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NK 11_2016

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24 TRAINING KINDER =

24 TRAINING KINDER = KEIN GELD, KEINE FREIHEIT, KEINE KARRIERE? Warum die Deutschen keine Kinder bekommen: Aktuell bekommen hierzulande 100 Frauen 147 Kinder. Im EU-Vergleich liegt Deutschland auf Platz 17 und damit deutlich hinter Ländern wie Frankreich, Schweden oder Großbritannien. Noch weniger Kinder bekommen Frauen in den eher katholischen Ländern Italien, Spanien oder auch Polen. Bei den Gründen gegen eigenen Nachwuchs führen die Bundesbürger vor allem die hohe finanzielle Belastung, die Aufgabe der eigenen Freiheit und die schwierige Vereinbarkeit von Beruf und Familie an. Zu diesem Ergebnis kommt eine in Hamburg vorgestellte Untersuchung der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen, für die über 2.000 Personen repräsentativ in persönlichen Interviews befragt wurden. Als Hauptgrund gegen eigene Kinder werden die hohen Kosten angeführt. Laut Berechnungen des Statistischen Bundesamtes liegen diese bei über 600 Euro monatlich oder rund 130.000 Euro bis zum 18. Lebensjahr. Daher verwundert es nicht, dass unabhängig vom Alter, Einkommen, Geschlecht oder Wohnortsgröße fast zwei Drittel der Bevölkerung (63 Prozent) die finanziellen Belastungen als Erklärung für Kinderlosigkeit nennen. Im Fünf- Jahres-Vergleich stieg der Wert damit um rund zehn Prozent an (2011: 58 Prozent). Auf Platz zwei liegt – in etwa gleich auf wie 2011 – die Sorge, an eigener Freiheit einzubüßen (61 Prozent). Waren es in der Vergangenheit jedoch überdurchschnittlich viele Männer, die sich nicht persönlich einschränken wollten, so sind es mittlerweile mehr Frauen, die dieses Argument nennen. Ebenfalls häufiger als Männer führen Frauen den fehlenden richtigen Partner und Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Karriere und Familie an. Im Zeitvergleich zeigt sich hierbei zudem, dass die Bemühungen von Unternehmen, familienfreundlichere Strukturen zu bieten, bisher nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben. So erhöhte sich der Wert für die Gesamtbevölkerung sogar noch einmal um drei Prozentpunkte auf 51 Prozent. Wichtig bleibt zudem der Aspekt der Zukunftssicherheit. Knapp die Hälfte der Bürger (46 Prozent) sorgt sich um die zukünftige gesellschaftliche Entwicklung, sei es in punkto Arbeitsplatzentwicklung, Wirtschaftswachstum, Klimawandel oder Terror – und nennt daher die unsichere Zukunft als einen Grund, sich gegen Kinder zu entscheiden. Seltener als noch 2011 bemängeln die Deutschen die fehlenden staatlichen Voraussetzungen (41 Prozent). Langsam scheinen sich die zahlreichen staatlichen Projekte und Maßnahmen auszuzahlen. Auf über 150 verschiedene familienpolitische Leistungen verweist in diesem Zusammenhang die Bundesregierung, und allein für die direkten Geldleistungen wie Kinder-, Eltern- oder Betreuungsgeld werden jährlich über 60 Milliarden Euro bereitgestellt. Innerhalb der Bevölkerung ist auffällig, dass kinderlose Paare im Alter von 25 bis 49 Jahren weniger Argumente gegen Kinder als Eltern und Singles anführen. Gründe wie der Wunsch nach Freiheit werden beispielsweise deutlich seltener genannt (fünf Prozentpunkte weniger im Vergleich zur Gesamtbevölkerung). Lediglich bei einem Punkt stimmen die kinderlosen Paare überdurch schnittlich häufig zu: Es ist nie der richtige Zeitpunkt für Kinder (Plus elf Prozentpunkte im Vergleich zur Gesamtbevölkerung). Zwischen Arbeit und Freizeit, Reisen, Freunden und Partnerschaft haben viele das Gefühl, den vielfältigen Ansprüchen und Erwartungen nicht gerecht werden zu können bzw. zu wollen. Fazit und Ausblick des Wissenschaftlichen Leiters Professor Dr. Ulrich Reinhardt: „Die oft zitierte German Angst zeigt sich auch beim Thema Nachwuchs. Im Zeitvergleich werden die zunehmenden Sorgen deutlich – erhöhten sich doch in acht von zehn Bereichen die Werte. Um diese Sorgen und Befürchtungen abzubauen, sind sowohl Politik und Wirtschaft als auch die Bürger selbst gefordert. Die Politik muss weiter konsequent die Rahmenbedingungen für Familiengründungen verbessern. Unternehmen sollten die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht nur theoretisch anbieten, sondern auch praktisch leben, zum Beispiel durch mehr Führung in Teilzeit oder weniger Karrierestopps durch Elternzeit. Letztendlich aber muss jeder Bürger für sich selber entscheiden, ob bei allen Ängsten und Sorgen, Einschränkungen und Kompromissen Kinder nicht dennoch zu deutlich mehr Lebensqualität und persönlichem Glück beitragen als Geld, Freiheit oder eine Karriere. Zunehmend mehr Bundesbürger scheinen dies genauso zu sehen: Im letzten Jahr wurden 737.575 Kinder geboren – und damit rund zehn Prozent mehr als noch vor fünf Jahren.“ www.stiftungfuerzukunftsfragen.de

TRAINING 25 SIND WIR DIE OBERMOTZER DER NATION? Schon oft hat man den zynischen Kommentar gehört oder gelesen, soziale Netzwerke seien eigentlich viel mehr asozial als sozial. Und ja, das stimmt. Irgendwie. Mag ja sein, dass wir uns alle, zumindest in den Timelines unserer „Freunde“, halbwegs benehmen und hier immer schön brav liken und „tolles Foto, Süße“ schreiben (obwohl wir es insgeheim vielleicht lächerlich finden), aber wir würden kaum auf die Idee kommen, ständig gegen die Posts und Ansichten unserer Freunde zu stänkern und zu pöbeln. Doch genau das geschieht regelmäßig bei Posts von Facebook-Fanseiten von Unternehmen, Medieninstitutionen (Zeitungen, Zeitschriften, TV-Sender), Promis etc. Kaum werden Neuigkeiten veröffentlicht, trampelt die Masse los. Wie die 80 Millionen heimlichen Bundestrainer, die ihren Lieblings-Fußballverein schon längst zum Triple trainiert hätten und alles besser wissen als Jogi und Co., wettern wir gegen Inhalte, Macher der Inhalte, Herausgeber der Inhalte und mit viel Genuss und Vorlie­ lar des Werkes von Der Ausrufezeichen-en-Masse- Dass ihr das hier auch noch propa­ be auch gegen die vielen Helga Hansen noch Kommentierer giert, ist echt unter aller Sau. Ich bin anderen Kommentatoren, die auf Lager hat. Damit Nett ausgedrückt, geht diese Spezies absolut enttäuscht von euch.“ Kurzer ja mal sowas von keine Ah­ möchte der Quellen-Bes­ sehr verschwenderisch mit Ausrufe­ Exkurs: Meistens haben beliebte Sei­ nung haben. Wir mutieren mehr serwisser vor allem eins zeichen um. „Das finde ich gar nicht!!!“ ten mehrere hundert, tausend oder und mehr zu Internet-Gollums und erreichen: Ehrfurcht gegen­ oder „Viva Colonia!!!!!“ oder „Boris Be- gar hunderttausend „Fans“. Jeder Online-Grinchen. Und das hat nichts über seines unglaublichen Wis­ cker ist kacke!!!“ Die Ausrufezeichen- Mensch mit ein bisschen Verstand mehr mit gepflegtem Meinungs- sens. Taste auf der Tastatur ist sicher schon weiß, dass nicht alles jedem immer Austausch zu tun. Es herrscht Krieg. verstärkt. Ob diese Menschen im gefallen kann. Und wenn mal was Ausgefochten mit klappernder Tas­ hauptsächlich gegen das, was an­ Der „Ich-klicke-jetzt-,Gefällt mir echten Leben auch immer schreien, gepostet wird, was nicht der eige­ tatur und einem WLAN als Träger­ dere bisher kommentiert haben. Das nicht mehr!‘-Beleidigte“ wenn sie was zu sagen haben? nen Meinung entspricht, ignoriert man rakete. sieht dann zum Beispiel so aus: Wurde etwas gepostet, was diesem das einfach oder man gibt vielleicht Wir haben keinerlei Anstand mehr „Liebe Franziska, sorry, aber du hast Typ Facebook-Nutzer gegen den Der Gutmensch einen kritischen Kommentar in der und uns ist es nicht zu blöd, jeden null Ahnung. So einen Schwachsinn, Strich geht, zieht er sofort seine Er versucht zu schlichten, wenn es Sache ab. Fliegenschiss im Netz zu kommen­ den du da geschrieben hast, habe Konsequenzen und disliked die Sei­ Kommentar-Streit gibt. „Kinder, jetzt tieren. Uns Deutschen eilt der Ruf ich ja noch nie gelesen.“ Folge: vir­ te. Natürlich nicht ohne vorher den regt euch doch nicht auf.“ Aber das Der Coole eines Kultur-Volkes voraus, dabei tueller Kleinkrieg unter Leuten, die Post zu kommentieren mit „Also, kommt meistens so anbiedernd da­ Er steht über den Dingen, und bringt sind wir nur noch eins: Obermotzer. sich im echten Leben noch nicht dass ihr hier sowas veröffentlicht, her, dass man auch diesem vermeint­ das auch gern zum Ausdruck. „Dass Ob das ein nationales oder auch ein mal kennen, es aber schaffen, ihren das geht gar nicht. Ich habe die Sei­ lich netten Menschen am liebsten ihr euch alle hier so echauffiert, ver­ internationales Phänomen ist, wer­ Puls gegenseitig auf 180 hochzupu­ te ent-liked. Auf Nimmer-Wieder- zu brüllen möchte: „Halt die Schnau­ stehe ich nicht. Das ist doch echt de ich noch erforschen. shen. Sehen.“ ze, du Depp!“ albern.“ Würde er wirklich drüber Nach meinen bisherigen Feldfor­ stehen, würde er es gar nicht erst schungen konnte ich bisher folgen­ Der Quellen-Besserwisser Der Rechtschreibungs- und Der Anti-Kapitalist kommentieren. de Kommentar-Typen kategorisieren: Er zweifelt an, ob das gepostete Zi­ Grammatik-Besserwisser Er wittert hinter jedem Post Ge­ tat (Inhalt völlig egal) wirklich von Ähnliche Symptomatik wie beim schäftemacherei. Er fühlt sich aus­ Der Einfach-mal-so-Motzer Der Gegen-Andere- Hugo Huller ist und nicht doch von Quellen-Besserwisser, siehe oben. genutzt und veräppelt. Warum er den Er motzt und rotzt die Timeline ein­ Kommentatoren-Pöbler Helga Hansen. Er belegt es mit ei­ Nur auf kleine Fehlerteufel konzen­ entsprechenden Seiten dann folgt, fach mal so voll. „Boah, ist das Er gibt selten Statements oder über­ nem ca. 783-stelligen Link zu einem triert, die Inhalte der Posts sind ihm bleibt ein Rätsel. Aktuelles Beispiel: schlecht.“ legte Kommentare zum eigentlichen Antiquariat aus Bad Berleburg, wo meistens egal. Will die Welt zu ei­ Das Süddeutsche-Magazin hat einen Und ich frage mich: Würden wir auch Inhalt des Postings ab. Er stänkert man das einzig verfügbare Exemp­ nem korrekten Umgang mit der Artikel gepostet, in dem es um die so offenkundig und selbstgefällig Sprache umerziehen. Dass kleine Schwierigkeiten ging seinen Face­ rummotzen, wären wir im echten Le­ Fehler mal hier und da passieren book-Account zu löschen. Kommen­ ben unter echten Menschen? Hier und dass vielleicht der Inhalt vor tar vom Anti-Kapitalist: „Ihr lasst ei­ halten wir uns doch meistens mit dem korrekten Geschreibsel steht, nen ja auch nicht einfach gehen, unserer Meinung äußerst vornehm kann er nicht akzeptieren. Er sieht wenn man euer Abo kündigt und zurück. Warum machen wir das nur Fehler, und die müssen weg. ruft noch mal an!!!!“ dann im Internet? Haben wir ein unterdrücktes Motz-Gen, was sich so Der „Die-Qualität-hat-hier-aber- Der „Ich-erwarte-dass-hier-nur- sein Ventil sucht? Ist es so, weil es so VITA rapide-Nachgelassen-Nörgler“ Dieser kleine Miesepeter postet das-gepostet-wird-was-meiner- Meinung-entspricht-sonst-bin- einfach ist? Wir würden ja schließlich auch nicht auf die Idee kom­ Henriette Frädrich http://henriette-fraedrich.com/ gerne solche Kommentare wie „Ich muss sagen, ich bin schon lange Fan eurer Seite, aber in letzter Zeit ich-wirklich-enttäuscht-Typ“ Postet man einen Artikel oder Text, der nicht seiner Meinung entspricht, men, bei der Zeitung (oder wer auch immer Auslöser für unsere Attacke war) anzurufen und das, was wir bei © Christian Kröhl hat die Qualität der Posts hier deutlich nachgelassen.“ folgt gern solch ein Kommentar: „Ich hätte euch wirklich mehr zugetraut. Facebook posten, direkt beim Redakteur persönlich durchgeben.

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Network-Karriere / Ausgabe 10/14 - "10 Jahre"

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