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Digital Transformation 2018

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TECHNOLOGIE

TECHNOLOGIE Illustration: dooder / Freepik.com KMUs investieren zu wenig in digitale Technologien In einer Studie kommt EY zum Schluss, dass KMUs aufgrund fehlender finanzieller Mittel den Anschluss bei digitalen Technologien verlieren. Grossunternehmen und erfolgreiche Firmen räumen digitalen Technologien einen höheren Stellenwert ein. Autor: Christoph Grau Das Beratungsunternehmen EY, ehemals Ernst & Young, hat 700 Unternehmen in der Schweiz zu digitalen Technologien befragt. Die Stichprobe umfasst Grossunternehmen mit bis zu 2000 Angestellten und KMUs mit rund 30 Mitarbeitern, wie es in der Studie heisst. Gewichtung digitaler Technologien steigt Im Vergleich zu den Vorjahren zeigt sich ein deutlicher Trend, dass digitale Technologien eine immer grössere Rolle für das Geschäftsmodell von Schweizer Firmen spielen. Die Frage «Spielen digitale Technologien für das Geschäftsmodell Ihres Unternehmens derzeit eine Rolle?», bejahten 66 Prozent der teilnehmenden Firmen. Vor zwei Jahren betrug der entsprechende Anteil noch 45 Prozent. Vor allem in den Segmenten Life Sciences und Dienstleistungen ist der Stellenwert hoch. Des Weiteren zeigte die Umfrage, dass 72 Prozent der sogenannten «Top-Performer» digitalen Technologien eher eine grosse oder mittelgrosse Bedeutung einräumen. Bei den «Low- Performern» sind es im Vergleich nur 48 Prozent. «Bei vielen unserer Kunden sehen wir, dass erfolgreiche Unternehmen längst die Chancen digitaler Technologien in ihr tägliches Geschäft implementiert haben. Gleichzeitig sehen wir im Schweizer Mittelstand, dass immer noch viele Unternehmen abwarten und zögern, die notwendigen Investitionen zu tätigen», lässt sich Andreas Bodenmann, Chief Digital Officer von EY Schweiz, in einer Mitteilung zitieren. Durch die abwartende Haltung drohen Firmen den Anschluss zu verlieren und bringen sich in eine existenzielle Gefahr. Grossunternehmen investieren eher als KMUs Ebenso spielt die Unternehmensgrösse eine entscheidende Rolle. 78 Prozent der Firmen mit mehr als 100 Millionen Franken Jahresumsatz schätzen die Rolle digitaler Technologien für das Unternehmen als gross oder mittelgross ein. Bei den kleineren Firmen sind es gemäss der Studie nur rund 64 Prozent. Als wichtigster Grund für fehlende Investitionen nannten 14 Prozent der befragten Firmen fehlende finanzielle Mittel. Darauf folgen Aspekte wie fehlendes Know-how (10 Prozent) und zu wenig qualifizierte Mitarbeiter (9 Prozent). «Viele Mittelständler können durch Digitalisierung in der Tat Geld, Zeit und Ressourcen sparen. Wenn es KMUs an Geld und Personal fehlt, müssen sie ihre Flexibilität nutzen und – beispielsweise in Form von Kooperationen mit Forschungseinrichtungen – kreativ werden, um trotzdem mit der voranschreitenden Digitalisierung Schritt zu halten», sagt Bodenmann. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_87369 28 DIGITAL TRANSFORMATION

Digital kommunizieren – nicht einfacher, aber spannender Die Digitalisierung der Kommunikation hat uns viele neue Kanäle, Chancen, aber auch einige Unwägbarkeiten beschert. Hierzu gehört beispielsweise der Kontext, in dem der Empfänger die Botschaft erhält. Darüber etwas nachzudenken, kann sich lohnen. TECHNOLOGIE Früher, als wir nur Briefe geschrieben, Broschüren verteilt oder telefoniert haben, war die Sache mit der Zielgruppe noch einfacher. Mit ein paar griffigen Kriterien wie Alter, Geschlecht, Ausbildung, Beruf, Einkommen oder politischer Ausrichtung liess sich bei überschaubarem Aufwand ziemlich genau beschreiben, an wen sich eine Botschaft eigentlich richtet. Damit war auch klar, wie, wann und über welchen Kanal kommuniziert werden muss, damit sie ankommt und bei den Adressaten auch die gewünschte Wirkung entfaltet. Mit der Digitalisierung ist das Angebot an Kanälen enorm gewachsen. Das vereinfacht die Aufgabe natürlich nicht. Es bietet aber neue Chancen, weil wir die Menschen viel gezielter erreichen können. Wollen wir von den neuen Möglichkeiten profitieren, müssen wir mehrere Kanäle parallel und koordiniert bearbeiten. Jeder dieser Kanäle basiert aber nicht nur auf einer eigenen Technik, sondern hat auch seine typische Kultur mit entsprechenden Gepflogenheiten. Je nachdem, ob es eine E- Mail, ein Chat oder ein soziales Netzwerk sein soll – Stil, Tonalität, Form oder auch Umfang unterscheiden sich deutlich. Wer das nicht beachtet, katapultiert sich rasch ins Abseits. Auch an den Kontext denken So weit, so bekannt – was aber oft unterschätzt wird, ist, auf welche komplexe und schlecht kontrollierbare Weise der Kontext auf den Empfänger einer Botschaft wirkt. Das hängt vor allem mit der zunehmenden Nutzung von mobilen Geräten zusammen. Sitzt die Empfän- Illustration: Dzianis Rakhuba / Fotolia.com Die Autoren Lukas Bänninger, COO, Christopher H. Müller, Inhaber und CEO, Die Ergonomen Usability gerin abends zuhause auf dem Sofa? Steht der Empfänger morgens gerade im vollgestopften Tram? Wer auf dem Sofa sitzt, hat gewöhnlich mehr Geduld als der, der im Tram steht. Auch die Aufnahmefähigkeit, die technischen Rahmenbedingungen, die Erwartungshaltung und Weiteres dürften sich unterscheiden. Wie wichtig der Kontext mittlerweile sein kann, zeigt eine kürzlich präsentierte Umfrage zu den Nutzungsgewohnheiten der Bevölkerung bei Smartphones. Im Auftrag einer Gratiszeitung wurde erhoben, wo die Handys am meisten genutzt werden. Unter anderem hat sich herausgestellt, dass gut die Hälfte der Befragten ihre Handys während der Arbeitszeit gerne auf dem WC hervornimmt. Sie dürfen also getrost davon ausgehen, dass ein nennenswerter Teil Ihrer Botschaften auf dem Klo empfangen wird. Dort sind wohl nur wenige bereit, komplizierte Bestellvorgänge zu bearbeiten. Und dort hindern soziale Normen die meisten von uns daran, Ferngespräche zu führen. Im Ernst: Auch wenn es nach einer lustigen Aufgabe klingt – es wird wohl kaum jemand so weit gehen, eine Sub-Zielgruppe «Klobenutzer» zu definieren. Das wäre auch zwecklos, weil ja niemand wissen kann, wann genau man die Leute dort erreicht. Das heisst aber nicht, dass es sich nicht lohnt, über den Kontext der Empfänger nachzudenken – es gibt nämlich Möglichkeiten, den Wirkungen des Kontexts beizukommen. Grundsätzlich empfiehlt es sich, das Kommunikationskonzept ständig anhand neuester Erkenntnisse aus der Nutzerforschung zu hinterfragen. Ein kluges Interaktionsdesign kann den Einfluss des Kontextes an sich verringern. Wenn von den Empfängern Interaktionen erwartet werden, helfen verhaltensökonomische Tools. Sie helfen uns zu verstehen, wie Menschen in bestimmten Situationen entscheiden und warum. Über allem aber sollten wir daran denken, dass es nicht darum geht, möglichst viel zu kommunizieren, sondern möglichst effektiv. Wenn Sie das beherzigen, haben Sie den Grossteil der Adressaten schon im Sack, egal wo die dann gerade sind. DIGITAL TRANSFORMATION 29