Netzen aufgebaut werden. Auf der anderen Seite können Expositionen durch die Felder von Endgeräten niedriger werden, wenn sich die durchschnittliche Entfernung der Nutzer zu einer Basisstation aufgrund der mit dem Aufbau der 5G-Netze erwarteten Netzverdichtung verringert. Das liegt daran, dass das eigene Handy, dessen Strahlung unmittelbarer auf den Körper wirkt als die nächstgelegene Mobilfunkbasisstation, dann womöglich weniger Sendeleistung benötigt. All das werden wir beobachten und bewerten und uns für eine gleichbleibend hohe Sicherheit einsetzen. AdobeStock/© astrosystem

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Network-Karriere / Ausgabe 10/14 - "10 Jahre"

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