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IT for Health 01 - 2019

E-HEALTH KONKRET Bild:

E-HEALTH KONKRET Bild: verbaska_studio / iStock Wenn es um die Weiterentwicklung des bestehenden Telemedizin-Angebots mit E-Health-Lösungen geht, sehen Krankenkassen und Anbieter in erster Linie zwei Ansätze: Mobile Health und künstliche Intelligenz (KI). Die CSS bietet mit etwa «myGuide» einen digitalen Ratgeber an, der Kunden als erste Anlaufstelle dient und Krankheitssymptome prüfen sowie Empfehlungen zum weiteren Vorgehen geben soll. Medgate will bei der Weiterentwicklung seiner App in eine ähnliche Richtung gehen und dabei auf KI setzen. Unter Mitwirkung von IBM-Wissenschaftlern entwickle das Unternehmen eine Entscheidungshilfe für die Patienten der «Medgate Tele Clinic». In einem ersten Schritt sei eine systematische Symptomerfassung in die App integriert worden, die Patienten genauer zum medizinischen Anliegen befrage. Beim Konkurrenten Medi24 wird der KI-Ansatz «digitaler Arzthelfer» genannt. Dieser soll mit einer gezielten Erstbefragung eine medizinische Ersteinschätzung vornehmen und so die klassische Telemedizin ergänzen. Die Ärztevereinigung FMH schreibt, dass Apps insbesondere beim Monitoring von Patienten mit chronischen Erkrankungen mehr Qualität und Effizienz schaffen könnten. Visana, Swica und der Apothekerverband Pharmasuisse erhoffen sich ausserdem von der Einführung des elektronischen Patientendossiers (EPD) einen Effizienzschub für die Telemedizin. « Heute sind in vielen europäischen Ländern Gesetze darauf ausgerichtet, Fern behandlung entweder zu verbieten oder nur eingeschränkt zu erlauben. » Angelo Eggli, CEO, Medi24 Vernetzung, Geschick und Offenheit sollen Telemedizin voranbringen So viel Potenzial das Zusammenspiel von Medizin und IT auch hat, noch ist die Schweizer Telemedizin laut den befragten Organisationen nicht dort, wo sie sein könnte. Um das Versprechen einer besseren Versorgung und tieferen Kosten einlösen zu können, muss etwa die digitale Vernetzung zwischen Telemedizinern, Hausärzten und Spezialisten verbessert werden, wie Swica, Pharmasuisse und die CSS schreiben. Aktuell erschwerten Informationslücken und Brüche die Koordination. Jede Versorgungsstufe löse das an sie adressierte Problem isoliert, es komme zu Doppelspurigkeiten, Missverständnissen und Verzögerungen. Visana gibt zu bedenken, dass die heutigen telemedizinischen Modelle in Fällen, in denen der Hausarztbesuch unumgänglich sei, auch Mehraufwand verursachen könnten. Ein weiteres Problem ist laut Medi24 die Regulierung in Europa. «Heute sind in vielen europäischen Ländern Gesetze darauf ausgerichtet, Fern behandlung entweder zu verbieten oder nur eingeschränkt zu erlauben», so CEO Eggli. Hier seien die politischen Entscheidungsträger gefordert, Gesetze und Verordnungen der Zeit und den technologischen Möglichkeiten anzupassen. Auf eine grundsätzliche Herausforderung der Telemedizin weist Medgate hin. Da der Patient für den Arzt am Telefon nicht sichtbar sei, müssten Telemediziner die Fähigkeit haben, das zu erfragen, was sie nicht sehen könnten. Sie seien gefordert, sich sowohl auf die medizinische Fragestellung zu fokussieren, als auch den Patienten in seiner Komplexität zu begreifen. Damit das gelingen könne, brauche es sehr gute kommunikative Fähigkeiten seitens des Arztes und medizinische Richtlinien. Ärzte seien durch Telemedizin in mehrfacher Hinsicht gefordert, merkt die FMH an. Zum einen entstünden für die Installation der dazu nötigen IT-Systeme Kosten, die durch den aktuellen Arzttarif nicht abgedeckt seien. Zum anderen führten digitale Affinitäten und Kompetenzen sowohl bei der Ärzteschaft wie auch bei den Patienten zu einem unterschiedlichen Zugang und einer unterschiedlichen Nutzung von digitalen Angeboten. Dies schlage sich auch in den Zahlen nieder. Laut dem E-Health-Barometer 2018 sind die Patienten gegenüber der Telemedizin zwar positiv eingestellt, Messenger-Dienste und Videotelefonie nutzten aber weniger als 10 Prozent der Befragten. Die Gefahr, dass insbesondere ältere Menschen von der digitalen Telemedizin überfordert werden könnten, sei allerdings gering, so die Meinung der Mehrzahl der Befragten. Die Vielfalt an Versicherungsmodellen und Techniken stelle sicher, dass für alle Patienten eine passende Lösung gefunden werden könne. Telemedizin sei gerade für Menschen mit erschwertem Zugang zum Gesundheitssystem eine Erleichterung. Ergänzen, nicht ersetzen Ob es für die Telemedizin spezifische Regeln und Standards braucht, darüber gehen die Meinungen auseinander. Telemedizinische Richtlinien seien nicht zwingend angezeigt, heisst es vonseiten der CSS. Die Branche sei schon umfassend reguliert, 16

Bild: verbaska_studio / iStock E-HEALTH KONKRET gesetzliche Vorgaben – etwa die Pflicht zur Praxisbewilligung – existierten bereits. Zwingend sind Richtlinien hingegen für Swica. Die Krankenkasse lasse ihre telemedizinischen Leitlinien vom Zürcher Kantonsarzt bewilligen und erstelle sie in Zusammenarbeit mit dem Institut für Hausarztmedizin der Universität Zürich. Für die FMH sind vor allem die unterschiedlichen Rechtsgrundlagen je nach Kanton ein Problem. Die Organisation fordert deshalb kantonal harmonisierte Rahmenbedingungen zu Angebot, Nutzung und Vergütung digitaler Gesundheitsangebote. Zudem müssten schweizweit geltende telemedizinische Qualitätskriterien und Leitlinien erarbeitet werden, die sowohl der Ärzteschaft wie auch den Patienten als Orientierungshilfe dienen könnten. Aus diesem Grund habe die FMH vor Kurzem ein «Zielbild 2022» zur Digitalisierung der ambulanten Gesundheitsversorgung verfasst. Braucht es in Zukunft den Besuch beim Hausarzt vielleicht gar nicht mehr? Wird er auf breiter Front vom Telemediziner mit seinem digitalen Arzthelfer ersetzt? So weit will keine der befragten Organisationen gehen. Für die meisten ist Telemedizin eine Ergänzung zur physischen Konsultation. «Es wird immer Fälle geben, in denen ein Arzt seinen Patienten mit seinen Händen untersuchen, Verletzungen versorgen oder zum Beispiel eine Spritze, Kurzinfusion oder Impfung geben muss», schreibt etwa die Swica. Medgate pflichtet bei: «Ein Beinbruch oder eine Blinddarmentzündung können nicht über das Telefon oder in einer Videokonsultation behandelt werden.» Trotzdem ist Medi- 24-CEO Eggli davon überzeugt, dass heute viele Besuche beim Hausarzt unnötig seien und mittels digitaler Technologie vermieden werden könnten. «Mit unserer Triage-Software und unserem Know-how können wir mehr Kompetenzen vereinen als ein Hausarzt», schreibt er. «Dank umfassender digitaler Datenquellen stellen wir die Beratung und die Entscheidungsgrundlagen zudem in einen viel grösseren Kontext.» Nach anfänglicher Skepsis hätten auch die Ärzte die Vorteile der Telemedizin erkannt. Wenn weniger Bagatellfälle in der Praxis landeten, könnten sie sich auf diejenigen Patienten konzentrieren, die wirklich ihre Hilfe benötigten. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_126565 17

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