Aufrufe
vor 1 Woche

IT for Health 2 / 2019

  • Text
  • Unternehmen
  • Informationen
  • Medizinischen
  • Menschen
  • Schweizer
  • Digitalen
  • Digitalisierung
  • Digitale
  • Patienten
  • Gesundheitswesen

E-HEALTH KONKRET Vier

E-HEALTH KONKRET Vier Stimmen zum Swiss E-Health Summit 2019 Am 11. und 12. September findet im Kursaal Bern der Swiss E-Health Summit statt. Vier Experten geben zu Themen Auskunft, welche die Gesundheitsbranche momentan beschäftigen. Interviews: Joël Orizet Markus Sager CEO, Swisscom Health Adrian Schmid Leiter E-Health Suisse « ZENTRAL IST EINE ALLGEMEINE AKZEP- TANZ, DASS DIESE TRANSFORMATION NOTWENDIG UND NÜTZLICH IST » Das Motto des diesjährigen Summits lautet «Leadership & Praxis für eine innovative Gesundheitsversorgung». Was verstehen Sie darunter? Leadership bedeutet für mich, neue Möglichkeiten aufzuzeigen und Pfade zu gehen, die noch nicht ausgetrampelt sind. Wir wollen als Technologiepartner im Gesundheitswesen vorangehen, etwas wagen und die Akteure in der Branche motivieren, mit uns neue Wege zu gehen. Dabei dürfen wir den Bezug zum praktischen Nutzen nie verlieren. Dank der Nähe zu Kunden und Nutzern unserer digitalen Lösungen verstehen wir deren Bedürfnisse. Nur auf dieser Basis ist die Entwicklung von Tools möglich, die in der Praxis wirklich begeistern. Was waren die bisher grössten Hürden, die das Schweizer Gesundheitswesen in Bezug auf die digitale Transformation überwinden musste? Zentral ist eine allgemeine Akzeptanz, dass diese Transformation notwendig und nützlich ist. Diese Hürde haben viele Akteure im Gesundheitswesen inzwischen genommen. Nun gilt es, im Alltag den Beweis zu erbringen, dass die Digitalisierung tatsächlich grossen Nutzen stiften kann. Einzelne, unabhängige Tools für verschiedene Use Cases zu entwickeln, führt dabei nur bedingt zum Erfolg. Wir müssen die Lösungen noch mehr zusammenwachsen lassen, um für alle Akteure eine maximale Wirkung zu ermöglichen. « EINE INNOVATIVE GESUNDHEITSVERSOR- GUNG KOMMT OHNE PATIENTENZENTRIERTE DIGITALE NETZWERKE NICHT MEHR AUS » Das Motto des diesjährigen Summits lautet «Leadership & Praxis für eine innovative Gesundheitsversorgung». Was verstehen Sie darunter? Eine innovative Gesundheitsversorgung kommt ohne patientenzentrierte digitale Netzwerke nicht mehr aus, sonst entfernt sie sich von den Menschen. Bei der Einführung braucht es «Leadership». Und im Alltag gelebte «Praxis». Was waren die bisher grössten Hürden, die das Schweizer Gesundheitswesen in Bezug auf die digitale Transformation überwinden musste? Das Schweizer Gesundheitswesen ist geprägt von einer Rollenteilung zwischen Bund, Kantonen und privaten Akteuren. In diesem Umfeld ist «Leadership» schwierig, weil die Macht verteilt ist. «Leadership» ist aber notwendig, um eine schweizweit einheitliche digitale Vernetzung zu erreichen. Was sind für Sie die wichtigsten Trends im Schweizer E-Health? Wer die Entwicklungen rund um den FHIR-Standard von HL7 beobachtet, kommt zum Schluss: Internationale Standards werden salonfähig! Was sind für Sie die wichtigsten Trends im Schweizer E-Health? Ich möchte zwei von diversen Aspekten herausgreifen. Erstens liegt in der Optimierung, Standardisierung und Automatisierung von Prozessen noch sehr viel Potenzial, um Kosten zu senken. Digitale Lösungen, die optimal in den Alltag der User eingebunden sind, stiften hier sehr grossen Nutzen. Zweitens wird das Patienten-Engagement immer wichtiger. Eine umfassende medizinische Betreuung rückt den Patienten noch konsequenter ins Zentrum und lässt ihn an dieser teilhaben. Auch hier machen digitale Lösungen vieles möglich. Stichworte sind etwa Patientenportale von Spitälern, Arzt-Patienten-Kommunikation oder Telemonitoring. 8

E-HEALTH KONKRET Jürgen Holm Abteilungsleiter Medizininformatik, Berner Fachhochschule Matthias Sonnenschein Business Strategy Manager, HCI Solutions « ES GILT, IN EINEM STARK REGULIERTEN MARKT DIE VERSORGUNG DER MENSCHEN NICHT AUS DEN AUGEN ZU VERLIEREN » Das Motto des diesjährigen Summits lautet «Leadership & Praxis für eine innovative Gesundheitsversorgung». Was verstehen Sie darunter? Leadership heisst in erster Linie, Verantwortung zu übernehmen, eine Eigenschaft, die in der Gesundheitsversorgung von besonderer Bedeutung ist. Es gilt, in einem stark regulierten Markt die Versorgung der Menschen nicht aus den Augen zu verlieren – und hier sind wir in der Praxis: Effizienz dort, wo sie zielführend ist – etwa ambulant vor stationär, einheitliche Finanzierung, und Innovation in der interprofessionellen Zusammenarbeit unter Einbezug der Patienten entlang der Behandlungspfade, unterstützt durch datenbasierte Technologien. Was waren die bisher grössten Hürden, die das Schweizer Gesundheitswesen in Bezug auf die digitale Transformation überwinden musste? Dies sind in erster Linie partikuläre Eigeninteressen, die den ganzheitlichen Blick auf die Zusammenarbeit im Gesundheitswesen versperren. Für mich ist es letztlich unverständlich, dass wir noch heute darüber reden müssen – wie vor 20 Jahren –, wie wichtig eine strukturierte, interoperable Datenerfassung ist. Daten-Interoperabilität ist die Blutgruppenkompatibilität für die digitale Transformation und den effizienten – und effektiven! – Betrieb von Data Science Centern. Was sind für Sie die wichtigsten Trends im Schweizer E-Health? In Abhängigkeit vom Erfolg des EPDs könnte es einen Schub in Sachen Interoperabilität geben. Wenn die Infrastrukturhersteller es schaffen, mit der gleichen technischen Basis wie beim EPD parallel B2B-Plattformen zu etablieren, könnte ein schweizweites B2B zwischen den verschiedenen Akteuren entstehen. Zu Ende gedacht, wird mit dem EPD eine schweizweite einheitliche Infrastruktur für den (interoperablen) Daten- und Dokumentenaustausch gebaut. Das hätte grosses Potenzial und würde den Mehrwert für die Finanzierung liefern. « WENN DAS EPD NUN ENDLICH BEGINNT ZU ‹DREHEN›, WIRD MAN SICH UM DIE DIGITALI- SIERUNG DER PROZESSE KÜMMERN » Das Motto des diesjährigen Summits lautet «Leadership & Praxis für eine innovative Gesundheitsversorgung». Was verstehen Sie darunter? In der Medikationsunterstützung – Clinical Decision Support, kurz CDS – bieten wir mit «Documedis CDS.CE» eine modulare Lösung an, die für Spital und Heim gleichermas sen wie für den ambulanten Sektor geeignet ist. Das Konzept von HCI ermöglicht es erstmals allen Systemanbietern im Schweizer Markt, ohne grosse Investitionen gleichzeitig bis zu zwölf Risiken beim individuellen Patienten zu prüfen. «Documedis CDS.CE» ist ein Medizinprodukt der Klasse eins gemäss MepV. Was waren die bisher grössten Hürden, die das Schweizer Gesundheitswesen in Bezug auf die digitale Transformation überwinden musste? Die Herstellung der Interoperabilität im Alltag vor allem durch Ablösung von veralteten Individuallösungen, also von nicht standard-kompatiblen Angeboten für Teilmärkte, die zudem nur Einzelprobleme bedienen. Was sind für Sie die wichtigsten Trends im Schweizer E-Health? Ersten ist E-Health viel mehr als das elektronische Patientendossier; wenn das EPD nun endlich beginnt zu «drehen», wird man sich um die Digitalisierung der Prozesse kümmern – innerhalb einer Organisation und zwischen den Beteiligten. Und «dHealth» wird dann ein Teil von «dLive» sein (müssen). Zweitens werden Standards pragmatischer und flexibler einsetzbar: so wird zum Beispiel FHIR einen wichtigen Platz einnehmen können. 9

Archiv