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IT for Gov 2017

STRATEGIE « Bis Ende

STRATEGIE « Bis Ende 2018 werden über 4 Millionen Swiss-IDs über unsere Plattform laufen » Swisssign ist seit Mai 2017 ein Joint Venture der Post und der SBB. Seit Mai hat das Unternehmen, das die elektronische Identität flächendeckend in der Schweiz einführen will, auch einen neuen CEO. Die Redaktion sprach mit Markus Naef über seine Pläne. Interview: Marc Landis Wo machen Sie die Abgrenzung zwischen elektronischer Signatur und elektronischer Identität? Markus Naef: Fangen wir mit der Identität an: Sie stellt sicher, dass etwa der Absender einer E-Mail tatsächlich die Person ist, die sie vorgibt zu sein. Es handelt sich dabei um eine sogenannte geprüfte Identität. Die elektronische Signatur hingegen ersetzt die handschriftliche Unterschrift auf einem Dokument, womit der Unterschreibende etwa einen Vertrag oder ein anderes Rechtsgeschäft abschliesst und damit quasi seine Willensäusserung zum Abschluss eines solchen Rechtsgeschäfts besiegelt. Die Voraussetzung für eine elektronische Signatur ist aber die elektronische Identität? Genau. Die elektronische Signatur baut auf der elektronischen Identität auf. Und wie muss man sich nun das Angebot von Swisssign rund um die elektronische Signatur und Identität vorstellen? Swisssign hat zwei Standbeine. Das eine ist das Zertifikatsbusiness, das zweite Standbein ist die neue Swiss-ID, die auch der Grund für das Joint Venture Swisssign der Post und der SBB ist. Die neue Swiss-ID bietet einen Funktionsumfang, der aus fünf Modulen besteht. Modul eins deckt das einfache Log-in-Verfahren, bestehend aus Username und Passwort, ab. Modul zwei ist die persönliche Datenübergabe; dieses Modul gibt dem Anwender die Hoheit, über seine Daten selbst zu bestimmen. Modul drei bietet die Zwei-Faktor-Authentifizierung etwa via SMS, Mobile-ID, biometrischen Merkmalen. Modul vier ist die geprüfte PERSÖNLICH Markus Naef (Jahrgang 1969) ist Schweizer Staatsbürger und seit Mai 2017 CEO von Swisssign. Naef hat an der Universität St. Gallen Wirtschaft und Recht studiert und bringt 20 Jahre Erfahrung in General Management und Business Development mit. Zuletzt war er als Chief Commercial Officer und Senior Vice President bei Sunrise Communications tätig. Davor war er Managing Director von 20th Century Fox für die Schweiz und Russland. Naef arbeitete auch während acht Jahren in diversen Positionen bei Orange, unter anderem als Director Business Marketing sowie General Counsel und Corporate Secretary. Identität, und auf der geprüften Identität baut schliesslich Modul fünf auf, die geprüfte elektronische Signatur. Wie sind Sie mit der neuen Swisssign als Joint Venture von Post und SBB in den Regelbetrieb gestartet? Ich kenne natürlich nichts anderes als den «Regelbetrieb» des Joint Ventures, da ich ja genau zum Start der neuen Firma meine Funktion als CEO bei Swisssign übernommen habe. Der Regelbetrieb im Zertifikatgeschäft und bei der bisherigen Suisse-ID ging normal weiter. Zu den grossen Arbeiten, die nun anstehen, gehört, alle bisherigen Suisse-ID-Kunden und über eine Million Kunden der Post, die ein Benutzerkonto bei post.ch haben, mit der neuen Swiss-ID zu verknüpfen. Technisch sind wir dafür gerüstet. Die Plattform funktioniert. Erste Postportal-Kunden können das neue, einheitliche Log-in über Swiss-ID ab Herbst 2017 nutzen, ab 2018 folgen Swisspass-Kunden. Das klingt nach viel Arbeit ... Wir bewegen uns in einem sehr dynamischen Spannungsfeld und es stehen spannende Themen an. Swisssign ist einerseits als Joint Venture der Post und SBB im Start-up-Modus unterwegs, andererseits sind wir auch ein Unternehmen, das in einem tiefgreifenden Transformationsprozess steckt und sich vom Suisse-ID-Anbieter zum Swiss-ID-Provider entwickeln muss. Durch die Gründung des Joint Ventures hat Swisssign von den SBB und der Post unternehmerische Freiheit erhalten, damit sich unsere Mitarbeitenden und die technische Plattform auf das Kerngeschäft konzentrieren können. Die Suisse-ID hat sich bis heute nicht durchgesetzt. Warum soll sich die neue Swiss-ID durchsetzen? Im Gegensatz zur alten Suisse-ID wird die neue Swiss-ID für natürliche Personen kostenlos sein. Zudem starten wir mit über 4 Millionen IDs, die wir den Kunden von Post und SBB anbieten können. Ich bin sehr zuversichtlich. Dass die elektronische Identität nicht vom Staat herausgegeben wird, diskutieren Politik, Verbände und andere Organisationen kontrovers. Was entgegnen Sie den Kritikern? Im Rahmen der Vernehmlassung zum neuen E-ID-Gesetz konnte man zu dieser Frage Stellung nehmen. Wir führen 16

viele Gespräche mit allen Beteiligten. Wir sind natürlich ganz klar der Meinung, dass das Handling der elektronischen Identität durch ein vom Staat zertifiziertes privates Unternehmen erfolgen soll. Wir erachten eine Aufgabenteilung zwischen Staat und Markt als richtig. Potenzielle Inhaber einer E-ID müssen einen konkreten Nutzen in der Anwendung der E-ID sowohl im kommerziellen Bereich als auch im Behördenkontext sehen. Eine Verbreitung der E-ID wird nur erreicht durch eine Kombination einer staatlich herausgegebenen elektronischen Identifizierungseinheit mit kommerziellen Identifizierungsmitteln, wie etwa dem Swisspass. Mit diesem Ansatz entstehen zudem innovative und anwenderfreundliche Lösungen, die den Grundstein für die Verbreitung der E-ID in Bevölkerung, Wirtschaft und Verwaltung legen. Schliesslich kann der Markt rascher und flexibler auf technologische Entwicklungen und sich ändernde Kundenbedürfnisse reagieren als der Staat. STRATEGIE Welche Entwicklungsmöglichkeiten sehen Sie für Swiss-ID auf technologischer Seite? Wie sieht es mit Blockchain aus? Blockchain hat den Vorteil des dezentralen vs. unseres zentralen Ansatzes. Da sehe ich für die Zukunft vor allem aus der Sicherheitsperspektive Vorteile von Blockchain. Blockchain wird vielerorts aber erst im Test- oder Experimentalbetrieb eingesetzt. Ausserdem gibt es wenige Plattformen, die schon live sind und funktionieren, etwa Ethereum. So richtig benutzerfreundlich sind diese aber noch nicht und damit auch nicht massentauglich. Für uns sind Sicherheit und Vertrauen das Wichtigste. Und wir werden auf unserer Plattform einsetzen, was für unsere Nutzer Sicherheit garantiert und Vertrauen ermöglicht. Egal welche Technologie das ist. Wie geht es mit der Swiss-ID nun weiter? Wen wollen Sie in Zukunft noch im Swiss-ID- Ökosystem haben? Ende 2018 werden wir wie gesagt über 4 Millionen Swiss-IDs auf unserer Plattform haben. Damit ist der Privatkundenmarkt vorläufig einmal abgedeckt. Ende des ersten Halbjahrs 2018 werden wir die ganze Palette unserer Roadmap umgesetzt haben und es geht darum, unsere Services auch bei den grossen Retailern zu implementieren. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir damit Erfolg haben werden. Wir spüren schon jetzt in Gesprächen mit möglichen B2B-Kunden eine grosse Nachfrage. Auch an weiteren Kunden im Government-Umfeld sind wir interessiert. Einer unserer Vorzeigekunden ist der Kanton Jura mit seinem Guichet virtuel, also dem virtuellen Behördenschalter. Der Jura verwendet ja schon seit 2012 die Suisse-ID für elektronische Behördengänge. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_53656 17