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FINTECH So tickt das

FINTECH So tickt das Crypto Valley Es tut sich einiges im Crypto Valley. In den vergangenen Jahren sind im Raum Zug rund 130 Firmen entstanden, die mit und an der Blockchain arbeiten. Die Redaktion hat sich einen Überblick verschafft, Angebote verglichen und mit Entwicklern gesprochen. Autor: Oliver Schneider Die Blockchain erobert die Schweiz. Laut einer aktuellen Studie von IBM hat die Zahl der Schweizer Unternehmen, die am Einsatz der Blockchain interessiert sind, im vergangenen Jahr stark zugenommen. Der Anteil derjenigen Firmen, die an konkreten Projekten mit der dezentralen Krypto-Datenbank arbeiten, sei im Vergleich zu 2016 von gut einem Drittel auf mehr als 50 Prozent angewachsen. 40 Prozent bekundeten zumindest Interesse an der Technologie der dezentralen Buchführung. Vor allem Firmen der Finanzwelt beschäftigen sich mit dem Thema. Doch auch in anderen Branchen steigt das Interesse. Die Erwartungen an die Blockchain sind hoch, wie sich der Studie entnehmen lässt. Firmen erhoffen sich bessere Produkte, mehr Effizienz bei den internen Prozessen, neue Geschäftsfelder und engeren Kundenkontakt. Doch es gibt einen Wermutstropfen. Ein Viertel der befragten Firmen ist nach Angaben von IBM noch auf der Suche nach dem Wertversprechen der Blockchain. Was die Technologie für die Unternehmenswelt wirklich leisten kann, das ist auch in der «Crypto Nation» Schweiz noch eine offene Frage. Verschiedene Firmen versuchen, Antworten auf diese Frage zu geben. IBM selbst arbeitet an einer ganzen Reihe von Kundenprojekten. Auf Basis der Open-Source-Plattform «Hyperledger Fabric» entstehen beim US-Unternehmen Blockchain-Anwendungen für verschiedene Branchen und Anwendungsfälle, wie An dreas Kind, Manager Industry Platforms and Blockchain bei IBM Research – Zürich, sagt. Mithilfe der Blockchain will IBM etwa den Weg von Lebensmitteln bis in den Einkaufskorb dokumentieren, Parkbillets automatisch bezahlen und Start-ups schneller gründen. Auch in seinem Forschungslabor in Rüschlikon am Zürichsee arbeitet IBM an Blockchain-Lösungen. Es geht dabei vor allem um die technischen Grundlagen, wie Kind erklärt. Am Schweizer Standort versuche IBM etwa, die Vertraulichkeit innerhalb von Hyperledger Fabric zu erhöhen und sicherzustellen, dass die verschiedenen 20 Fintech & Insurtech

Bild: samchad / iStock.com FINTECH Instanzen der Blockchain stets im Einklang miteinander sind. IBM setze dabei auf das Prinzip der «Permissioned»-Blockchain. Im Unterschied zu vollkommen anonymen Systemen wie Bitcoin könne an Permissioned-Systemen nur eine bestimmte Auswahl von autorisierten Teilnehmern mitwirken, was sich positiv auf die Performance auswirke. Trotzdem seien nicht alle Informationen im Netzwerk für alle Teilnehmer sichtbar. Beides ist laut Kind entscheidend, um die Technologie für Unternehmen attraktiv zu machen. Die vollkommene Anonymität und begrenzte Leistungsfähigkeit der bekannten Blockchains wie Bitcoin oder Ethereum sei dagegen für den produktiven Einsatz häufig problematisch. Im Tal der Krypto-Start-ups IBM gehört zu den grössten, ist aber keineswegs das einzige Unternehmen, dass in der Schweiz Blockchains für den professionellen Einsatz entwickelt. Doch wie viele Unternehmen umfasst die Blockchain-Branche eigentlich? Die Zuger Firmen Lakeside Partners und Inacta haben sich zum Ziel gesetzt, diese Frage mit einer Online-Datenbank zu beantworten. Im Sommer 2018 verzeichnete das «Crypto Valley Directory» 433 Firmen in der Schweiz. Die meisten von ihnen haben sich im namensgebenden «Crypto Valley» rund um die Stadt Zug niedergelassen. Ungefähr 200 Firmen seien es, sagten Stadt und Kanton Zug. Die Blockchain habe damit zirka 500 bis 700 Arbeitsplätze geschaffen. Das «Crypto Valley Directory» steckt die Branche im Sinne eines Blockchain-Ökosystems sehr weit ab. Es umfasst Softwarehersteller, Beratungsfirmen, Verbände, Investoren, Hochschulen und Behörden. Lässt man diese Organisationen einmal aussen vor, fanden sich im Crypto Valley insgesamt 132 Firmen, die Produkte auf Grundlage der Blockchain-Technologie entwickeln. Die überwiegende Mehrheit davon ist in der Stadt Zug ansässig. Dort haben sich eigentliche Blockchain- Hubs gebildet, wo jeweils mehrere Firmen unter einem Dach untergebracht sind. Kryptowährungen und Finanzdienstleistungen waren diejenigen Bereiche, in denen die Blockchain-Technologie erstmals zum Einsatz kam. Fast 36 Prozent der Krypto-Firmen im Raum Zug arbeiten auch heute noch an solchen Lösungen. Das können eigene digitale Zahlungsmittel sein, wie etwa der «Loyalty Coin», mit dem dereinst ein System tauschbarer Treuepunkte realisiert werden soll. Oder der «Swiss Real Coin», der den Wert einer Kryptowährung an den Schweizer Immobilienmarkt koppeln will. Dazu kommen Dienstleister, die etwa digitale Portemonnaies, Mining- Lösungen oder Investitionsplattformen im Bitcoin-Umfeld anbieten. Mit rund 20 Prozent ebenfalls zahlreich vertreten sind Firmen, die sich in irgendeiner Form an der technologischen Weiterentwicklung der Blockchain beteiligen. Der bekannteste Name und Pionier in dieser Kategorie ist Ethereum. Das Projekt um den Fintech & Insurtech 21