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NK 11_2016

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16 BRANCHE

16 BRANCHE DIREKTVERTRIEB BLICKT OPTIMISTISCH IN DIE ZUKUNFT Die Zahlen in der neuen Studie des Bundesverbandes Direktvertrieb Deutschland stehen durchweg auf Wachstumskurs. Hohe Investitionen und die stärkere Einbindung der modernen Technik sollen die Branche vorantreiben. Der Direktvertrieb blickt, laut Zahlen, positiv in die Zukunft. 75 Prozent der befragten 284 Unternehmen stufen die Zukunftschancen als gut oder sehr gut ein. Doch woran macht sich dieser Optimismus fest? Eins steht fest, der Direktvertrieb hat die Potenziale des In- ternets für sich erkannt und will diese künftig für sich nutzen. Trotz allem setzt die Branche auch weiterhin auf die reale Welt. Die Hälfte sieht den Hauptvertriebsweg immer noch bei den Partys. Das scheint aber künftig weniger Gewicht zu haben. Denn ein Großteil der geplanten Investitionen soll laut Angaben der Befragten in die IT fließen. Die größte Herausforderung wird künftig wohl die Verbindung der „alten“ Vertriebswege – dem Besuch des Beraters zu Hause – und den neuen Vertriebswegen – z. B. eines Online-Shops – sein. Dass ein weiterer großer Teil der Investitionen in das Marketing gesteckt wird, zeigt, dass die Image-Verbesserung im Direktvertrieb aktiv angegangen wird, zählt sie doch laut Umfrage zu den größeren Herausforderungen der Branche. Auch die Gewinnung neuer Vertriebspartner stellt die Branche offensichtlich vor Herausforderungen. Doch das kann sicher auch mit der Verbesserung des Images, zumindest in Teilen, leichter überwunden werden. Auch Apps gewinnen im Direktvertrieb zunehmend an Bedeutung. So sind bei einem Drittel der Befragten bereits Apps im Einsatz. 16 Prozent befinden sich derzeit in der Entwicklung und die restlichen 51 Prozent knien sich voll in die Planung. Apps sind aus der heutigen Smartphone-Generation nicht mehr wegzudenken, daher schließen sich auch Networker diesem Trend an. Zumal Apps viele nützliche Funktionen mit sich bringen können und es den Unternehmen einfacher machen Kunden und Vertriebspartner zu erreichen und zu vernetzen. Customer Relationship Management (CRM) wird ebenfalls immer beliebter. Keine Wunder, ist es doch ein wichtiger Baustein im Vertrieb. 33 Prozent der Investitionen sollen daher auch künftig in die Kundenbindung fließen. Dennoch ist das weit weniger, als in die technische Entwicklung investiert werden soll. Einerseits hat dies sicher mit den höheren Kosten für die technische Ausstattung zu tun. Andererseits erklärt dies auch die Zahl der Neukunden, die künftig gewonnen werden soll – 60 Prozent der Un ternehmen streben eine Neukundenzahl von weniger als 10.000 an. Dafür soll die Zahl der Vertriebspartner dennoch bis 2020 auf rund 964.000 steigen. Als Hauptgrund für ihren Einstieg in den Direktvertrieb nennen die Berater die Begeisterung für das Produkt. Sicher eine Grundvoraussetzung, um die Artikel erfolgreich an den Mann oder die Frau zu bringen. Denn was nützen flexible Arbeitszeiten und gute Aussichten auf einen ordentlichen Umsatz, wenn man das Produkt nicht überzeugend verkaufen kann? Auch wenn die Unternehmen planen 2016 weniger Neukunden zu gewinnen, rechnen sie bis Ende des Jahres mit einem Umsatzplus von ca. neun Prozent. Auch bei den Bestellungen soll es weiter bergauf gehen: Fast 35 Millionen Bestellungen er gaben ein Plus von etwa zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dass der Großteil der Direktvertriebs- Unternehmen (80 Prozent) Investitionen von über 40.000 Euro tätigen will und auch die anderen Faktoren in Zahlen gemessen weiter wachsen, spricht für das Wachstum der Branche und den optimistischen Blick in die Zukunft. Das letzte Wort scheint hier noch nicht gesprochen. Und der Direktvertrieb wird sich als attraktiver Arbeitgeber und Händler in Zukunft etablieren. WENN VIELE AM SELBEN STRANG ZIEHEN Der Networker for Humanity e. V. (NfH) ist ein gemeinnütziger Verein, der sich seit elf Jahren in über 20 nationalen und internationalen humanitären Hilfsprojekten engagiert. Mehr als 700.000 Euro wurden bisher durch Mitgliedsbeiträge, Aktionen und Spenden gesammelt und weltweit ausgegeben, um damit Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Die rund 1.000 Vereinsmitglieder sind zumeist selbstständige Unternehmer, die im Network- Marketing oder Empfehlungsgeschäft tätig sind – Networker eben. Eine Besonderheit des NfH ist es, dass sich in diesem Verein Menschen netzwerkübergreifend engagieren. Sie sind beruflich häufig sogar Konkurrenten, überwinden aber für die humanitäre Hilfe Grenzen, Vorbehalte und Egoismus. Der NfH ist die einzige gemeinnützige Organisation der Branche, in welcher firmenübergreifend zusammengearbeitet wird. Das gemeinsame Ziel schweißt zusammen und macht großartige Hilfeleistungen möglich. In Rastatt trafen sich rund 1.000 Gäste zum 11. NfH- Tag. Die Moderatoren stellten die Hilfsprojekte des Vereins und Carola Gosch, Initiatorin der Partnerorganisation „Roots for Life“, sowie Dr. Michael Hoppe, Gründer der Hambur- ger Stiftung „steps for children“, vor. Beide Referenten gaben den Besuchern Einblicke in ihre Arbeit vor Ort in Nepal bzw. Afrika. Aus erster Hand konnten die Gäste so erfahren, welches Leid die Pro- jekte jeweils lindern und welche Hoffnung und Verbesserung der Lebensqualität sie konkret stiften, eine emotional mitreißende Reise durch die Armut dieser Welt, bei der kaum ein Auge tro- cken blieb. So auch die Augen von Gabi Steiner, als ihr auf der Bühne von Carola Gosch ein geweihter, traditioneller Begrüßungsschal aus Nepal umgebunden wurde. Er steht in Nepal für Glück, Wohlwollen und Mitgefühl. Er war Symbol der Dankbarkeit für die großzügige Unterstützung des NfH für Kinder in Nepal, die nicht nur durch sexuelle Ausbeutung und Armut, sondern auch durch die Folgen des Erdbebens 2015 zu leiden haben. 11.2016

TITELINTERVIEW 17 © Andreas Jakwerth SIE HABEN DAS INTERNET KAPUTT GEMACHT! JA! SIE! So weit musste es wohl kommen, jetzt brauchen wir nicht nur einen Psychiater, mit dem wir über unsere Macken sprechen können, sondern auch eine Digital-Therapeutin, die uns von der Smartphone- und E-Mail-Versklavung erlöst und aus unserem digitalen Hamsterrad holt. Anitra Eggler heißt die Wahl-Wienerin, die uns nicht zu Unrecht in einem Network-Karriere-Titelseiten- Interview die Leviten liest: Schließlich vergeuden wir sinnlos unsere Lebenszeit. Von zehn Arbeitsjahren verbringen wir zwei Jahre mit dem Schreiben und Beantworten von E- Mails und weitere zwei satte Jahre mit dem Handy. Anitra Eggler weiß, worüber sie spricht. Sie ist Journalistin, Bestsellerautorin, war viele Jahre Managerin von Medien- und Werbefirmen in der Internetbranche und zählt zu den 100 besten Vortragsrednern der D-A-CH-Region. Eine bezaubernde junge Frau, die es faustdick hinter den Ohren hat und uns sagt, warum wir dumm, krank, arm, unfrei, impotent, arbeitslos und asozial werden (suchen Sie sich was aus), wenn wir nicht rasch lernen, Digitalika klug zu konfigurieren. Anitra Eggler braucht kein Warmup für ein Interview. Sie legt gleich aus dem Stand los und sagt uns, wie der Hase läuft: Anitra Eggler: E-Mail, Handy, Web, wir sind dauerabgelenkt statt aufmerksam. Wir reagieren statt zu agieren. Wir sind überkommuniziert, aber uninformiert. Jetzt kennen Sie die fiesesten Fakten. Verzeihen Sie die Schwarzmalerei – ein Tribut an die Schocktherapie. Wie und warum ich mich nach fast 15 Manager-Jahren in der Internet-Branche einer Digital-Therapie unterzogen habe und warum es so wichtig ist, immer wieder zu entgiften („Digital Detox“ heißt das Medienmodewort), beantworte ich gerne. Network-Karriere: Sie haben den Begriff „Digital-Therapie“ erfunden. Was ist das? Was bringt das? Anitra Eggler: Eine Digital-Therapie therapiert weit verbreitete Kommunikationskrankheiten. Sie hilft Menschen und Unternehmen, den digitalen Segen auszubeuten, für den die digitale Revolution angetreten ist. Ich habe den Begriff 2010 erfunden, um den Menschen mit einem Augenzwinkern rüberzubringen, dass wir unser Verhalten ändern müssen, wenn wir uns nicht alle in den Wahnsinn treiben möchten. NK: Warum braucht man eine Therapie? Um den digitalen Segen auszubeuten? Anitra Eggler: Weil wir uns derzeit von den Medienmöglichkeiten sagen lassen, wie wir die Technologien nutzen, und nicht von unserem Menschenverstand. Dadurch entstehen Kommunikationskrankheiten wie Handy-Hysterie, E-Mail-Wahnsinn, Sinnlos-Surf-Syndrom oder Facebook-Inkontinenz – die rauben uns Lebenszeit und Erfolg, beruflich und privat. Beispiel: Nur weil es das Handy ermöglicht, rund um die Uhr erreichbar zu sein, muss ich es ja nicht sein, wenn mir mein Menschenverstand sagt, dass ich mich nicht wie ein Notarzt verhalten muss, weil ich gar kein Notarzt bin. Das heißt: Ich sollte auch nicht ans Telefon gehen, um zu sagen, dass ich gerade gar nicht ans Telefon gehen kann, weil ich z. B. in einer Besprechung bin. Das ist albern. Oder: Nur weil es medienmöglich ist, auf Facebook öffentlich Tagebuch zu führen und seinen inneren Gedankenstrom in Form eines Live-Tickers zu veröffentlichen, muss ich das ja nicht tun, wenn mir mein Menschenverstand sagt, dass die Veröffentlichung meiner Privatsphäre meiner Reputation schadet. Aus unternehmerischer Sicht: Nur weil es scheinbar nichts kostet, eine Fan-Page anzulegen (in Wirklichkeit kostet es viel, nämlich Zeit, Ressourcen und im schlechtesten Fall Reputation), muss ich das nicht tun, wenn mir meine strategische Weitsicht sagt, dass ich keine Ressourcen für einen weiteren PR-Kanal habe und die Facebook-Seite nur Zeit kostet, aber nicht messbar mehr Umsatz bringt. NK: 68 Prozent der Handybesitzer leiden an eingebildetem Vibrationsalarm. Jeder Zweite nimmt das Handy mit ins Bett. Warum lassen wir uns so bereitwillig von Maschinen bestimmen? Anitra Eggler: Weil wir die Gebrauchsanleitung nicht lesen. Weil wir zu faul sind, die Geräte zu konfigurieren, und deshalb immer nur die Idiotenfunktionen nutzen. Weil wir ver suchen, schneller als die Maschinen zu sein, und deshalb keine Zeit mehr haben. Warum haben wir keine Zeit mehr? Weil wir sie uns nicht nehmen. Nehmen Sie sich Zeit, Ihre Geräte zu konfigurieren. Schlauen Sie sich auf. Wie das? Durch die erweiterte Google-Suche oder mit YouTube- Tutorials – das verstehe ich unter Sinnvoll-Surfen. NK: Digitale Geräte sind für viele ein Segen – für Sie nicht? Anitra Eggler: Doch. Natürlich. Ich möchte nicht ohne mein Handy oder das Internet leben. Aber es hat ein paar Jahre gedauert, bis ich ein ideales Verhältnis von Distanz und Nähe entwickelt habe. Plus: Ich musste Zeit investieren, um den Segen auszubeuten und den Fluch auszuschalten.

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Network-Karriere / Ausgabe 10/14 - "10 Jahre"

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