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Fintech & Insurtech 2019

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« Der Gewinner ist auf

« Der Gewinner ist auf jeden Fall der Konsument » FINTECH Robo-Advisors boomen in den USA; in der Schweiz konnten sie sich bisher nicht durchsetzen. Weshalb Robo-Advisors trotzdem auch hierzulande Potenzial haben, verrät uns Daniel Peter, Mitgründer und CEO von Viac. Interview: Colin Wallace Warum finden Robo-Advisors in der Schweiz weniger Anklang als etwa in den USA? Woher rührt die Skepsis der Schweizer für Robo-Advisors? Daniel Peter: Eine grundsätzliche Skepsis gegenüber Robo- Advisors ist in unseren Augen in der Schweiz nicht vorhanden. Vielmehr ist es wohl so, dass die USA eines der aktienaffinsten Länder sind und entsprechend die Verbreitung von Robo-Advisorn auch höher ausfällt. Zudem sind in den USA mit der Trading-Plattform Robinhood bereits «Zero-Cost»-Lösungen am Markt, die eine zusätzliche Attraktivität ausstrahlen. Weitere Unterschiede zwischen Lösungen in den USA und Angeboten auf dem Schweizer Markt sind etwa die tieferen Eintrittsschwellen oder Angebote, bei denen die ersten 10 000 US- Dollar kostenlos verwaltet werden. So beträgt in den USA die Eintrittsschwelle meist nur 500 US-Dollar oder weniger. Demgegenüber liegt in der Schweiz dieser Schwellenwert meist bei 5000 Franken oder mehr. Viac bildet hier eine klare Ausnahme Daniel Peter, Co-Founder & CEO, Viac. im Vergleich zum restlichen Schweizer Markt: Die Eintrittsschwelle liegt bei lediglich 1 Franken, und über die Weiterempfehlung der Lösung kann man bis zu 2000 Franken kostenlos verwalten lassen. Mit bereits rund 15 000 aktiven Kunden nach weniger als zwei Jahren kann also nicht von einer grundsätzlichen Skepsis der Schweizer gegenüber digitalen Anlageplattformen gesprochen werden. Wie kann Robo-Advisory in der Schweiz gegen die ausländische Konkurrenz bestehen? Vielfach wird der Preis als Differenzierungsfaktor erwähnt – dies allein reicht jedoch nicht aus. Auch eine gute Customer Journey wird mittlerweile im Smartphone-Zeitalter als selbstverständlich erachtet. Eine Differenzierung kann man in unseren Augen zum Beispiel durch einen sehr guten Kundenservice erreichen. Schnelle und einfache Erreichbarkeit in einer Landessprache sind hier zentral. Dies wird von den Kunden sehr geschätzt. Bei den Rahmenbedingungen gibt es Vor-, aber auch Nachteile. Positiv sind etwa die politische Stabilität und die Rechtssicherheit in der Schweiz. Nachteilig wirken sich zum Beispiel der nicht vorhandene europäische Marktzugang oder die mangelnde Schnittstellenharmonisierung aus. Wie geht es für Viac nun weiter? Die vor mehr als zwei Jahren gesetzten Ziele wurden bereits weit übertroffen. Dies nimmt uns einen gewissen Druck von den Schultern und lässt uns mehr Freiraum für neue innovative Ideen. Im Moment fokussieren wir uns primär auf den Vorsorgemarkt, doch bald soll aus Viac mehr werden als eine reine Vorsorgeplattform. Wir sind an mehreren spannenden Ideen dran – wollen aber noch nicht zu viel verraten. Wie sieht die Zukunft für Robo-Advisory in der Schweiz aus? Wir gehen davon aus, dass diverse Start-ups wieder vom Markt verschwinden werden, da sich der Erfolg nicht genügend schnell einstellt und der Fintech-Investment-Boom wohl aktuell einen Höhepunkt erreicht hat. Irgendwann muss man Geld verdienen. Der Druck wird von den etablierten Banken kommen – hat doch gerade jüngst die Credit Suisse eine digitale Plattform angekündigt. Der Gewinner ist auf jeden Fall der Konsument: er profitiert von günstigeren und digital ansprechenden Produkten. 24

Inacta lanciert eigene Krypto-Payment-Lösung Das Blockchain-Beratungsunternehmen Inacta hat mit «Inapay» eine eigene Payment-Lösung fürs Bezahlen in Kryptowährungen lanciert und bereits mehrere Dutzend Akzeptanzstellen gewonnen. Inacta-Managing-Partner Ralf Glabischnig verrät, was es damit auf sich hat. Interview: Marc Landis FINTECH Sie haben im Mai mit Inapay eine eigene Payment- Lösung für Kryptowährungen lanciert. Was ist Inapay genau? Ralf Glabischnig: Dank Inapay kann jedes Geschäft unkompliziert Zahlungen in Bitcoin und weiteren Kryptowährungen entgegennehmen und bekommt hinter den Kulissen Schweizer Franken aufs Bankkonto gutgeschrieben. Wir betreiben solche Services individuell bereits seit 2017, wollten sie jetzt aber einem grösseren Kundenkreis zur Verfügung stellen. Warum braucht es Inapay? Das Senden und Empfangen von Bitcoin und weiteren Kryptowährungen ist für Privatpersonen zwar denkbar einfach, doch wer Kryptowährungen in seine ordentlichen Geschäftsprozesse einbauen wollte, sah sich mit gewissen Herausforderungen konfrontiert: Der Buchhalter ist sich nicht sicher, wie er Bitcoin verbuchen soll. Dem Geschäftsführer ist die Verwaltung der sogenannten Private Keys, also quasi die Vollmacht über die eingenommenen Bitcoin, ein Dorn im Auge. Und dem Firmeninhaber gefällt es nicht, wenn das Unternehmen plötzlich irgendwo vom Bitcoin-Kurs abhängig ist. All diese – und weitere – Probleme löst Inapay auf denkbar einfache Art. Welche regulatorischen Anforderungen muss Inapay erfüllen? Jeder Händler untersteht – unabhängig davon, ob er Inapay nutzt oder nicht – den in seiner Industrie und seinem Land üblichen Bestimmungen zur Geldwäscherei. Daher gibt es für jeden Händler mit Umsatz von mehr als 5000 Franken pro Jahr einen branchenüblichen Onboardingprozess. Welche Geschäftsinteressen verfolgen Sie mit der Lösung? Primär geht es uns darum, das Krypto-Ökosystem in der Schweiz weiter zu fördern: Je mehr Akzeptanzstellen es für Kryptowährungen gibt, desto weniger Berührungsängste wird es geben. Dies ebnet den Weg für einen krampfloseren Umgang mit den neuen Technologien und öffnet die Tür für eine fachliche Debatte, nicht zuletzt in Zusammenhang mit der Finanzbranche. Die Schweizerische Nationalbank äusserte sich erst kürzlich dazu, dass sie es durchaus für möglich halte, dass diese neuen Technologien Einzug in die Finanzbranche halten würden. Wenn die Leute solches bereits aus ihrem privaten Umfeld kennen, erleichtert dies die Adoption, und der Standort Schweiz wird insgesamt konkurrenzfähiger. Zur Lancierung vor einem halben Jahr nahmen das Hotel Dolder Grand und das Luxus-Autohaus Kessel Kryptowährungen mit Inapay entgegen. Sie wollten bis im Herbst, also heute, rund 20 Partner haben, die mittels Inapay Zahlungen in Kryptowährungen akzeptieren. Wie sieht die Situation aus? Begleitet haben wir ungefähr 30 Akzeptanzstellen, an denen man bequem mit einer Kryptowährung bezahlen kann. Uns war dabei die Vielfalt der Partner wichtig: Von A wie Amt bis zu Z für Zahnarzt findet sich eine enorme Vielzahl von Partnern. Hinzu kommen über 100 Downloads von Leuten, die Inapay in ihren jeweiligen Geschäften einsetzen. Dies, obschon wir noch keinen Franken für Werbung ausgegeben und die Android-Version noch nicht freigeschaltet haben. Wie geht es nun weiter mit Inapay? Seit wir das erste Mal öffentlich über Inapay gesprochen haben, kommt ein grosser Teil der Anfragen aus dem Ausland. Dem wollen wir im kommenden Jahr mit einer breiten, internationalen Expansion Rechnung tragen. Priorität dabei hat, dass wir jeweils mit lokalen Partnern zusammenarbeiten, einerseits um auf deren Netzwerk zugreifen zu können, andererseits um das Expansionstempo hoch halten zu können. Auf der Produktseite wollen wir zudem durch das Onboarding neuer Coins Akzente setzen. Ralf Glabischnig, Managing Partner, Inacta.

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