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IT for Health 01 - 2019

E-HEALTH KONKRET Das

E-HEALTH KONKRET Das elektronische Patientendossier gewinnt an Zuspruch mur. Das Institut Gfs Bern hat 1200 Personen aus der Wohnbevölkerung für den Swiss E-Health Barometer befragt. Es stellt fest, dass die Bereitschaft, im Gesundheitsbereich auf digitale Lösungen zu setzen, seit 2016 stark gestiegen sei. Das elektronische Patientendossier (EPD) gewinne an Zuspruch, und immer grössere Teile der Bevölkerung könnten sich vorstellen, eines zu eröffnen. Treiber dieser Entwicklung sei die Generation Y. Ihre ältesten Mitglieder seien knapp 40 Jahre alt und machten rund ein Drittel der Bevölkerung aus. Gfs Bern befragte zudem 1832 Fachkräfte aus dem Gesundheitswesen. Sie sähen das Internet zwar vermehrt als Chance für die Bürger bei der Nutzung von Gesundheitsinformationen. Die Digitalisierung des Gesundheitswesens stocke aber: Die Vernetzungsindizes hätten sich kaum verändert und insbesondere die externe Vernetzung verharre auf tiefem Niveau. Daten würden zwar vermehrt elektronisch verarbeitet, ihr Austausch mit anderen Gesundheitsfachpersonen habe sich aber nicht vereinfacht. Die Patienten profitierten kaum von der Vernetzung, und die Nachfrage der Patienten für den Zugriff und Austausch von elektronischen Gesundheitsdaten werde nicht bedient. BEURTEILUNG DES ELEKTRONISCHEN PATIENTENDOSSIERS «Was halten Sie vom elektronischen Patientendossier bis jetzt?» (in %, Einwohner ab 18 Jahren) sehr schlechte Sache eher schlechte Sache weiss nicht / keine Antwort eher gute Sache sehr gute Sache 5 12 14 50 2018 3 11 7 19 25 53 2019 Quelle: Gfs Bern Georgis will fürs EPD fit machen kfi. Die privatwirtschaftlich organisierte Stammgemeinschaft Georgis will Schweizer Dienstleister im Gesundheitsbereich fit für das elektronische Patientendossier (EPD) machen. Bis im April 2020 müssen laut Gesetz stationäre Leistungserbringer dazu in der Lage sein, das EPD anzubieten. Georgis will die betroffenen Institutionen dabei unterstützen, das dafür notwendige Zertifikat zu erlangen, wie es in einer Mitteilung heisst. Zu den Mitgliedern von Georgis zählen laut eigenen Angaben bisher die Spital Thurgau AG und die Klinik Schloss Mammern. Mit weiteren Kandidaten sei die Gemeinschaft im Gespräch. Der Vorteil einer privatwirtschaftlichen Initiative wie Georgis sei, dass sie unabhängig und nur ihren Mitgliedern verpflichtet sei, heisst es in der Mitteilung weiter. Dank der Investoren Comarch und Axians GNS, die beide im EPD-Bereich tätig sind, sei Georgis sowohl technisch als auch finanziell versorgt. Georgis hilft laut Mitteilung bei Problemen personeller, finanzieller und technischer Natur, die bei der Einführung des EPDs anfallen könnten. Zürcher Start-up Dacadoo partnert mit Oracle jor. Das Zürcher Start-up Dacadoo hat eine Partnerschaft mit Oracles Sparte für Versicherungssoftware vereinbart. Die Unternehmen wollen gemeinsam ein cloudbasiertes E-Health- Angebot für Lebensversicherer und Krankenkassen lancieren, wie Dacadoo mitteilt. Dacadoo kümmert sich gemäss Mitteilung um das Front- End der Lösung. Dort werde das Unternehmen seinen Gesundheitsindex implementieren. Versicherungen könnten ihren Kunden also eine App anbieten, die es Nutzern ermöglicht, ihren Alltag zu vermessen und ihren Gesundheitszustand zu überprüfen. Die App soll die Nutzer zu körperlichen Aktivitäten motivieren. Zu diesem Zweck setzt Dacadoo auf Mechanismen wie Gamification und Gruppendynamiken, wie sie in sozialen Netzwerken zum Tragen kommen. Dacadoo selbst brachte 2017 die App «Dacadoo Go» auf den Markt, die Nutzer spielerisch zur Bewegung animieren soll. So liessen sich Krankheiten vorbeugen und die Lebensqualität verbessern, bewirbt Dacadoo die App. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_126749 Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_122088 4

Prozesse dank Digitalisierung nachhaltig optimieren Digitalisierungsvorhaben im Gesundheitsbereich setzen nicht nur eine klare Vision und eine hohe Wandlungsbereitschaft voraus. Gefragt ist ein methodisches Vorgehen, das ausser technischen auch menschliche Aspekte berücksichtigt, wie ein Beispiel aus der Praxis zeigt. E-HEALTH KONKRET Während sich die Digitalisierung in anderen Industrien bereits exponentiell entwickelt, nimmt sie im Gesundheitswesen erst jetzt langsam Fahrt auf. Und das Potenzial ist enorm: Die digitale Transformation verspricht in einer Vielzahl von Einsatzbereichen Kostensenkungen und Effizienzsteigerungen bei gleichzeitiger Leistungsverbesserung. Mit der Einführung entsprechender Technologien oder Systeme ist die digitale Transformation aber noch lange nicht geschafft. Ganz entscheidend für das Mass der Effizienz und Effektivität ist ein methodisches Vorgehen. Dabei gilt es, Prozesse, technische und menschliche Aspekte gleichermassen zu beachten. Wie ein Digitalisierungsprojekt in der Praxis erfolgreich gestemmt werden kann, zeigt die Einführung eines intelligenten Systems für die automatisierte Lagerbewirtschaftung in einem Schweizer Spital exemplarisch auf. Mitarbeiter auf die Transformationsreise mitnehmen In einem ersten Schritt wurde eine Auslegeordnung der bestehenden Prozesse gemacht und ihr Digitalisierungspotenzial ermittelt. Grossen Optimierungsbedarf wies dabei ein partiell papierbasierter Prozess rund um die Lagerbewirtschaftung der einzelnen Stationen auf: Die Pflegekräfte waren für logistische Teilbereiche wie Inventarisierung, Bedarfsermittlung, Bestellung oder Befüllung des Verbrauchsmaterials zuständig. Diese Abläufe waren zeitaufwändig sowie fehleranfällig und die Mindestbestände mussten sehr hoch gehalten werden, damit die Versorgungssicherheit gewährleistet war. Während des Projekts wurden die Mitarbeiter bereits in einem frühen Stadium eingebunden. Sie konnten wichtige Erkenntnisse zu Problemen und dem Optimierungspotenzial liefern. Zum anderen liess sich durch den frühen Einbezug auch eine hohe Akzeptanz der Veränderung sicherstellen. Wie wichtig das ist, zeigt auch eine Studie der Fachhochschule St. Gallen. Sie kommt zum Schluss, dass rund 50 Prozent der Arbeitnehmenden der Digitalisierung skeptisch gegenüberstehen. Besonders bei den Pflege- und Betreuungsfachkräften im Sozial- und Gesundheitswesen löse die digitale Transformation Ängste aus, schreiben die Autoren der Studie. Der Autor Urs Oswald, Berater, Indema Das Zielbild vor Augen Digitalisierung darf kein Selbstzweck sein. Deshalb wurde im weiteren Projektverlauf ein klares Zielbild definiert: Die Stationsbewirtschaftung sollte künftig automatisiert und damit effizienter, günstiger, transparenter und letztlich nachhaltiger abgewickelt werden. Bei der Umsetzung entschied man sich für ein etappenweises Vorgehen, um laufend Verbesserungspotenzial zu erkennen und auszuschöpfen. Eingeführt wurde schliesslich ein automatisiertes Bestandskontroll- und Beschaffungssystem für das Verbrauchsmaterial, das mithilfe präziser Waagen jeweils den genauen Bestand der einzelnen Produkte ermittelt und Nachbestellungen automatisch auslöst. Dank der engen Zusammenarbeit mit den Endbenutzern sowie der Anpassung und Optimierung aller Prozesse konnten die anvisierten Ziele erreicht werden: Einerseits wurde das Pflegepersonal von pflegefremden Aufgaben befreit und andererseits konnte die Versorgungsqualität gesteigert werden. Kostenvorteile liessen sich durch den geringeren Materialverfall, der optimierten Lagerhaltung, der höheren Transparenz sowie der besseren Planbarkeit realisieren. 5

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