Aufrufe
vor 1 Woche

IT for Health 01 - 2019

GESELLSCHAFT &

GESELLSCHAFT & POLITIK FMH wirbt bei Ärzten für Digitalisierung jor. In den Arztpraxen der Schweiz kommt die Digitalisierung eher schleppend voran. Nur etwa die Hälfte der hiesigen Praxisärzte führt eine elektronische Krankengeschichte, wie «Medinside.ch» berichtet. Deswegen formulierte die Swiss Medical Association FMH ein Leitbild für die Digitalisierung im ambulanten Gesundheits bereich. Das Leitbild basiert auf einer Risikoanalyse. Die FMH benennt gemäss dem Bericht folgende «Schwächen und Risiken»: ∙∙ Wirksamkeits- und Zweckmässigkeitsnachweis digitaler Gesundheitsangebote, insbesondere im therapeutischen Bereich, sind noch unzureichend. ∙∙ Unterschiedliche digitale Affinitäten und Kompetenzen führen sowohl bei der Ärzteschaft wie bei den Patienten zu einem unterschiedlichen Zugang und einer unterschiedlichen Nutzung digitaler Angebote. ∙∙ Datenschutz und Datensicherheit sind heikle und emotional besetzte Themen mit noch vielen offenen Fragen. ∙∙ Der Tarmed-Tarif setzt heute keinen Anreiz für die Nutzung der Telemedizin, da entsprechende Positionen fehlen. ∙∙ Die Rechtsgrundlagen für die Digitalisierung sind kantonal sehr unterschiedlich, fragmentieren die Möglichkeiten und hinken teilweise der Realsituation hinterher. ∙∙ Standards für die Interoperabilität der telemedizinischen Infrastruktur fehlen und/oder werden nicht umgesetzt. ∙∙ Die Treiber der Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung sind vielfältig und komplex; gleichzeitig ist die Digitalisierung ein wichtiger Treiber für die Entwicklung der nachhaltigen Gesundheitsversorgung. ∙∙ Die Realsituation sieht so aus, dass vor allem die jüngere Ärzteschaft nachfragebedingt digitale Möglichkeiten pragmatisch nutzt und anbietet – mit suboptimalen Rahmenbedingungen. Der Ärzteverband FMH formulierte ein Leitbild für die Digitalisierung im ambulanten Gesundheitsbereich. Bild: kreefax/Fotolia Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_124614 Die Schweiz erneuert ihre E-Health-Strategie Patienten sind offen für E-Dossier jor. Der Bundesrat hat die Strategie E-Health Schweiz 2.0 verabschiedet. Auf der Agenda steht nach wie vor die Einführung und Verbreitung des elektronischen Patientendossiers. Ziel sei es, dass die Schweizer Bevölkerung die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen könne, teilt der Bundesrat mit. Die neue E-Health-Strategie löst diejenige von 2007 ab. Das Vorhaben laufe von 2018 bis 2022, heisst es in der Mitteilung. Mit der überarbeiteten Strategie will der Bund etwa das Gesundheitswesen effizienter gestalten, die Zusammenarbeit zwischen Gesundheitseinrichtungen erleichtern und die Patientensicherheit erhöhen. Datenschutz und Cybersicherheit hätten oberste Priorität, heisst es weiter. Zudem gelte der Grundsatz, dass alle Patienten über die Verwendung von personenbezogenen Daten selbst entscheiden könnten. mur. GFS hat im Auftrag von Swisscom Health eine Umfrage zum Thema Digitalisierung im Gesundheitswesen durchgeführt. Demnach erwarten 72 Prozent der Befragten, dass Ärzte und Therapeuten im Rahmen einer Behandlung die Gesundheitsinformationen des Patienten digital austauschen. 65 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass dieser digitale Datenaustausch die persönliche Behandlung verbessern werde. 66 Prozent der Befragten fordern, dass es für Ärzte Pflicht werde, den Patienten ihre Gesundheitsinformationen in einem elektronischen Patientendossier digital zugänglich zu machen. Und 37 Prozent der Befragten seien bereit, selbst erhobene persönliche Gesundheitsdaten in ein elektronisches Patientendossier zu speichern. Die Resultate der Umfrage können kostenlos bei Swisscom bezogen werden. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_119964 Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_122640 18

Countdown für das elektronische Patientendossier Vieles ist auf Kurs, aber die Einführung des elektronischen Patientendossiers (EPD) per April 2020 bleibt weiterhin eine grosse Herausforderung – nicht nur auf technischer, sondern auch auf organisatorischer und nicht zuletzt kultureller Ebene. GESELLSCHAFT & POLITIK Die Uhr tickt. Spätestens Mitte April 2020 müssen Akutspitäler, psychiatrische Kliniken und Rehabilitationskliniken mit dem elektronischen Patientendossier (EPD) arbeiten können. So will es das Bundesgesetz über das elektronische Patientendossier (EPDG). Pflegeheime und Geburtshäuser haben noch zwei Jahre mehr Zeit. Für den ambulanten Bereich gibt es keine Fristen. Auch für die Bevölkerung ist die Teilnahme am EPD freiwillig. Erste zertifizierte EPDs bis Ende des Jahres Die Arbeiten zur Einführung des EPD laufen in allen Regionen immer intensiver. Die zukünftigen Anbieter des EPD – die sogenannten «Gemeinschaften» und «Stammgemeinschaften» – sind Zusammenschlüsse von Gesundheitsfachpersonen und ihren Einrichtungen, etwa Spitäler oder Apotheken. Sie müssen die zahlreichen rechtlichen Vorgaben erfüllen, unter anderem zu Datensicherheit und Datenschutz, um als offizielle EPD-Anbieter zertifiziert zu werden. Momentan zeichnet sich rund ein Dutzend (Stamm-)Gemeinschaften ab, wobei die überwiegende Mehrheit kantonal oder überkantonal orientiert ist. Während sich einige Anbieter noch kaum positionieren, können bei anderen bereits Dossiers eröffnet werden, so im Pionierprojekt «MonDossierMédical» im Kanton Genf. Der Westschweizer Anbieter CARA hat öffentlich angekündigt, per Ende 2019 betriebsbereit zu sein. Auch die anderen (Stamm-)Gemeinschaften zeigen sich zuversichtlich, den Einführungstermin einhalten zu können. Der Autor Adrian Schmid, Leiter E-Health Suisse, Kompetenz- und Koordinationsstelle von Bund und Kantonen Vielfältige Herausforderungen Doch die dezentrale Einführung des EPD bleibt ein komplexes Zusammenspiel von rechtlichen, organisatorischen und technischen Elementen. Es bestehen noch einige Herausforderungen: ∙∙ Finanzierbare Identifikationsmittel für die Bevölkerung bereitstellen; ∙∙ technische Spezifikationen finalisieren, damit das revidierte Ausführungsrecht wie geplant am 1. Juli 2019 in Kraft gesetzt werden kann; ∙∙ ausreichende Ressourcen für den Aufbau von Stammgemeinschaften in den Versorgungsregionen sowie für eine nachhaltige Finanzierung der ersten Betriebsjahre; ∙∙ genügend Personal und Fachwissen in den Stammgemeinschaften, damit die organisatorischen Zertifizierungsvoraussetzungen rechtzeitig erfüllt werden können; ∙∙ rechtzeitiger Beginn (und Abschluss) aller Zertifizierungsverfahren; ∙∙ tiefe Integration des EPD in die IT-Systeme der Behandelnden, damit diese nicht den aufwändigen Umweg über ein Webportal machen müssen; ∙∙ Bereitschaft in den Akutspitälern, psychiatrischen Kliniken und Rehabilitationskliniken, die Einführung des EPD frühzeitig als Organisationsprojekt zu planen. Quelle: © eHealth Suisse Patienten ernst nehmen Die Einführung des EPD könnte im Gesundheitswesen den Digitalisierungsschub bewirken, den es für eine zeitgemässe koordinierte Versorgung braucht. Die digitale Vernetzung hat das Potenzial, die Zusammenarbeit und Rollen der Gesundheitsfachpersonen und ihrer Patientinnen und Patienten nachhaltig zu verändern. Vor diesem Hintergrund ist die EPD-Einführung zwar auch ein komplexes Informatikvorhaben, vor allem ist es aber ein Kulturprojekt zur Veränderung des Umgangs mit Patienten und ihren Unterlagen. Ob vorgeschrieben oder freiwillig – Gesundheitsfachpersonen, die ihre Patienten ernst nehmen, schliessen sich dem EPD an. 19

Archiv